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Donnerstag, 15. November 2018
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Adam Smiths vergessene Tochter: Clara Elizabeth Collet (1860-1948)
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Adam Smiths vergessene Tochter: Clara Elizabeth Collet (1860-1948)

40 Seiten · 5,70 EUR
(Oktober 2001)

 
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Aus der Einleitung:

... In mancherlei Hinsicht ist die Auslassung von Clara Collet in Thomsons Untersuchung nicht überraschend, verglichen mit dem ohnehin begrenzten Bekanntheitsgrad der sechs Personen, die in ihrer Arbeit über Wirtschaftswissenschaftlerinnen behandelt werden. Dagegen ist Collets Abwesenheit in anderen Untersuchungen, die sich mit der Frauenfrage im Kontext der Wirtschaftsgeschichte befaßt haben, sehr viel schwieriger zu erklären. Um die Jahrhundertwende war Clara Collet eine allgemein bekannte und geschätzte Autorin zu Fragen der Frauenarbeit, welche sie selbst bevorzugt im Stile Beatrice Webbs als Untersuchungen über „soziale Bedingungen“ umschrieb.

Sie hatte einen Sammelband über ausgebildete berufstätige Frauen veröffentlicht, sie hatte als eigens dazu ernannte Lady Assistant Commissioner für die Royal Commission on Labour (1891-94) an der Erstellung eines bedeutenden Gutachtens zur Arbeit und Einkommen von Frauen mitgewirkt, und sie erstellte für die im Handelsministerium neugegründete Abteilung für Arbeit mehrere Berichte über Einzelaspekte der Frauenarbeit. Wie Beatrice Webb war Collet an Charles Booths Untersuchung "Life and Work in London" beteiligt.

Darüber hinaus veröffentlichte sie wichtige statistische Untersuchungen zu Frauenfragen in renommierten Zeitschriften wie dem Journal of the Royal Statistical Society und dem Economic Journal. Für die letztere Zeitschrift hatte sie, was außergewöhnlich war, sowohl für den ersten als auch für den fünfzigsten (Jubiläums-) Band geschrieben. Sie schrieb außerdem zwei Beiträge für die Originalausgabe des Palgrave Dictionary of Political Economy, in denen die Arbeit von Frauen und das Einkommen von Frauen und Kindern behandelt wurden. Durch Mißachtung und Vernachlässigung scheint aus Clara Collet eine vergessene Tochter Adam Smiths geworden zu sein.

Doch weder während ihrer Forschungstätigkeit noch im Ruhestand galt sie als Außenseiterin, etwa in jenen akademischen Gesellschaften, zu denen sie im Alter zwischen 30 und 40 Jahren so Wesentliches beigetragen hatte. Hierzu sei angemerkt, daß sie ein aktives Mitglied der Royal Statistical Society und ein Gründungsmitglied der British Economic Association war, welche sich einige Jahre später in die Royal Economic Society umwandelte. Im Jahr 1890 ging von ihr die Initiative aus, den Junior Economic Club in London zu gründen, einer Untergruppe jenes angeseheneren Londoner Wirtschaftskreises, der sich in Hampstead traf, um Wirtschaftstheoretiker (Wicksteed, Edgeworth und Marshall), Verfechter der bimetallistischen Währungssysteme (Foxwell und Beeton), die Fabianer (Bernard Shaw und Sidney Webb) und andere, die die London School of Economics (Graham Wallas) in ihren Gründungsjahren unterstützten, zusammenzuführen. Sie war eng befreundet mit Henry Higgs und Foxwell, kannte Wicksteed gut und wohnte in ihrer Kindheit den Shakespeare-Lesungen im Hause Marx in der 1 Maitland Park Road bei. Später (1914) freundete sie sich mit dem indischen Planer Mahalanobis an. Sie ging zu den beliebten wirtschaftswissenschaftlichen Vorlesungen von Toynbee, Ruskin und Symes, interessierte sich für die Zusammenkünfte der British Economic Association und war eine der ersten Frauen, die eine hohe Position im Staatsdienst erreichte. Sie sollte daher eigentlich eine anerkannte anstelle einer vergessenen Tochter Adam Smiths sein.

Im folgenden soll versucht werden, diese bedeutende Ökonomin des viktorianischen Zeitalters, die frauenspezifische Themen mit dem Handwerkszeug und den Techniken moderner Wirtschaftsanalyse erforschte, ins rechte Licht zu rücken. Daher ergänzt dieser Aufsatz den kurzen Beitrag von Black (1987) im New Palgrave und die bisherigen Hinweise auf ihre Arbeit in den anderen Aufsätzen dieses Bandes, die sich mit Mary Marshall und Beatrice Webb beschäftigen. Nach einem biographischen Abriß wird in den darauffolgenden Abschnitten ihre Forschung über erwerbstätige Frauen mit Berufsausbildung, über allgemeine Arbeitsmarktbedingungen für Frauen, über Einkommen und über statistische Methoden ausgewertet. Abschließend soll ihr die Bedeutung beigemessen werden, die ihr zusteht als einer viktorianischen Ökonomin, welche bestrebt war, die zur damaligen Zeit mit Frauenarbeit verbundenen Probleme zu lösen. Ihr Werk stellt einen genauso bedeutsamen, politisch-ökonomischen Beitrag zum viktorianischen Feminismus dar, wie die Beiträge ihrer berühmteren Zeitgenossinnen und Kolleginnen.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Frauen in der Ökonomie
Anka Gronert (Hg.):
Frauen in der Ökonomie
Der Autor
Prof. Dr. Peter Groenewegen

ist Professor für Ökonomie und Direktor des „Centre for the Study of the History of Economic Thought“ an der Universität Sydney, Australien. Er publizierte über die Geschichte der Ökonomie und ist Author des Buches „ A Soaring Eagle: Alfred Marshall 1842-1924“.