Nils Goldschmidt, Bernd Remmele
11 Seiten · 3,64 EUR
(September 2006)
Aus der Einleitung:
Unter dem Begriff „kulturelle Ökonomik“ entwickelt sich seit einigen Jahren ein Forschungsprogramm, das um eine grundlegende Klärung des Verhältnisses von Kultur und Ökonomie bemüht ist. Ganz im Sinne der postautistischen Bewegung in der Ökonomik geht es auch einer kulturellen Ökonomik darum, die engen, für lange Zeit unhinterfragten Grenzen und scheinbaren Gewissheiten der ökonomischen Theorie aufzubrechen. Analog zur Zielsetzung Max Webers soll so die Ökonomik wieder zu einer „Wirklichkeitswissenschaft“ werden, die sich der „Totalität“ (Simmel) ökonomischer Phänomene bewusst ist:
Ökonomische Prozesse sind nur im Kontext ihrer gesellschaftlichen Einbettung und entlang ihrer historisch-genetischen Entwicklung zu erklären – Ökonomie ist ein Teil der Kultur.2 Kultur ist in diesem Verständnis mehr als eine spezifische, zuweilen künstlerische Ausdrucksform menschlichen Lebens, sondern sie ist ein allgemeiner Begriff für die menschliche Daseinsform überhaupt: Kultur ist zu verstehen als „das ‚Ganze‘ des wechselseitigen Zusammenspiels von Denkformen, Formen des Sich-Verhaltens und sozialen Handelns und den wiederum daraus entstehenden Objektivationen“.