Lutz C. Kaiser
30 Seiten · 5,42 EUR
(März 2006)
Aus der Einleitung der Herausgeber:
Auf ein zentrales Leitbild der Beschäftigungspolitik geht Lutz C. Kaiser in seinem Artikel ein: das so genannte Normalarbeitsverhältnis. Er kennzeichnet diese Vorstellung des vollzeitarbeitenden, zumeistmännlichen Familienernährers als ein hauptsächlich in Deutschland verbreitetes Leitbild, das die empirischen Realitäten jedoch nur unzureichend beschreibt: Anhand empirischer Daten zum Beschäftigungsvolumen weist Kaiser die behauptete Erosion der Vollzeitbeschäftigungen zurück. Eine massive Erosion von Normalarbeitsverhältnissen lässt sich im internationalen Vergleich nicht nachweisen; was sich zeigen lässt, ist eine deutliche Divergenz zwischen den Geschlechtern. Der Anstieg der Erwerbsquote von Frauen basiert vor allem auf Teilzeittätigkeiten, die jedoch deutlich seltener als Brücke in eine Vollerwerbstätigkeit dienen, als dies für Männer der Fall ist. Mithilfe einer international vergleichenden, multivariaten Analyse arbeitet der Autor als zentrale Ursache – nicht nur, aber insbesondere für Deutschland – fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten heraus. Dementsprechend lautet sein Fazit auch, die deutsche Orientierung am Normalarbeitsverhältnis sorge für einen Modernisierungsstau, der die Schaffung neuer, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördernde Erwerbsoptionen verhindere.