Reinhard Pfriem / Thorsten Raabe / Achim Spiller
12 Seiten · 3,97 EUR
(September 2006)
Aus der Einleitung:
Es ist kein Zufall, dass Transdisziplinarität als forschungsstrategischer Imperativ speziell im Rahmen sozialökologischer Forschung thematisiert wird: sozialökologische Forschung wird bis heute überwiegend aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven mit heterogenen Begriffen, Methoden und Modellen betrieben, was die Umweltforschung in eine Sackgasse zu führen droht: insbesondere die komplexen Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Handlungsmustern, technischen, natürlichen, ökonomischen und kulturellen Wirkungsgefügen werden in der vorherrschenden Dualität naturwissenschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Forschungsorientierung ausgeblendet. „Konkrete gesellschaftliche Problemlagen erfordern Lösungsprozesse (und Lösungen), die die Ordnung der Disziplinen überschreiten und über rein innerwissenschaftliche Forschungsprozesse und -ansätze hinausgehen“.
Insbesondere in der Nachhaltigkeitsforschung wie z. B. im Rahmen des Förderschwerpunkts Sozial-Ökologische Forschung stellen sich für Projekte komplexe Problemstellungen als Ausgangsfragestellungen, deren umfassende Behandlung die Zusammenarbeit von Expertinnen und Experten unterschiedlicher Disziplinen und eine aktive Beteiligung von Akteuren aus der Praxis erfordert. Mittelstraß prägte das Verständnis, dass Umweltprobleme Folge des Zivilisationsprozesses sind und deshalb lebensweltliche Probleme darstellen. Zentrales Merkmal dieser Probleme ist deren Komplexität, die an den disziplinären Ordnungen nicht Halt macht: „Wo reines Spezialisten- und Expertentum versagt, Interdisziplinarität nicht greift, weil sie im System der Wissenschaft befangen bleibt und nicht verändert, Reduktionismus (welcher Art auch immer) nur zu Scheinlösungen führt, ist eine andere Orientierung geboten. Ihr Name ist Transdisziplinarität.“ Transdisziplinäre Forschung grenzt sich somit – wie der Begriff schon andeutet – zunächst von klassisch disziplinärer Forschung ab. Balsiger spezifiziert transdisziplinäre Forschung durch eine detaillierte Kontrastierung zur traditionellen, disziplinären Forschung: Unterscheidungsmerkmale sind Quellen der Forschungsfragen, Forschungsprozesse und deren Organisation, inhaltliche Orientierungen sowie Anforderungen im Sinne von Relevanzkriterien. Es kommt nach Mittelstraß insbesondere darauf an, wissenschaftliches Wissen mit lebensweltlichen Problemlagen und lebensweltlichen Zwecken wieder „ ... in problemlösender Absicht zu verbinden.“ Dies erfordert die Überwindung von zweierlei Grenzlinien: neben der Überschreitung disziplinärer Grenzen sind auch bestehende Grenzen zwischen wissenschaftlichem System und Wissen einerseits und Praxiswissen andererseits zu überwinden.