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Monday, April 23, 2018
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Wissenschaftsphilosophie interdisziplinärer Umweltforschung

"Ökologie und Wirtschaftsforschung"  · volume 59

176 pages ·  24.80 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 3-89518-519-1 (November 2005 )

 
 

Umweltprobleme sind komplexe Probleme an der Schnittstelle von ökonomischen und ökologischen Systemen. Ihre umfassende Analyse und Lösung erfordert eine Integration von natur-, sozial- und geisteswissenschaftlichen Ansätzen. In den letzten Jahrzehnten sind umfangreiche und ganz verschiedenartige interdisziplinäre Forschungsleistungen zum Thema Umwelt erbracht worden. Allerdings fehlt bislang eine tragfähige wissenschaftsphilosophische Basis.

Die Beiträge in diesem Sammelband beleuchten aus wissenschaftsphilosophischer Perspektive Möglichkeiten und Grenzen interdisziplinärer Umweltforschung. Es werden zunächst allgemeine wissenschaftsphilosophische Aspekte diskutiert: Was sind die spezifischen Charakteristika interdisziplinärer Forschung und inwiefern unterscheidet sie sich von disziplinärer Forschung? Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Frage, inwieweit der Gegenstand "Umwelt" in besonderer Weise interdisziplinäre Forschung erfordert und welchen Anforderungen diese genügen muss. Drittens wird in diesem Zusammenhang exemplarisch die Integration von Ökologie und Ökonomie betrachtet. Ein vierter Schwerpunkt liegt auf den wissenschaftsorganisatorischen Bedingungen für eine Institutionalisierung interdisziplinärer Umweltforschung. Dabei werden mögliche Konflikte zwischen dem Charakter interdisziplinärer Forschung und den traditionellen Strukturen und Bewertungsverfahren des etablierten disziplinären Wissenschaftsbetriebes diskutiert und mögliche Alternativen aufgezeigt.

Der Sammelband ermöglicht so eine wissenschaftsphilosophische Bestandsaufnahme und einen kritischen Ausblick auf die zukünftigen Möglichkeiten der interdisziplinären Umweltforschung.

C. Becker/S. Baumgärtner
Wissenschaftsphilosophie interdisziplinärer Umweltforschung: Eine Einführung

T. Petersen
Phronesis, Urteilskraft und Interdisziplinarität

P. McLaughlin
Interdisziplinaritätsgrenzen

H. Hesse
Erfordernisse, Möglichkeiten und Grenzen der Integration natur- und sozialwissenschaftlicher Forschung in philosophischer Perspektive

P.W. Balsiger
Einige grundsätzliche Überlegungen zu disziplinenübergreifenden Wissenschaftspraktiken

H.A. Mieg
Warum wir EINE Umweltwissenschaft brauchen und Interdisziplinarität (nur) eine nützliche Fiktion ist

M. Drechsler/F. Wätzold
Ökologisch-ökonomische Modellierung für den Biodiversitätsschutz: Notwendigkeit und ausgewählte Herausforderungen

J. Weimann
Integration zwecklos: Interdisziplinäre Umweltforschung als Verbundprojekt selbständiger Disziplinen

J. Schiller/R. Manstetten/B. Klauer/P. Steuer/H. Unnerstall/H. Wittmer
Charakteristika und Beurteilungsansätze problemorientierter integrativer Umweltforschung

M. Faber
Fazit und Ausblick

Forim Geoökol. 17 (3) 2006 ()

"Die Herausgeber fassen in ihrer Einleitung die wesentlichen Ergebnisse zusammen. Der Philosoph Thoma Petersen geht in seinem Beitrag auf Begriffe wie Urteilskraft und Phronesis (Klugheit) nach dem Verständnis von Aristoteles und Kant ein. Peter McLaughlan, Philosoph und Wissenschaftshistoriker, beschäftigt die Frage, ob aus Kooperation mehrerer Disziplinen eine neue Disziplin entstehen kann. Er geht noch einen Schritt weiter: "Warum sollten wir die alten Disziplinen beibehalten und die ganzen Reibungsverluste, die aus disziplinären Rivalitäten und Eifersucht entstehen, in Kauf nehmen?" Er verweist darauf, dass in der freien Forschung bei "Misserfolg" die Forschungsziele, nicht die dafür nötigen Mittel geändert werden. Dies ist jedoch in einem interdisziplinären Verbundprojekt nicht möglich. Der Ökonom Joachim Weimann sieht für die interdisziplinäre Forschung vor allem zwei Probleme: Erstens werden Forscher durch Anreize zu disziplinärer Forschung verleitet. Diese kann in Fachjournalen publiziert werden und erhöht die Reputation der Wissenschaftler, was bei interdisziplinärer Forschung nicht im gleichen Maße der Fall ist. Zweitens treten häufig methodologische Probleme auf. Naturwissenschaftler arbeiten empirisch, Ökonomen hingegen normgesteuert. Dies kann die Zusammenarbeit beider Disziplinen deutlich erschweren. Harald A. Mieg, Psychologe und Umweltsozialwissenschaftler, blickt wenig optimistisch in die Zukunft, denn "die wissenschaftliche Zielvorgabe einer interdisziplinären Integration von Ökologie und Ökonomie führt in die Irre". Er plädiert für eine Umweltwissenschaft, für eigene Peer Review Journale, für eine eigene Schule und eigene Institute mit Nachwuchsausbildung. Die Philosophin Heidrun Hesse hinterfragt den Begriff "Disziplin", der nach ihrer Ausführung nicht einer fest gefügten Ordnung von Fachkulturen entspricht, die sich klar voneinander abgrenzen lassen. So untergliedert sich z.B. die Disziplin Chemie in eine Vielzahl von Fachgebieten. Die Autorin versteht die Ökologie als Teildisziplin der Biologie. Der Physiker Martin Drechsler und der Ökonom Frank Wätzold befassen sich mit publizierter Biodiversitätsforschung. Sie recherchierten, wie viele Forschungsprojekte ökonomisch, wie viele ökologisch und wie viele von beiden Seiten betrachtet werden. Ökonomen berücksichtigen deutlich weniger Parameter für die Bewertung von Ökosystemen als Ökologen. Trotz oder wegen dieses Unterschieds empfehlen die Autoren die Zusammenarbeit beider Disziplinen von Projektbeginn an. Solche Verbundvorhaben berücksichtigen nicht noch mehr Parameter als jede einzelne Disziplin, sie treffen sich vielmehr in der Mitte, so ihr Resümee. Ein Autorenteam des UFZ um Johannes Schiller sucht nach einem Ansatz zur Bewertung der Umweltforschung. Denn die herkömmlichen Systeme sind in den einzelnen Disziplinen verankert und erfordern vertiefte Forschung im jeweiligen Feld. Transferleistungen in die Praxis werden bei der Beurteilung der wissenschaftlichen Leistung allenfalls marginal berücksichtigt. Eine Projektbegutachtung interdisziplinärer Forschungen sollte in Form prozessbegleitender Beratung während der gesamten Projektlaufzeit erprobt werden. Die Gutachter sollten mit allen Forschungsgruppen regelmäßig diskutieren bzw. Anregungen geben. In die Schlussbewertung könnte dann neben den Ergebnissen auch der Prozess eingehen. Das Buch schließt mit dem zusammenfassenden Fazit des Mathematiker und Ökonomen Malte Faber. ...

Insgesamt ist das Buch lesenswert, zumal ein gedanklicher Ausflug in die Philosophie durchaus bereichernd wirkt."




the authors
Dr. Stefan Baumgärtner
Stefan Baumgärtner Physiker und Ökonom, Leiter der Nachwuchsforschungsgruppe Ökologische Ökonomik am Alfred-Weber-Institut für Wirtschaftswissenschaften der Universität Heidelberg. [more titles]
Dr. Christian Becker
Christian Becker Alfred Weber Institut am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Heidelberg [more titles]
known reviews by the publisher
  • actualidad bibliográfica de filosofia y teologia, Juli-Dezember 2006, S. 271-272
  • "Insgesamt ist das Buch lesenswert, zumal ein gedanklicher Ausflug in die Philosophie durchaus bereichernd wirkt." ...
    Forim Geoökol. 17 (3) 2006 more...
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