sprache deutsch
sprache english
» shopping cart
0 article(s) - 0.00 EUR


Tuesday, November 21, 2017
 welcome page » economy  » markets, institutions & consumption  » institutions, standards & law 

Unsere Institutionen in Zeiten der Krisen

"Jahrbuch Normative und institutionelle Grundfragen der Ökonomik"  · volume 13

330 pages ·  34.80 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-7316-1058-8 (February 2014 )

 
 

Effizienz - das Setzen von sozial vorteilhaften Anreizstrukturen - ist ein wichtiger Schlüssel zur ökonomisch-theoretischen Erklärung und für die praktische Reform von Institutionen. In Krisen kommen indes Kerneigenschaften von Institutionen und Ordnungen in den Blick, die in einer rein effizienztheoretischen Perspektive im Hintergrund bleiben: In einer volatilen Welt sind Institutionen insbesondere dann nützlich, wenn sie robust und anpassungsfähig sind und zur Resilienz des Gesamtsystems beitragen.

Die in diesem Jahrbuch versammelten Aufsätze liefern vor diesem Hintergrund Bausteine für eine Institutionenökonomik, die Stabilisierung und Resilienz als wichtige institutionelle Funktionen ernst nimmt - und zu anderen Funktionen (Koordination, Allokation und Verteilung) in Beziehung setzt. Themen sind u.a.:

  • Institutionen europäischer Koordination unter Stress: Schuldenkrise, Finanzkrise, Eurokrise und ihre Wechselwirkungen
  • Multiple Krisen und Institutionen ökologischer Nachhaltigkeit
  • Ungleichheit, Fairnessnormen, Verteilungsmechanismen im Kontext der Krisen
  • Globalisierungskonforme Demokratie: Krisenbedingte Handlungszwänge und die Herausforderungen für den Sozialvertrag des Rheinischen Kapitalismus
  • Automatische Stabilisatoren und antizyklische Schuldenregeln als Institutionen der Krisenprävention
  • Die Relevanz der Entstehungsgeschichte von Krisen
  • Reinigende Krisen vs. Krisen als Lernprozess unter Stress: Unterschiedliche Krisenparadigmen in der Ökonomik und ihre Folgerungen für Politikdesigns


Gerhard Illing
Staatsverschuldung und Finanzkrise - Wechselwirkungen und Krisenpotenziale

Oliver Landmann
Europas fiskalpolitisches Koordinationsdefizit

Erik Gawel
Institutionen ökologischer Nachhaltigkeit in Zeiten der Krisen

Hagen Krämer
Ungleichheit, Marktversagen und Verteilungsnormen

Michael Hüther
Sind die Grundbedingungen demokratischer Ordnung in der Globalisierung zu verwirklichen?

Sebastian Botzem
Globalisierte Finanzmärkte als Herausforderung für demokratische Gesellschaften - zur Legitimierung des Investorenprimats in der Unternehmensrechnungslegung

Ulrich Witt
Eine evolutionäre Perspektive auf die europäische Einigung und die Euro-Krise

Karl Heinz Hausner, Silvia Simon
Schuldenregeln als Alleskönner? Erfahrungen nach zehn Jahren in der Schweiz und vier Jahren in Deutschland

Rudolf Dujmovits
Fiskalische automatische Stabilisierung: Ein bekanntes, aber offenes Konzept

Eduard Braun, Mathias Erlei
Über die Relevanz der Entstehungsgeschichte von Krisen

Ulrich Klüh
Sismondis Spur: Krisen- und Selbstverständnis der Ökonomik

Richard Sturn
Institutionen und Krisen - Agenda für Theorie und Praxis
Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39015-jahrbuch-normative-und-institutionelle-grundfragen-der-oekonomik_46692, veröffentlicht am 29.10.2015 ()

"Der Titel des Jahrbuchs lässt ein Manifest mit neoklassischen Analysen erwarten. Zwar verspricht in dieser Hinsicht zum Beispiel der Beitrag von Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, eindeutige Positionen, aber - und das ist dem Jahrbuch positiv anzurechnen - es kommen auch kritische Autoren zu Wort. So analysiert etwa gleich zu Beginn Gerhard Illing die Wechselwirkungen zwischen Staatsverschuldung und Finanzkrise, indem er das Reinhart‑Rogoff‑Theorem von einem vermeintlich negativen Zusammenhang zwischen staatlicher Schuldenquote und Wachstumsrate als empirisch widerlegt darstellt. Er geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er 'die Hoffnung, dass eine rasche Umsetzung von Sparmaßnahmen an den Kapitalmärkten als vertrauensbildende Maßnahme interpretiert und mit niedrigen Zinsen [...] honoriert wird' als 'naiv' (37) bezeichnet. Auch Oliver Landmann geißelt die gegenwärtige Krisenpolitik, deren 'einheitliche Geldpolitik' zur 'makroökonomischen Divergenz' (48) zwischen den EU‑Mitgliedstaaten beigetragen habe. Eine ganz andere normative Frage beleuchtet hingegen Hagen Krämer mit seiner Analyse der ungleichen Einkommensverteilung. Dazu führt er in überzeugender Weise das Konzept des 'normativen Marktversagens' (110) ein - ein Zustand, der dann eintritt, wenn die bestehende gesellschaftliche Einkommensverteilung 'keine Akzeptanz in der Gesellschaft' (97) mehr findet. Dazu sei es in der jüngsten Finanz‑ und Wirtschaftskrise gekommen, als in der breiten Öffentlichkeit das Wirken der Management‑Eliten der Wirtschaft hinterfragt wurde. Etwas ungewöhnlich und zum Teil befremdlich unökonomisch kommt der Aufsatz von Michael Hüther daher. So argumentiert er mit Blick auf die freiheitsbeschränkenden Wirkungen der Globalisierung, dass es eines neuen 'angemessenen Verständnisses der Bürgerlichkeit im öffentlichen Raum' (123) bedürfe. Um sein Verständnis von individueller Freiheit, Fairness und Partizipation zu entwickeln, bedient er sich etwas eklektisch bei so unterschiedlichen Autoren wie Paul Nolte, John Rawls, Hannah Arendt und dem Bundesverfassungsgericht, um dann - in neoklassischer Tradition - letztlich doch wieder ein Lob auf die Eigenverantwortung des Individuums zu singen. Etwas unkritisch fällt auch das Urteil von Karl‑Heinz Hausner und Silvia Simon zur Wirkung der Schuldenbremse in der Schweiz und der Bundesrepublik aus, obwohl sie in Deutschland - wie die Autoren selbst eingestehen - noch gar nicht richtig in Kraft getreten ist. Insgesamt hätte dem Band eine strukturiertere Abfolge der Beiträge gutgetan."

PS ()

"Eine Krise kommt selten allein", stellt Erik Gawel fest, der bei seinen Überlegungen von der Klimafrage ausgeht. Hat die heute notwendige "soziale Organisation der Mässigung" in Demokratien überhaupt eine Chance? Interessen gesellschaftlicher Gruppen stehen der "grossen Transformation" auf allen Ebenen im Weg. Nachhaltigkeit lässt sich zwar tatsächlich nur "gemeinsam gestalten", aber mit von Konferenz zu Konferenz erneuerten Appellen ist wenig getan. Es gilt, "verkannte oder unverarbeitete Konflikte" offenzulegen; "Wachstumsdynamik und Umweltverträglichkeit der kapitalistischen Wirtschaftsweise" werden dann zwangsläufig "insgesamt auf dem Prüfstand" stehen.

Mit einer "marktkonformen" Demokratie, wie sie 2011 von Angela Merkel bemerkenswert offen postuliert wurde, sind weder ökologische noch andere, mit ihnen verquickte Krisen zu lösen. Sebastian Botzem zeigt, wie nach einer allgemeinen nationalen Liberalisierung und Deregulierung jetzt weitgehend globalisierte Finanzmärkte die Politiken bestimmen. Es fand ein weltweiter Wandel grundlegender Ordnungsvorstellungen statt, und zwar "zu ungunsten sozialer Rechte, die zunehmend den Eigentumsrechten von Kapitaleignern untergeordnet wurden." Seit dem Ausbruch der Finanzkrise von 2007/2008 spitzte sich die Entwicklung noch zu. Wie kommen wir wieder weg von dieser Normenhierarchie? Alternativen werden ja im hektischen Krisenmanagement kaum diskutiert. Dass das in der Evangelischen Akademie Tutzing, wo die Jahrbuch-Redaktion sitzt und jene Tagungen stattfinden, auf denen die Sammelbände basieren, meist mit einem vom Mainstream abweichenden Wirtschaftsverständnis getan wird, ist löblich.

Speziell aktuell wirkt die Betrachtung von Ulrich Witt. Er beleuchtet den Prozess der Europäischen Einigung mit Sorge und wohltuender Differenziertheit. Jahrzehntelang kam die grossartige Idee nach 45 "in kluger Bescheidung" als wichtiges Friedensprojekt mit kleinen Schritten voran, wurde dann aber zunehmend strapaziert und 2002 durch eine überstürzte Einführung des Euro akut gefährdet. Die kulturelle Annäherung ist in einem derart vielfältigen Kontinent eine Aufgabe langfristiger Natur. Desgleichen der wirtschaftliche Ausgleich. Der "innereuropäische Einkommenstransfer", das macht der Autor mit einem Exkurs über Gruppenidentitäten und Grenzen menschlicher Solidarität deutlich, hätte gründlich und subtiler vorbereitet werden müssen. Schon national erweist sich ja die Bereitschaft zum Teilen als beschränkt. "Die politischen Entscheidungsträger, die eine gemeinsame Währung um der europäischen Einigung willen wollten, haben viel - wie sich nun zeigt: zu viel - Risikofreude bewiesen, indem sie nicht auf diese Entwicklung warten wollten."




the authors
Dr. Martin Held
Martin Held Studienleiter für Wirtschaft und Nachhaltige Entwicklung an der Evangelischen Akademie Tutzing. [more titles]
Prof. Dr. Gisela Kubon-Gilke
Gisela Kubon-Gilke Professorin für Ökonomie und Sozialpolitik an der Evangelischen Hochschule Darmstadt. [more titles]
Prof. Dr. Richard Sturn
Richard Sturn ist Joseph A. Schumpeter Professor für Innovation, Entwicklung und Wachstum an der Universität Graz. Er leitet das dortige Institut für Finanzwissenschaft sowie das Graz Schumpeter Centre. [more titles]
known reviews by the publisher
  • "es kommen auch kritische Autoren zu Wort" ...
    Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39015-jahrbuch-normative-und-institutionelle-grundfragen-der-oekonomik_46692, veröffentlicht am 29.10.2015 more...
  • "vom Mainstream abweichendes Wirtschaftsverständnis" ...
    PS more...
that may interest you, too
essays as pdf downloads