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Monday, October 23, 2017
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Sprache, Geld, Kommunikation: eine soziologische Annäherung
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Sprache, Geld, Kommunikation: eine soziologische Annäherung

32 pages · 6.67 EUR
(April 2008)

 
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Aus der Einleitung:

Die sprachliche Vermitteltheit ökonomischer Prozesse ist von der modernen Ökonomik stets unterstellt, aber kaum je thematisiert worden. Sprache zählt aus ihrer Perspektive ebenso wie die auf Sprache sich stützenden sozialen, kulturellen und politischen Institutionen zu den Rahmenbedingungen des Wirtschaftens, die getrost den „weichen“, mit geringeren Exaktheitsansprüchen operierenden Nachbardisziplinen überlassen werden können. Seit einigen Jahren sind zwar punktuell Grenzüberschreitungen zu beobachten, z.B. die wegweisende Studie von Donald McCloskey (1985), aber selbst die auf der Voraussetzung unvollkommener Information basierende Neue Institutionenökonomik hat es mühelos geschafft, von Sprache und Kommunikation abzusehen. Eine Ausnahme bilden die neueren Arbeiten von D.C. North, in denen “shared mental models”, also semantische, durch Kommunikation generierte Strukturen, die Aufgabe übernehmen, Individuen mit unterschiedlichen Wahrnehmungen und Nutzenfunktionen in ein gemeinsames, ökonomisches Handeln allererst ermöglichendes Sprachspiel einzubinden (vgl. Denzau/North 1994; North 2005).

Die an Max Weber anschließende verstehende Soziologie könnte diesen Befund aufgreifen und das Problem der Beziehung von Sprache und Ökonomie mit ihren eigenen Mitteln weiterbearbeiten. Die theoretischen Grundlagen scheinen jedenfalls vorhanden zu sein. So gehen z.B. Symbolischer Interaktionismus und hermeneutische Wissenssoziologie davon aus, dass menschliches Wahrnehmen und Handeln zeichengebunden sind und in „symbolische Formen“ (Cassirer 1994) gegossen werden, welche uns dann in dieser ausgedeuteten Welt als soziale Konstrukte gegenübertreten (vgl. Berger/Luckmann 1989). Statt an der objektiven Wirklichkeit orientieren sich Menschen offenbar an subjektiven Bedeutungen, die durch soziale Praktiken, nicht zuletzt durch Sprache, produziert und reproduziert werden. Dadurch rücken Begriffe wie „Sinn“, „Wissen“, „Gedächtnis“, Institution“, „Diskurs“, „Lebenswelt“ oder „Kultur“ in den Fokus der soziologischen Theorie und Forschungspraxis.

Das interpretative Paradigma wird inzwischen selbst von der avancierten soziologischen Rational-Choice-Theorie aufgegriffen. Sie hält zwar immer noch am Modell des rational man fest, sieht aber zugleich den handelnden Akteur verstrickt in ein Gewebe von Bedeutungen, die im Sinne eines „Referenzrahmens (frame) festlegen, wie die Akteure ihre jeweilige Situation definieren (vgl. Esser 2004). Von daher könnte man meinen, dass die Soziologie, insbesondere in ihren interpretativen Varianten, gute Voraussetzungen für eine Analyse der sprachlichen Imprägnierung der Ökonomie mitbringt.

Dem steht freilich die spätestens seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts etablierte Arbeitsteilung zwischen Ökonomik und Soziologie (vgl. Ganßmann 1996, 21ff.) entgegen: auf der einen Seite die Wirtschaftswissenschaften, die sich „rein sachlich“ mit der Verwendung alternativer Mittel angesichts knapper Ressourcen befassen, auf der anderen Seite die Soziologie, die sich genau unter Absehung ökonomischer Knappheitsverhältnisse auf die sozialen Praktiken und Strukturen konzentriert, welche von der ökonomischen Analyse vorausgesetzt werden. Die Analyse des Verhältnisses von Sprache und Ökonomie liegt exakt im Schnittpunkt dieser Disziplinen und hat daher mit fachinternen Widerständen zu rechnen.


quotable essay from ...
Ökonomie, Sprache, Kommunikation
Alihan Kabalak, Birger P. Priddat, Elena Smirnova (Hg.):
Ökonomie, Sprache, Kommunikation
the author
Dr. Günter Ulrich

1949), Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Sozialwissenschaften der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Forschungsschwerpunkte: Soziologische Theorie, Organisationstheorie, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik.

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