Sebastian Dullien
24 Seiten · 7,79 EUR
(Februar 2009)
Aus der Einleitung der Herausgeber:
Auf der Grundlage von Portfolio-Modellen befasst sich Sebastian Dullien mit den Konsequenzen, die sich daraus ergeben, dass das anhaltende amerikanische Leistungsbilanzdefizit das Angebot an Dollar-Anleihen der USA auf dem Weltkapitalmarkt erhöht, was für sich genommen zur Abwertung des Dollar und damit zu einer Aufwertung u.a. der chinesischen Währung führt. Dem steuert jedoch China – und so handeln auch andere Überschussländer – entgegen, indem die chinesische Notenbank US-Anleihen kauft und dadurch die Nachfrage nach US-Anleihen erhöht.
Welche Folgen ergäben sich für den Euro-Raum, wenn China angesichts des o.a. Dilemmas begänne, seinen Bestand an Dollarforderungen nicht weiter zu erhöhen oder gar zu verringern? Die chinesische Notenbank könnte dafür Dollar-Anlagen gegen Euro-Anlagen tauschen. Die Folge wäre eine Abwertung des Dollar und eine Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar bei unverändertem Yuan, sodass der Euro gegenüber beiden Währungen aufwertet. Da der Euro-Raum ein – wenn auch geringfügiges – Leistungsbilanzdefizit aufweist, wäre dies für Europa keine erwünschte Veränderung.
Die chinesische Notenbank könnte auch das relative Gewicht der US-Anleihen in ihrem Portfolio verringern, indem sie Euro-Anleihen gegen Yuan-Anleihen kauft. Dies wäre für den Euro-Außenwert ebenfalls ungünstig: Da die steigende Nachfrage nach Euro-Anleihen den Euro aufwertet und den Yuan abwertet, während der Dollar-Kurs nicht berührt wird, verteuert sich der Euro auch hier gegenüber beiden Währungen; nur ist jetzt die Aufwertung am stärksten gegenüber dem Yuan. Was sollte China im eigenen Interesse tun? Die Anhäufung von Auslandsforderungen bringt zwar das o.a. Dilemma mit sich, hat aber auch positive Effekte: Die Unterbewertung seiner Währung ermöglicht China eine Exportstrategie, die in China Einkommen entstehen lässt und die chinesische Exporteure zwingt, an der preislichen und qualitativen Wettbewerbsfähigkeit ihrer Produkte zu arbeiten, was die technische Entwicklung Chinas positiv beeinflusst. Diese Vorteile gingen verloren, wenn die chinesische Regierung versuchen würde, durch kräftige Nominallohnerhöhungen den Lebensstandard der Bevölkerung zu erhöhen: In dem Umfang, in dem chinesische Unternehmen diese durch Preissteigerungen kompensierten, käme es nämlich zu einer realen Aufwertung der chinesischen Währung. Insofern ist – so die Schlussfolgerung von Dullien – die Strategie der massiven Devisenmarktinterventionen nachhaltiger, als vielfach befürchtet.