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Samstag, 4. Februar 2012
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Julia Schultz

Umwelt und Gerechtigkeit in Deutschland

Beitrag zu einer Systematisierung und ethischen Fundierung

"Beiträge zur Theorie und Praxis starker Nachhaltigkeit" · Band 4

Dissertationsschrift

299 Seiten · 34,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-89518-762-9 (September 2009)

 
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Beschreibung

Ökologie wird gewöhnlich unabhängig neben Gerechtigkeit diskutiert. Doch gerade Diskussionen um knappe Güter wie die Atmosphäre, natürliche Ressourcen und Ökosysteme bergen auch anspruchsvolle Gerechtigkeitsprobleme. Wie etwa kann bei der Endlichkeit der Energieressourcen gewährleistet werden, dass nicht den sozial Schwächsten zuerst der Strom abgeschaltet wird? Wie lässt sich zugleich Gerechtigkeit fördern, ohne dabei die ökologischen Grenzen zu überschreiten? Was also, so die Leitfrage des Buches, bedeutet Gerechtigkeit im Umweltkontext konkret? Das Buch nähert sich einer Beantwortung dieser Frage diskursiv für den Untersuchungsraum Deutschland. Ausgehend von der so genannten Environmental-Justice­-Bewegung in den USA analysiert die Autorin zunächst Erfahrungen in Deutschland. Im Hauptteil diskutiert sie wichtige ethische Gerechtigkeitsfragen, die diesen Debatten im Kern zugrunde liegen, aber bislang zu selten ausdrücklich bedacht werden. Schlüsselbegriffe wie der Umfang der Gerechtigkeitsgemeinschaft, negative und positive Rechte sowie absolute und vergleichende Gerechtigkeitsstandards finden ebenso Raum wie eine Diskussion unterschiedlicher zeitgenössischer Gerechtigkeitstheorien von John Rawls bis hin zu Martha Nussbaum.
Der Leser wird am Ende mit einer konkreten ethischen Checkliste entlassen, die sich aus Gerechtigkeitsperspektive an Umweltschutz in Deutschland und auch darüber hinaus anlegen lässt. Beispielhaft werden für die Bereiche Gesundheit, Haushaltsenergie und Tierrechte konkrete Instrumente und Maßnahmen zusammengestellt und kommentiert.
Die Autorin, Mitarbeiterin am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, hat mit dieser Studie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald promoviert.

dem Verlag bekannte Rezensionen (Auszüge)

Zeitschrift für Politikwissenschaft, 3.11.2009 HR 2.341; NR 2.343, 2.35, 2.64, 2.22, 2.23, 2.261 ()  [ nach oben ]

"In den Debatten über die Umweltpolitik in Deutschland spielt die Frage der Umweltgerechtigkeit bisher nur eine untergeordnete Rolle. Dagegen wird in den USA über "Environmental Justice" seit Langem kontrovers diskutiert. Die Autorin nimmt die Verknappung ökologisch relevanter Güter und die Tendenz zu wachsender Prekarisierung zum Anlass einer Systematisierung und ethischen Fundierung der Umweltgerechtigkeit. Dabei unterscheidet Schultz zwischen Umweltgerechtigkeit (zwischen Mensch und Mensch) und Ökologischer Gerechtigkeit (zwischen Mensch und Mensch und Mensch und Natur). Basierend auf den Gerechtigkeitsansätzen von Rawls und Nussbaum wird sauber herausgearbeitet, dass Umweltgerechtigkeit einerseits als moralische Norm angesehen werden, andererseits aber auch zu Interessenkonflikten führen kann, die besonders sozial Schwächere treffen können. "Tatsache ist [...], dass nicht alles, was ökologisch sinnvoll ist, per se sozial gerecht ist." (19) Vor allem Menschen mit geringem Einkommen oder schlechterer Bildung hätten mehr Probleme, sich an Umweltmaßnahmen anzupassen als besser gestellte Mitbürger: "Es fällt ihnen schwerer, sich Schadstoffbelastungen zu entziehen (z. B. durch Umzug), umweltschonendere Produkte zu kaufen oder steigende Preise für Umweltgüter zu zahlen (z. B. für Haushaltsenergie)." (19) Schultz sieht in der Gesundheitspolitik, der Energiepolitik und bei Tierrechten praktische Möglichkeiten, Umweltgerechtigkeit für breite Schichten zu realisieren. Sie empfiehlt "ein stärkeres ökologisches Empowerment sozial Schwacher" (242). Gleichzeitig sollte Umweltpolitik "konfrontativer werden und auch 'heilige Kühe' wie Lebensstile stärker unter Gerechtigkeitsaspekten problematisieren" (242). Schultz hat ein komplexes Thema fundiert aufgearbeitet und wichtige Anregungen für einen neuen ökologischsozialen Diskurs in Deutschland geliefert. Damit wird es möglich, Umweltschutz "um eine Art sozialen Verträglichkeitstest" (20) zu ergänzen und die Akzeptanz für umweltpolitische Eingriffe zu stärken."


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Die Autorin
Dr. des. Julia Schultz
Julia Schultz …hat in Berlin und als DAAD-Stipendiatin in den USA Nordamerikastudien, Politik und Publizistik studiert. Hat gefördert von der DBU an der Universität Greifswald im Fach Umweltethik promoviert. Arbeitet seit 2005 als Mitarbeiterin im Berliner Büro des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören soziale Gerechtigkeit in der Klima- und Umweltpolitik, Umweltethik und soziale Nachhaltigkeit. Sie ist Gründungsmitglied des Forums Ethik & Nachhaltigkeit (EthNa). [weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
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