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Monday, June 17, 2019
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Adam Müllers Staats- und Wirtschaftslehre

"Geschichte der deutschsprachigen Ökonomie"  · Band 26

150 Seiten ·  29,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-89518-461-1 (Mai 2004 )

 
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Adam Müller (1779-1829), Haupt der "romantischen Schule der Nationalökonomie", steht den autoritär-zentralistisch durchgeführten Stein-Hardenbergschen Reformen in Preußen, mit denen Anfang des 19. Jahrhunderts der Boden für Industrialisierung und kapitalistische Modernisierung bereitet wird, kritisch gegenüber. Ihm geht es um eine natürliche Weiterentwicklung der bestehenden Gemeinschaften und Institutionen, den harmonischen Ausgleich zwischen städtischem Bürgertum und den landwirtschaftlichen Ständen, ein gesellschaftliches Gleichgewicht, das durch das spontane Handeln der Individuen von selbst entsteht. Wirtschaftliche Entwicklung muss sich in seiner Sicht dem Ziel unterordnen, solidarisch-gemeinschaftliche Sozialbeziehungen zu erhalten und eine gleichmäßige Entwicklung der Wirtschaftssektoren zu gewährleisten. Müller interessiert sich vor allem für das Problem, inwieweit es gerechtfertigt erscheint, historisch gewachsene Ordnungen der materiellen Wirtschaftsentwicklung zu opfern. Gerade angesichts der Umweltproblematik scheint es an der Zeit zu sein, Müllers Vermächtnis neu zu bedenken.

Die Forderung nach einer natürlichen, selbstregulierenden Entwicklung, die nicht durch äußere Eingriffe gestört werden soll, schon gar nicht durch die staatliche Einführung des Manufakturwesens im Interesse einer zentralistischen Machtausübung, wirft die Frage nach dem Verhältnis von Müllers Wirtschaftsdenken und dem Smith'schen "system of natural liberty" auf. Diese Fragestellung steht im Mittelpunkt der Arbeiten Haradas zu Leben und Werk Adam Müllers.

Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 2006, Heft 4, S. 540-541 ()

"Wer sich mit der Geschichte der deutschen Nationalökonomie beschäftigt, wird sich bald beschämt fragen, ob nicht die besten und am konsequentesten arbeitenden Forscher auf diesem Gebiet in Japan seien. ...

Tetsushi Harada publiziert hier eine aus einer Dissertation hervorgegangene Studie über Adam Müller, den "romantischen" Ökonomen, dem man in Deutschland meist gern aus dem Wege geht. Er gilt als wirr und reaktionär, ein Vorfahr schwarzer, wenn nicht brauner Ideologien. Natürlich sind solche Einteilungen zumindest unhistorisch. Harada, Jahrgang 1958, Ordinarius für Geschichte der Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Yokkaichi University, hat es verstanden, uns Adam Müllers Lehren in einer klaren und knappen Form zu vermitteln und uns auch die Person, der keine einfache Laufbahn geschenkt war, in ihrem Bestreben sympathisch erscheinen zu lassen, ohne dass der Abstand zwischen manchen Zielen Müllers und unseren modernen Normen verschwiegen würde. Die einzelnen Kapitel gehen auf Aufsätze zurück, die ihrerseits an die Dissertation anknüpfen; Harada folgt dem japanischen Muster, seine Forschung auf einem klar umrissenen Gebiet in langjähriger Arbeit zu vertiefen. ...

Harada sucht im zweiten Teil des Buches nach Parallelen zu Müllers Entwürfen und findet eine bedeutende in Wilhelm Emmanuel von Ketteler. Beiden war der Gedanke gemein, der Einzelne könne die Persönlichkeit nur innerhalb vorgegebener Gemeinschaften entfalten, wobei Harada Kettelers Forderung, die Arbeiter in Organisationen zu christlicher Solidarität zu führen und sie durch staatliche Sozialpolitik zu schützen - er war ein Begründer der heutigen katholischen Gesellschaftslehre - , für realistisch hält. Freilich hat sich Müller durch seine Angriffe auf "Kommerzialismus" und "Mammonismus" exponiert und sich mit der durchaus eindrücklichen Radikalität seiner Kritik in gefährliche Nähe fundamentalistischer Opposition begeben. Harada will ihn denn auch historisch sehen und gibt nur zu bedenken, ob es nicht angesichts der Umweltproblematik an der Zeit sei, im Verhältnis zwischen den Generationen den Solidaritätsgedanken wieder zu beleben und die wirtschaftliche Ordnung nicht ausschließlich von hemmungslosem Gewinnstreben bestimmt sein zu lassen. Auf das Maß kommt es an.

Durch seine bescheiden vorgetragene und vorsichtige Interpretation führt Harada einen nicht vergessenen, aber verrufenen Ökonomen in den Kreis der Autoren zurück, mit denen sich geistig auseinanderzusetzen auch heute noch lohnt.



European Journal of the History of Economic Thought , Vol. 11, Heft 4, 2004, S. 640-643 ()

"In light of some current fields of economic research, such as institutional or ecological economics, the meaning of Müller's thought (and romantic economic thought in general) should be reconsidered, and might gain new relevance. For both, a revaluation of his historical role and of his actuality, a more differentiated and in depth study of Müller's economic thought is required. In this respect, Tetsushi Harada, the current specialist on Adam Miller, clearly bridges a gap. His short volume offers a collection of essays resulting from his intensive studies on Adam Miller, and based on papers he has published in the last ten years. It presents a close and careful picture of Adam Miller's economic and political thought, referring to some of the relevant philosophical ideas upon which they are based and concentrating particularly on an exact analysis of Miller's relation to Adam Smith's thought."


the author
Prof. Dr. Tetsushi Harada
ist Professor für die Geschichte der Volkswirtschaftslehre an der wirtschaftswisenschaftlichen Fakultät der Kwansei Gakuin University (Japan), Vorstandsmitglied der Society for the History of Economic Thought Japan sowie Vorstandmitglied von The Society for the History of Social Thought (Japan)und Mitglied im Ausschuss für die Geschichte der Wirtschaftswissenschaften des Vereins für Sozialpolitik.
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 2006, Heft 4, S. 540-541 mehr...
  • "In this respect, Tetsushi Harada, the current specialist on Adam Miller, clearly bridges a gap." ...
    European Journal of the History of Economic Thought , Vol. 11, Heft 4, 2004, S. 640-643 mehr...
  • Junge Freiheit, 21.1.2001
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