Gerold Blümle
Herausgegeben von Nils Goldschmidt und Dorothea Schmidt-Klau
"Geschichte der deutschsprachigen Ökonomie" · Band 30
373 Seiten · 36,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-89518-597-7
(Februar 2007)
Beschreibung
Gerold Blümle, langjähriger Ordinarius für Volkswirtschaftslehre an der Universität Freiburg, verbindet in seinen Schriften die theoretische ökonomische Analyse mit grundlegenden wirtschafts- und theoriegeschichtlichen Fragestellungen. In dieser Kombination entstehen Beiträge, die abseits der bekannten ökonomischen Pfade zu ungewohnten Blickwinkeln und neuen Einsichten führen. Der von Nils Goldschmidt und Dorothea Schmidt-Klau herausgegebene Band versammelt ausgewählte Aufsätze von Gerold Blümle aus mehr als drei Jahrzehnten. Der Bogen, den diese Aufsätze spannen, ist weit; er reicht von frühen Arbeiten zur Verteilungstheorie über wachstums- und konjunkturtheoretische Arbeiten bis hin zu wirtschaftsgeschichtlichen Studien und dogmenhistorischen Portraits. Das Credo seiner Forschungen ist dabei aber immer sichtbar: Die Volkswirtschaftslehre sollte eine lebensdienliche Wissenschaft sein, die theoretisches und historisches Denken miteinander verknüpft.
Inhalt
dem Verlag bekannte Rezensionen (Auszüge)
"Kein Ereignis hat die Menschheitsgeschichte stärker beeinflusst als die industrielle Revolution, die im späten 18. Jahrhundert in England ihren Anfang nahm. Aber warum gerade zu diesem Zeitpunkt und nicht früher? Warum besteht zwischen den Abhandlungen der Römer über die Landwirtschaft und denen im Europa des 17. Jahrhunderts kein großer Unterschied, obgleich in der Zwischenzeit mehr als 1500 Jahre vergangen waren? Und warum wuchs die Wirtschaft während der langen Dauer des Römischen Reiches möglicherweise gar nicht oder, wenn überhaupt, nur sehr langsam? Fragen über Fragen.
Könnte es an einem für die wirtschaftliche Entwicklung der alten Kulturen ungünstigen "Volksgeist" gelegen haben, um einen aus der Mode gekommenen Begriff Gustav Schmollers (1838 bis 1917), des Hauptes der Historischen Schule der Ökonomie, zu verwenden? Oder, moderner ausgedrückt: an ineffizienten Institutionen? Antworten auf diese Fragen enthält ein Aufsatz Gerold Blümles, der jetzt in einem Sammelband mit den wichtigsten Arbeiten des Freiburger Ökonomen nachgedruckt wurde.
Blümle beginnt seine historische Spurensuche mit den alten 'Wasserkulturen' Ägyptens, Mesopotamiens, Indiens, Chinas und des Inkareichs und stellt für sie übereinstimmend 'sehr früh durchorganisierte Staaten' fest, die durch die Dominanz staatlich gelenkter Zusammenarbeit wenig Spielraum für Privatinitiative gelassen hätten. Überdies galt in vielen von ihnen Gewinnstreben als unmoralisch. Und da diese Reiche zudem über sehr lange Zeiträume politisch stabil blieben, tat sich wirtschaftlich nicht viel.
Aber hätten die Römer es nicht schaffen müssen? Sie besaßen zwei wesentliche Vorzüge gegenüber anderen Kulturen: Sie hatten ein Rechtssystem entwickelt, das Privateigentum garantierte und damit private Initiative hätte befördern müssen. Und sie besaßen ein riesiges Reich und damit einen riesigen Markt, zudem eine beeindruckende Infrastruktur, die außerordentlich niedrige Transportkosten erlaubte. ...
Dass die industrielle Revolution ihren Ausgang in England nahm, ist nach Blümles Ansicht wenig erstaunlich. England besaß, auch dank der Kolonien, einen großen Markt, seine Landwirtschaft war hoch produktiv, und schließlich waren die gesellschaftlichen und politischen Voraussetzungen vorhanden. Dank des Parlamentarismus erfuhr die politische Macht "eine Umverteilung, wodurch der Kaufmann, der Bankier, der kapitalistische Landwirt und auch der Industrieunternehmer auf Kosten des Adeligen, des Großgrundbesitzers und der kleinen Handwerker begünstigt wurde". Während auf dem Kontinent - wie weiland in Rom - die Aristokratie Handel und Industrie ablehnend gegenüberstand. "Die industrielle Revolution", schließt Blümle, "begann nicht mit Erfindungen, sondern mit der wirtschaftlichen Nutzung vorhandener Techniken und den darauf folgenden weiteren wirtschaftlichen Impulsen." Genau das hatten Ägypter, Inkas und Römer nicht verstanden.