sprache deutsch
sprache english
» shopping cart
0 article(s) - 0.00 EUR


Friday, December 15, 2017
 welcome page » policy  » policy advice 
Sind Ökonomen als politische Berater so gut und neutral, wie sie selbst gemeinhin annehmen?
download size:
approx. 266 kb

Sind Ökonomen als politische Berater so gut und neutral, wie sie selbst gemeinhin annehmen?

Einige kritische Anmerkungen

28 pages · 4.98 EUR
(January 2015)

 
I agree with the terms and conditions, especially point 10 (only private use, no transmission to third party) and accept that my order cannot be revoked.
 
 

Abstract:

When giving policy advice, economists often suggest that this advice is based on a consensus of most, if not all economists. This contrasts with reality, because even leading economists have strongly divergent opinions with respect to core economic policy questions. Different political convictions have an impact on their political recommendations. Moreover, their policy proposals can have severe negative side effects. When analysing the process of political advice, to cope with this problem the economic model of behaviour should be applied to all agents of the political advisory game, including the advisors. For this purpose, no “new” economic theory is necessary.

Aus der Eienleitung:

Dass Politiker (auch) ideologisch handeln, ist kaum zu bestreiten. Das Problem ist jedoch, dass auch Wissenschaftler im Allgemeinen nicht jene neutralen Sachwalter des Gemeinwohls sind, als die sie sich – z.B. im Anschluss an Max Weber – gerne selbst sehen. Dies gilt insbesondere in den Gesellschaftswissenschaften und damit selbstverständlich auch in den Wirtschaftswissenschaften. Auch Wissenschaftler haben eigene politische (ideologische) Vorstellungen, und diese fließen in aller Regel in ihre wirtschaftspolitischen Empfehlungen ein. Zwar sollte man niemandem von vornherein den guten Willen absprechen, sich für das Gemeinwohl einzusetzen, weder Politikern noch Politikberatern, aber zum einen bestehen sehr unterschiedliche, von den eigenen ideologischen Überzeugungen geprägte Vorstellungen darüber, was das "Gemeinwohl" beinhaltet, und zweitens ist es dann, wenn man, wie es heute in den Wirtschaftswissenschaften üblich ist, davon ausgeht, dass Politiker in erster Linie ihre eigenen Interessen verfolgen, nur konsequent, dies auch den wissenschaftlichen Beratern zu unterstellen.

Dazu kommt, dass die Ökonomen in ihren wirtschaftspolitischen Empfehlungen bei weitem nicht so einig sind, wie oft suggeriert wird. Dies gilt gerade auch für zentrale wirtschaftspolitische Fragen, wie z.B. die Einführung und/oder Höhe eines Mindestlohns, die derzeitige Politik der Europäischen Zentralbank oder die Frage, ob Deutschland angesichts der schwachen Konjunktur und der niedrigen Zinsen sich zumindest vorübergehend vom Ziel des ausgeglichenen Haushalts verabschieden sollte, um seine Infrastruktur zu sanieren und auszubauen. Schließlich scheint es Ökonomen (wie auch anderen Menschen) schwer zu fallen, Fehler einzugestehen. Dies gilt auch für Fehler in der Politikberatung. Anschauungsmaterial dafür hat die Finanz- und Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre geliefert. Zwar gibt es eine Reihe von Ökonomen, die sehen, dass diese Krise auch durch Versäumnisse der ökonomischen Profession verursacht wurde, insbesondere in den Bereichen der Finanzmarkttheorie und der Makroökonomik. Aber es gibt auch sehr prominente Stimmen, wie z.B. Robert Lucas, die bestreiten, dass sich die Wirtschaftswissenschaften hier etwas vorzuwerfen hätten.

Auch wenn sich die Wirtschaftstheorie zu Recht einiges vorhalten lassen muss, dürfte die Lösung nicht darin bestehen, die gesamte herrschende Theorie über den Haufen zu werfen und auf ältere Ansätze zurückzugreifen, egal ob diese einen politisch rechten (rechts-liberalen) oder linken Hintergrund haben. Die Kritiker der herrschenden ökonomischen Theorie berufen sich zum Teil auf die Ergebnisse der Verhaltensökonomik, aber zum Teil mit entgegengesetzten Schlussfolgerungen. Während z.B. Thaler und Sunstein in den aufgezeigten Verhaltensanomalien eine Begründung für zusätzliche Staatseingriffe sehen, sieht Glaeser darin Argumente für eine stärkere Begrenzung staatlicher Aktivitäten. In seinen Grundzügen wird der ökonomische Ansatz jedoch auch von der Verhaltensökonomik nicht bestritten. Auch sie arbeitet auf dem Boden des Methodologischen Individualismus und verwendet das schwache Rationalitätsprinzip. Sie hat freilich gezeigt, dass die starken Annahmen des engen Homo oeconomicus-Modells, volle Rationalität und strikter Eigennutz, bei weitem nicht immer als sinnvolle Abstraktionen zur Erklärung tatsächlichen Verhaltens geeignet sind.

Im Folgenden soll zunächst gezeigt werden, dass prominente Ökonomen heute in zentralen wirtschaftspolitischen Fragen diametral entgegengesetzte Auffassungen vertreten (2.). Danach wird am Beispiel des Wettbewerbs gezeigt, wie unterschiedliche politische Einstellungen wissenschaftliche Aussagen beeinflussen können (3.). In Abschnitt 4 wird an zwei gesundheitspolitischen Maßnahmen gezeigt, welche Probleme mit Vorschlägen von Ökonomen verbunden sein können (4.). Die Arbeit schließt mit einigen Ausführungen dazu, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind (5.).


quotable essay from ...
Reformen und ihre politisch-ökonomischen Fallstricke
Martin Held, Gisela Kubon-Gilke, Richard Sturn (Hg.):
Reformen und ihre politisch-ökonomischen Fallstricke
the author
Prof. Dr. Gebhard Kirchgässner
Gebhard Kirchgässner

geb. 1948, Universität St. Gallen, Professor für Volkswirtschaftslehre und Ökonometrie sowie Direktor des Instituts für Außenwirtschaft und Angewandte Wirtschaftsforschung.

[more titles]