sprache deutsch
sprache english
» shopping cart
0 article(s) - 0.00 EUR


Monday, January 22, 2018
 welcome page » history  » emigration & remigration 
Wertewandel in den Gewerkschaften
download size:
approx. 321 kb

Wertewandel in den Gewerkschaften

Zur Rolle gewerkschaftlicher Remigranten in der Bundesrepublik Deutschland der 1950er Jahre

28 pages · 3.68 EUR
(August 1997)

 
I agree with the terms and conditions, especially point 10 (only private use, no transmission to third party) and accept that my order cannot be revoked.
 
 

Aus der Einleitung:

Die gewerkschaftliche Remigration hat, in enger Verbindung mit den sozialdemokratischen Rückkehrern, die politische und gesellschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik stark beeinflußt. Der volle Umfang ihrer Wirkung auf die westdeutsche Gesellschaft erschließt sich jedoch erst bei einem Blick auf die 1950er Jahre. Studien zum Exil von Sozialdemokraten und Gewerkschaftern enden aber in der Regel mit den Schwierigkeiten der Rückkehr; Arbeiten zur Remigration reichen deshalb selten über 1949 hinaus. Überhaupt wird die Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung bis heute allzu eng als lediglich temporär unterbrochene und rein nationale Entwicklung geschrieben. Die Zerschlagung und Neugründung ihrer Organisation führten, mehr noch als bei der Sozialdemokratie, dazu, daß die deutschen Gewerkschaften oft nur bis 1933 und dann wieder nach 1945 in den Blick gerieten. Die historiographischen Schubladen haben sogar, um es bildlich auszudrücken, zwei Dimensionen: Sie sind nicht nur durch Epochengrenzen, sondern auch durch Landesgrenzen umrissen. Emigranten verschwanden aus der deutschen Perspektive, sie fallen sozusagen aus. Remigranten waren “wieder da” und sie wurden als handelnde Personen ausschließlich in ihrem deutschen Zusammenhang wahrgenommen. Dies hat zur Folge, daß ihre lebensgeschichtliche Erfahrung in der Fremde häufig nicht beachtet, nicht als politische und kulturelle Erfahrung in ihre Biographie einbezogen wurde; und es führte darüber hinaus auch dazu, daß geknüpfte Kontakte und Freundschaften ins frühere Gastland ausgeblendet blieben. Dies erschwert eine vollständige Sicht auf die Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung - und es verhindert eine klare Einschätzung der Bedeutung, die gewerkschaftliche und sozialdemokratische Remigranten für die Entwicklung der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland hatten.

Hier soll statt dessen gerade das Wirken von Remigranten in der Bundesrepublik der 1950er und frühen 1960er betrachtet werden; es soll dem Wandel von Ideen und Überzeugungen, den das Exil nicht selten zur Folge hatte, nachgespürt und - dies fällt tatsächlich vor allem in die 1950er Jahre - deren Umsetzung in Programmatik und gesellschaftlich durchaus relevante Politik untersucht werden. Es geht also um den “unmittelbaren Zusammenhang spezifischer Exilerfahrungen mit neuen Parteistrukturen, politischen Grundwerten, Wirtschaftstheorien, außenpolitischen Orientierungen oder den Strategien der Deutschlandpolitik”, auf den Werner Röder 1980 im Biographischen Handbuch der deutschsprachigen Emigration aufmerksam gemacht hat, der aber in seinen langfristigen Auswirkungen auf die deutsche Gesellschaft noch immer kaum Gegenstand historischer Forschung geworden ist.

Ich gehe davon aus, daß sich im Laufe der 1950er Jahre neue “Ideen” in der Gesellschaft der Bundesrepublik ausbreiteten und ferner, daß Remigranten, vor allem aus dem angelsächsischen Ausland, an der Durchsetzung dieser Ideen beteiligt waren. Die “Emigrantenhetze” jener Jahre läßt sich tatsächlich auch als Ablehnung der von den Rückkehrern ausgehenden Modernisierungsimpulse werten und kann damit als “Indikator für die Bedeutung der politischen Remigration in der Entwicklung der Bundesrepublik” gelten. Diese Wirkungen sollen hier am Beispiel gewerkschaftlicher Remigranten untersucht werden, wobei, wie sich noch zeigen wird, sehr enge Verbindungen zu sozialdemokratischen Remigranten bestehen, sich beide Felder also nur schlecht trennen lassen.


quotable essay from ...
Rückkehr und Aufbau nach 1945
Claus-Dieter Krohn, Patrik von zur Mühlen (Hg.):
Rückkehr und Aufbau nach 1945
the author
Julia Angster

Doktorandin an der Universität Tübinger