Notburga Ott
25 Seiten · 5,85 EUR
(März 2006)
Ein ausgewogenes Verhältnis von Solidarität und Eigenverantwortung ist von wesentlicher Bedeutung für die Akzeptanz gesellschaftlicher Sozialsysteme und damit für den sozialen Frieden. Ein „Zuviel“ an eingeforderter Solidarität wird bei den dazu Verpflichteten Ausweichstrategien und Verweigerungshaltungen erzeugen, wenn sie sich über Gebühr belastet fühlen – ein „Zuwenig“ bei den Betroffenen das Gefühl von Ohnmacht und „Im-Stich-gelassen-sein“, wenn sie in Notlagen nicht mehr aus eigener Kraft handlungsfähig sind.
In unserer Gesellschaft herrscht grundsätzlich Konsens darüber, dass solidarisches Handeln dann gefordert ist, wenn Notlagen unverschuldet sind und die Folgen für die Betroffenen unzumutbar sind. Wann aber Notlagen als „unverschuldet“ und welche Folgen als „unzumutbar“ anzusehen sind, ist innerhalb der Gesellschaft äußerst strittig und muss permanent neu ausgehandelt und im politischen Diskurs festgelegt werden. In diesem Prozess ist es Aufgabe der Wissenschaft, Kriterien für die Beurteilung und Bewertung dieser Fragen zu entwickeln, die die gesellschaftliche Diskussion strukturieren und Ansatzpunkte für die politische Gestaltung bieten.