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Sprache und Wirtschaft als zeichenvermittelte Kommunikation
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Sprache und Wirtschaft als zeichenvermittelte Kommunikation

26 pages · 5.70 EUR
(April 2008)

 
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Aus der Einleitung:

Die spezifisch wirtschaftliche Kommunikationsart ist Transaktion. Obwohl der Begriff seit Commons (1995) in der ökonomischen Diskussion nach und nach das ältere Konzept „Tausch“ verdrängt, wird er nicht ganz einheitlich verwendet. Noch im Zuge der Aufwertung von „Transaktionen“ über die institutionenökonomischen „Transaktionskosten“ (Coase 1937; Williamson 1973) wurden weitere Ambivalenzen eingeführt. So will Williamson (1973) Transaktionskosten sowohl in Märkten als auch innerhalb von Organisationen identifizieren (um sie zu vergleichen), obwohl die wechselseitigen Leistungen von Unternehmensteilen in der Regel eben nicht bezahlt werden, was ja den spezifischen Unterschied zu Märkten ausmacht. Williamson geht es dabei nicht um die Rolle des Geldes, sondern um „Transaktionen“ als Übertragungen von Gütern über „Schnittstellen“, die – je nach Kontext oder Schnittstelle – mit verschiedenen Unsicherheiten konfrontiert sein können.

Da wir Transaktionen dagegen als grundlegende kommunikative Einheiten der Ökonomie auffassen wollen, in denen (ausschließlich) Geld als spezifisches ökonomisches Symbol fungiert, fassen wir Transaktionen ausschließlich als Kopplungen von Zahlungen und Leistungen auf. Keiner der beiden Einzelprozesse kann ohne den anderen beschrieben werden: Wer Geld ohne Gegenleistung überträgt, „zahlt“ nicht (wofür auch?).

Mit dieser Beschränkung der idealtypischen ökonomischen Kommunikation auf Transaktionen und ihr spezifisches Symbol wird explizit die Grenze zur natürlich-sprachlichen Kommunikation gezogen. Die ist in der Wirtschaft zwar stets präsent, aber kein systematisch ökonomischer, kein strukturbildender Prozess.

Dennoch weist die sprachliche Kommunikation grundsätzliche Parallelen hierzu auf: Die grundlegenden Kommunikationseinheiten der Sprache bilden Sprechakte. Sprechakte im weiteren Sinne bezeichnen jede Hervorbringung von sprachlichen Zeichen. Die Hervorbringung sprachlicher Zeichen vom Sprecher kann aber nur zusammen mit der gegenseitigen Annahme dieser Zeichen vom Hörer erfolgen – wenn die Aktivität des Sprechers sinnvoll als Hervorbringung oder Äußerung von Zeichen verstanden werden soll. Somit fasst der Begriff Sprechakt beide Seiten: die Hervorbringung, die auf die Annahme gerichtet ist, und die Annahme, die durch die Hervorbringung motiviert ist (eine ähnliche Sicht auf die inhärente Wechselseitigkeit sprachlicher Kommunikation präsentiert der Aufsatz von Diewald/Smirnova in diesem Band). Der Sprechakt kann daher bestimmt werden als Kopplung von (Aus)sprechen und Verstehen. (Aus)gesprochen und verstanden werden im sprachlichen Kommunikationsakt sprachliche Zeichen, oder sprachliche Symbole.

Wir sind der Auffassung, dass die Unzufriedenheit, die in den Sozialwissenschaften samt den Sprachwissenschaften allenthalben über das klassische Kommunikationsmodell (von Shannon in: Shannon/Weaver 1948) geäußert wird, daher rührt, dass dieses Modell lediglich indexikalische Zeichen (Signale) behandelt und nicht Symbole. Shannon beschränkt sich explizit auf die Übertragung von Signalen anhand eines gegebenen Kodierungsverfahrens, nachdem die Zeichenbedeutungen schon geklärt sind. Es gilt aber sowohl für die Sprache als auch für die Wirtschaft, dass die Nachrichten oder Informationen, die übermittelt, ausgetauscht – kommuniziert – werden, sich einer stabilen, ein für allemal geklärten Bestimmung entziehen. Für die Weiterentwicklung der (nicht technisch, sondern sozial ausgerichteten) Kommunikationstheorie ist offenbar die Rolle symbolischer Zeichen besser zu klären.

In der Sprache gilt der symbolische Status einzelner Zeichen und der daraus abgeleitete symbolische Charakter der Sprache als Zeichensystem seit jeher als eine unbestreitbare Tatsache. In der Wirtschaft geht es bei Zeichen natürlich um Geld als Symbol. Die zeichentheoretische Auffassung von Geld ist nicht neu (einen straffen Überblick über unterschiedliche Konzeptionen gibt Bauer 1997), ohne dass sich bislang eine einheitliche Theorie des Geldes durchgesetzt hätte (auch die von Simmel nicht). In der Soziologie stellt Parsons (1980) in seiner Theorie (bzw. seinem Konzept) der Interaktionsmedien die Verwendung von Geld als ‚symbolisch generalisiertes Medium‘ als Grundlage des ökonomischen Systems dar. Seine Arbeit setzt an der Vorstellung an, dass das generalisierende Potenzial von Symbolen, oder Medien, wie Geld und Macht, die in sozialen Interaktionen verwendet werden, die Leistungsfähigkeit dieser Interaktionen (und der dazugehörigen sozialen Systeme) steigert – und darüber solche Interaktionen wahrscheinlicher macht. Der Begriff Medium erscheint hier demnach als ein in erster Linie funktionaler Begriff, der lediglich einen Aspekt von Symbolen wie Geld und Macht in den Vordergrund stellt.

Wir wollen das Konzept ‚symbolisches Medium‘ über eine semiotisch fundierte Betrachtung des sozialen Umgangs mit Medien ausarbeiten (und dabei nur im Ansatz Parsons Idee weiterverfolgen). Sie eröffnet eine neue Sicht auf die sog. ‚symbolisch generalisierten Medien‘, die neben dem schon erwähnten funktionalen bzw. vermittelnden Aspekt der Symbole ihre genuine konstruktive bzw. weltkonstitutive Leistung berücksichtigt. Will man Geld als Symbol wirtschaftlicher Kommunikation erfassen, erfordert das allerdings mehr Theorieressourcen, als die Semiotik allein. Neben die Zeichentheorie treten sprechakt- und sozialsystemtheoretische Aspekte.


quotable essay from ...
Ökonomie, Sprache, Kommunikation
Alihan Kabalak, Birger P. Priddat, Elena Smirnova (Hg.):
Ökonomie, Sprache, Kommunikation
the authors
Dr. Alihan Kabalak
Alihan Kabalak

geb. 1975, Post-Doc am Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften, Leipzig.

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Dr. Elena Smirnova
Elena Smirnova

Mitarbeiterin am Deutschen Seminar, Abteilung Germanistische und Angewandte Linguistik, an der Leibniz Universität Hannover".

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