Sylvie Geisendorf
14 Seiten · 4,77 EUR
(März 2009)
Aus der Einleitung der Herausgeber:
An die in Ötschs Aufsatz sichtbar gewordene Verbindungslinie zwischen ökonomischen Theorien und technisch-naturwissenschaftlichen Bildern knüpft der Beitrag von Sylvie Geisendorf ‘The irrational foundations of neoclassical economics. How a simplified Newtonism shaped the perception of the economy’ an. Im Vordergrund ihres Aufsatzes stehen die Anleihen, die die Neoklassik aus dem Bereich der Physik aufgreift. Geisendorf untersucht die Analogie der Neoklassik (in der Tradition von Jevons und Walras) zur Mechanik von Newton. Anstatt einer (auch formal korrekten) Analogie zu den Bewegungsgesetzen von Newton (wie von Jevons und Walras intendiert), wurde nur das Hamilton-Prinzip in die ökonomische Theorie übernommen. Als Folge dessen werden in der Neoklassik systematisch „Ursachen“ und Wirkung“ verwechselt. Man könne nämlich die Wirkungsweise der „Ursachen“ (das Operieren der angenommenen „Kräfte“) nicht erklären, sondern lediglich die „Effekte“ bestimmen, die diese „Kräfte“ unter bestimmten Bedingungen hervorbringen können. Dieser systematische Fehler hat nach Geisendorf substantielle Wirkungen: er würde dazu beitragen, eine falsche Sicht auf die wirtschaftliche Realität zu fördern. ‚Der Markt‘ könne auf diese Weise – wie in den wirtschaftspolitischen Vorschlägen neoliberaler Ökonomen – uneingeschränkt als bestmögliche Lösung propagiert wird. Es würde unter den heutigen Bedingungen keine Schwierigkeiten bereiten, so der Schluss der Autorin, realistischere Modelle ökonomischer Abläufe zu entwickeln, die die beschränkte Rationalität der Akteure, die kausalen Zusammenhänge und die daraus resultierenden Entwicklungspfade berücksichtigen, und so deutlich zu machen, dass der Glaube an ‚den Markt‘ auch theorie-immanent unbegründet ist.