Barbara Dluhosch und Klaus W. Zimmermann
80 Seiten · 11,76 EUR
(März 2008)
Aus der Einleitung der Herausgeber:
Barbara Dluhosch und Klaus W. Zimmermann gehen der Frage nach einem Benchmark-Modell des Staates in einem einerseits sehr breiten und andererseits auch sehr holzschnittartigen Ansatz nach: dies, als sie versuchen, die Denkweise des Erfinders des „Gesetz der wachsenden Staatsausgaben“ in Gestalt Adolph Wagners in einem Modell zu kontrastieren, das als Inputs ausschließlich die Kategorien privater und öffentlicher Güter sowie die Forderung nach Effizienz in der Allokation enthält. Dazu holen sie insofern weit aus, als sie zunächst unter Berücksichtigung neuerer kritischer Literatur zur Wagner-Exegese einige wesentliche Punkte herausarbeiten, die gerade in den empirischen Tests nicht berücksichtigt oder fehlspezifiziert worden sind: Das sind einerseits die Bedeutung, die Wagner öffentlichen Unternehmen für die Geltung seines Gesetzes zuschreibt, andererseits der Übergang vom Repressions- zum Präventivprinzip.
Was bleibt aber vom Wagnerschen Gesetz, wenn man es seiner historischen Bedingtheit entkleidet und der Frage der optimalen Staatsquote in einem auf die Güterkategorien reduzierten Modell nachgeht, unter der Bedingung, dass Wagners Analyse durch den Rekurs auf das repräsentative Individuum genuin partialanalytisch ist, in der Analyse für die Gesellschaft jedoch modellmäßig zumindest ein ganzzahliges Vielfaches dieses repräsentativen Individuums auftritt? Im Einzelnen: Im Rahmen einer Modellgesellschaft aus zwei Individuen mit zunächst unterschiedlichen, aber bezüglich privater und öffentlicher Güter identischen Präferenzen zeigt sich, dass die optimale Staatsquote im Modell des repräsentativen Individuums (Wagner) immer 50% beträgt, während im Kontext eines Gleichgewichts mit öffentlichen Gütern (Samuelson) die Staatsquote mit zunehmender Ressourcenmenge (Einkommen) sinkt; der Grund für diese Asymmetrie der Ansätze liegt in der vertikalen Aggregation der Präferenzen für öffentliche Güter, während das Ausmaß der Asymmetrie von der Divergenz der Grenznutzen privater Güter bestimmt wird: je divergenter, um so geringer ist die optimale Staatsquote im Samuelson-Kontext. Etwas spekulativer sind die anschließenden Ausführungen, die zusätzlich identische Individuen als weitere Vereinfachung annehmen und einen negativen empirischen Zusammenhang von Staatsquote und Reichtum bzw. ökonomischen Wachstum von Ländern unterstellen. Unter diesen Bedingungen wird gezeigt, dass sich in reicheren Ländern eine eher demokratische Willensbildung (Samuelson) empfiehlt, weil diese die Staatsquote gegenüber dem Optimum à la Wagner reduziert, während in ärmeren Ländern eher die autoritäre Herrschaft des repräsentativen Individuums (Wagner) favorisiert werden sollte, die via einer geringeren Staatsquote als in der Samuelson-Welt einen takeoff-Prozess auslösen könnte.