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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Wer verantwortet eigentlich die nationale Inflationsrate in der Europäischen Währungsunion?
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Hans-Jürgen Krupp

Wer verantwortet eigentlich die nationale Inflationsrate in der Europäischen Währungsunion?

14 Seiten · 3,74 EUR
(November 2008)

 
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Aus der Einleitung:

Wer verantwortet eigentlich die nationale Inflationsrate in der Europäischen Währungsunion? Zwischen den Inflationsraten der einzelnen Länder der Währungsunion bestehen erhebliche Unterschiede. Dies ist weder verwunderlich noch besonders überraschend, da man schon vor Beginn der Währungsunion aufgrund der Erfahrungen anderer großer Wirtschaftsräume mit einheitlicher Währung wie der USA mit Inflationsdifferenzen rechnen musste. Allerdings stellt sich in einem Währungsraum, indem nur die Geldpolitik einheitlich ist, die Frage, wie die Wirtschaftspolitik mit diesem Phänomen umzugehen hat. Zugleich liegt hier auch die Möglichkeit, die Zuordnung von wirtschaftspolitischen Zielen zu Akteuren zu überprüfen. Dabei ist die Frage nach der Verantwortung durchaus im doppelten Sinne zu verstehen: Einmal geht es um die Zuständigkeit: Wer hat die Aufgabe, die Entwicklung der nationalen Inflationsrate zu steuern, wer trägt also die Verantwortung für sie. Zum andern geht es aber auch jenseits von Zuständigkeiten um die empirische Frage, wovon die nationale Inflationsrate abhängt, wer also im faktischen Sinn für sie verantwortlich ist. Die traditionelle, von Monetarismus und Angebotspolitik geprägte Zuordnung der Verantwortlichkeiten erweist sich an dieser Stelle als wenig hilfreich. Danach wäre ja allein die Geldpolitik für die Inflationsentwicklung verantwortlich. Diese ist aber europäisch, kann also die Inflationsdifferenzen nicht allein verursacht haben. Hieraus ergibt sich die Frage, ob und wie man sich vorstellen kann, dass die europäische Inflationsrate von anderen Phänomenen beeinflusst wird als die nationalen einzelnen Raten. Schließlich ist ja die europäische Inflationsrate der gewogene Durchschnitt der nationalen Raten. Damit ergibt sich erneut Anlass, diese traditionelle Zuordnung in Frage zu stellen.

Zunächst soll das Ausmaß der Inflationsdifferenzen skizziert werden, dann ist die Frage zu klären, welches die Ursachen für die beobachteten Inflationsdifferenzen sind. Zu diskutieren ist dann, ob es auf nationale Inflationsraten überhaupt ankommt, ob sie für die wirtschaftliche Entwicklung bedeutsam sind. Sollte dies der Fall sein, ist zu klären, wie die nationale und die europäische Wirtschaftspolitik damit umgehen kann. Letztendlich wird damit die Problematik der Aufgabenverteilung in der Wirtschaftspolitik Europas angesprochen.


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Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht
Harald Hagemann, Gustav Horn, Hans-Jürgen Krupp (Hg.)::
Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht
Der Autor
Prof. Dr. Hans-Jürgen Krupp
Hans-Jürgen Krupp Präsident der Landeszentralbank in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. 1969 Professor für Wirtschafts- und Sozialpolitik an der Universität Frankfurt. 1973 Vizepräsident, 1975 bis 1979 Präsident dieser Universität. 1979 bis 1988 Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin. 1988 Senator der Finanzen der Freien und Hansestadt Hamburg, 1991 Senator für Wirtschaft und Zweiter Bürgermeister. 1993 bis 2001 Präsident der Landeszentralbank in der Freien und Hansestadt Hamburg, in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein und Mitglied des Zentralbankrates der Deutschen Bundesbank. [weitere Titel]