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Monday, October 23, 2017
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Sprache, Bedeutung und Verstehen in der Ökonomik
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Sprache, Bedeutung und Verstehen in der Ökonomik

Eine „kodierte Sprache“ für die Federal Reserve Bank?

33 pages · 6.83 EUR
(April 2008)

 
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Aus der Einleitung:

Die moderne Theorie der Zentralbank stellt mit ihren ökonomischen Konzepten der ‚Transparenz‘, ‚Rechenschaft‘ und ‚Kommunikation‘ die tradierte Sichtweise über das Funktionieren von Geldpolitik bzw. Zentralbankpolitik grundlegend in Frage (Blinder/Goodhart 2001). Es kennzeichnet die gegenwärtige Debatte, dass versucht wird, die Bedeutung von Sprache bzw. Kommunikation und deren Wirkungen im Zusammenspiel von Finanzmarktakteuren und der Zentralbank, zum Gegenstand der modernen Theorie der Zentralbank zu machen. Allerdings scheint das Konzept der Sprache auf der Aristotelischen Sprachauffassung zu basieren, wonach Sprache ein Transaktionsmedium des ohne sie Gedachten ist. Bedeutungen sind demnach vorsprachlich und gegeben. In dieser mentalistischen Bedeutungstheorie verhaftet, kann die Entstehung von Bedeutung in der Interaktion, in der Praxis, nicht thematisiert werden. Auch der Kommunikationsbegriff scheint in der überwiegenden Literatur noch dem Sender-Empfänger-Modell und damit dem technizistischen Kommunikationsübertragungsmodell entlehnt zu sein.

Der vorliegende Beitrag geht davon aus, dass die Sprachhandlung der Zentralbank Teil der Interdependenz von ökonomischer Struktur und Aktion (Giddens 1984, 16) ist. Die im modernen Paradigma der Zentralbank betonte Wirkung der Handlung von Zentralbanken “through market, not against market” (Blinder 1998) indiziert, dass Sprachhandlungen zwischen der Zentralbank und dem Markt als dialogische Bedeutungsgenerierung zu verstehen sind. Sie sind Artikulationen, die von Unsicherheit im Handlungs- und Entscheidungszusammenhang nicht zu trennen sind: “uncertainty is not an important feature of the monetary policy landscape; it is the defining characteristic of that landscape” (Greenspan 2004). Daraus aber folgt, dass das Sprachhandeln der Zentralbank nicht über das Medium der kodierten Sprache die Unsicherheit minimieren kann. Die Gefahr einer kodierten Sprache, deren Ziel die Eindeutigkeit und Unmissverständlichkeit der Kommunikation sein soll, sehe ich darin, dass sie nicht kontextsensitiv ist und der der Alltagssprache typischen Vagheit und des Sinns, Bourdieu nennt es »sens pratique« (siehe Gebauer 2005), beraubt wird.

Dagegen möchte ich in Anlehnung an die moderne Sprachauffassung, wonach die Bedeutung und das Verstehen aus der Sprachverwendung in der Praxis resultieren, ein Plädoyer für die Alltagssprache in der ökonomischen Wissenschaft formulieren. Dabei gehe ich auch auf die Funktion von Sprache als Erkenntnisinstrument der ökonomischen Wissenschaft und damit in ihrer konstitutiven Funktion für die Wissensproduktionen und Gegenstandskonfiguration ein. Forschungsmethodisch knüpfe ich an jüngere Arbeiten über ökonomische Theorie und Sprache an (Männel 2002; Priddat 2005). Mit Blick auf die jüngeren paradigmatischen Diskussionen in der Makroökonomie kann zweifelsohne ein Trend hin zu einer interdisziplinären Öffnung festgestellt werden. Akerlof (2007) beispielsweise hebt in seiner “Presidential Address” an die American Economic Association im Januar 2007 hervor, dass ökonomische Theorien, die auf Neutralitätsannahmen basieren, wo es darum ginge, zu erklären und zu beschreiben, auf welchen Normen diese Prämissen basieren, nicht mehr akzeptierbar sind. Werden die von Akerlof thematisierten “five neutralities” in den makroökonomischen Theorien hinsichtlich ihrer Normen spezifiziert, dann werden auch die Kontextfaktoren, mithin die Konklusionen dieser Theorien anders zu formulieren seien. Die sprachtheoretischen Grundlagen, die sich aus psychologischen, soziologischen und philosophischen Ansätzen ergeben, habe ich an anderer Stelle ausführlicher erörtert (Muchlinski 2008a, 2008). Dabei folge ich der Überlegung, dass der Gebrauch und die Bedeutung von Worten nicht vom Kontext separiert werden kann (Muchlinski 2005). Ich möchte begründen, warum eine ‚kodierte‘ Sprache einer Zentralbankkommunikation nicht sinnvoll ist. Im ersten Kapitel spüre ich die Wurzeln der “monetary mystique” anhand des historischen Beispiels der Federal Reservebank auf. Das zweite Kapitel stellt die terminologischen Umdeutungen vor, die sich im Themenfeld der modernen Zentralbanken ergeben haben. Im dritten Kapitel erörtere ich die Gefahren, die sich aus der Verwendung einer kodierten Sprache für die Zentralbanken ergeben. Im vierten Kapitel fasse ich meine Überlegungen zusammen.


quotable essay from ...
Ökonomie, Sprache, Kommunikation
Alihan Kabalak, Birger P. Priddat, Elena Smirnova (Hg.):
Ökonomie, Sprache, Kommunikation
the author
Dr. Elke Muchlinski
Elke Muchlinski

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Freien Universität Berlin, Vertretungsprofessur an der Universität Trier für "Monetäre Ökonomik"

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