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Akkumulation, Regulation, Territorium

Zur kritischen Rekonstruktion der französischen Regulationstheorie

Habilitationsschrift

326 Seiten ·  36,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-89518-375-1 (Februar 2002 )

 
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Mit dem Raum haben sich ÖkonomInnen lange Zeit kaum beschäftigt. Die französische Regulationstheorie ist einer von wenigen Ansätzen, die sich explizit mit Raum und Zeit auseinandersetzen. Ausgehend von der Regulationstheorie geht der Autor der sehr aktuellen Frage nach dem Verhältnis von Veränderungen des Raumes der Akkumulation und der Regulation nach. Hierbei stellt er zunächst eine Verbindung zu zentraleuropäischen Wurzeln der Regulationstheorie bei Weber, Sombart, Marx, Hilferding und Luxemburg her. Er arbeitet den Wandel der Grundkonzepte in der französischen, aber dann auch internationalen regulationistischen Diskussion auf. Dabei stellt er Diskussionsstränge, wie die auf Max Weber basierende Fassung des Regulationsansatzes von Bruno Théret, vor, die bislang im deutschen Sprachraum kaum rezipiert worden sind. Hierbei werden konzeptionelle Grenzen der Regulationstheorie speziell bei der Staats- und Raumtheorie deutlich. Der Autor beschränkt sich aber nicht auf eine Kritik der bisherigen regulationistischen Ansätze, sondern macht auch Vorschläge für eine partielle Reformulierung der Regulationstheorie. Diese beziehen sich speziell auf Staat und Raum.

Moderne - Kulturwissenschaftliches Jahrbuch I (2005), S. 189-190 ()

"Giddens schreibt, daß Menschen Geographie unter Bedingungen machen, die sie nicht gewählt haben. Ich habe versucht aufzuzeigen, daß auf das Machen der Geographie der Wirtschaftsverflechtungen und Regulation strukturelle Faktoren wirken, aber das Resultat auch ein Element der Kontingenz aufweist." Mit diesen Worten beschließt der an der Wiener Wirtschaftsuniversität lehrende Volkswirt Joachim Becker seinen ambitionierten Versuch der Rekonzeptualisierung der französischen Regulationstheorie. Das Unterfangen klingt zunächst schlicht und der methodologische Imperativ bekannt Der Autor greift die Forderungen der Neuen Geografen (Harvey, Soja) auf; den Aspekt der "Produktion des Raumes" (Lefebvre) in das gesellschaftstheoretische Denken zu integrieren, und hält sich im Zuge dessen konsequent an den state of the art, einen Mittelweg zwischen Struktur- und intentionalistischer Handlungstheorie zu suchen. Seine Habilitationsschrift legt Zeugnis davon ab, welche Arbeit aber zu leisten ist, will man das Neue in Vorhandenes integrieren. Dabei ist sein Denkweg deutlich davon gekennzeichnet, dass Kontingenz nicht als Zufall, sondern als wirtschaftspolitischer Handlungsspielraum verstanden wird. Dass sich letzterer seit den siebziger Jahren stark verändert hat, wird gemeinhin unter dem Stichwort der Globalisierung und der erodierenden Souveränität der Nationalstaaten diskutiert. Genau hier liegt die Leistung Beckers: Unaufgeregt lässt er die gängige Terminologie und die ihr eingeschriebenen Fokussierungen hinter sich und fragt präzise, an welcher Stelle welcher erprobten ökonomischen Modelle welche Modifikationen vorzunehmen seien, um die vom gegenwärtigen ("postmodernen`) Verflechtungsgrad von Kultur und Ökonomie geforderte interdisziplinäre Arbeit zu ermöglichen. Die Wahl des Ausgangspunkts überzeugt: Die französische Regulationstheorie ist einer der wenigen ökonomischen Ansätze, der eine kulturwissenschaftliche Orientierung aufweist und sich darüber hinaus explizit mit Fragen von Raum und Zeit auseinandersetzt. Der Darstellung dieser im deutschen Sprachraum noch ungenügend rezipierten Erklärungsmodelle widmet sich Becker ausführlich. Aus diesem Grund kann der Band unter anderem als Einführung in die Regulations- beziehungsweise Fordismustheorie gelesen werden - auch wenn das hohe Abstraktionsniveau und die Dichte der mit Beweisführung verzahnten Rekonstruktion dem Leser entweder ausreichende Vorkenntnisse oder eine buchstäblich unermüdliche Neugier abverlangen. ... Die Hartnäckigen werden jedoch mit einem interessanten, durchargumentierten Konzept zur Analyse des Zusammenhangs zwischen der Veränderung der Kapitalakkumulation, der Territorialität der Staatlichkeit und eines "Regulationsdispositivs” belohnt. Die vorgeschlagene Rekonzeptualisierung basiert auf einer Ergänzung der Marx'schen Theorie der Warenform durch den (nicht minder komplex gedachten) Aspekt der "Staatsform", die nach Becker nur gemeinsam - in ihrem Wechselspiel - zu verstehen sind. Zugleich bietet der Autor eine neue Sichtweise auf die viel zitierten flows von Waren, Kapital, Informationen etc. an: Sie bilden zwar einen "Verflechtungsraum" aus, der sich quer zum nationalen Territorial-Container" entfalte. Dennoch dürfe die Unterscheidung zwischen flüssig und fest nicht dazu verführen, die (nun: transnationale) Bewegung zum Prinzip der Akkumulation zu erklären, während man die Möglichkeit zur Regulation auf den verfestigten, nicht-verflochtenen Raumtyp beschränke. Becker stellt dieser Reduktion den Entwurf eines mehrdimensionalen "Konfliktschemas für territoriale Strategien" entgegen, das kleinteilige Analysen ebenso erlaube wie die Entwicklung und Bewertung von Handlungsalternativen. Die abschließend an Fallstudien skizzierte Operationalisierbarkeit des hoch komplexen Schemas bleibt zwar blass. Als breit und tief angelegtes Ideenreservoir fordert die geleistete Arbeit am Konzept, aber auch den Leser dazu auf, den zur Verfügung gestellten Spielraum selbst zu nutzen. Dass er genutzt wird, ist dem Buch zu wünschen.



Z - Zeitschrift für marxistische Erneuerung, Juni 2003, S. 206-208 ()

"... Die leicht überarbeitete Habilitationsschrift, die der Wiener Wirtschaftsuniversität präsentiert wurde, ist ein überaus informatives und gedankenreiches Werk, das die weitere Diskussion um die Regulationstheorie in der Bundesrepublik Deutschland stark beeinflussen wird. Die minutiöse Aufarbeitung der verschiedenen französischen Theoretiker stellt für sich genommen schon eine große Leistung dar. Deren kritische Verarbeitung und Einbettung in die internationale Gesamtdebatte sowie der Aufweis dessen, wie die Kategorien der Regulationstheorie auch auf weltwirtschaftlicher Ebene für das Nord-Süd-Verhältnis oder die Analyse von Entwicklungs- und Unterentwicklungsprozessen sowohl in den Metropolen wie der Peripherie genutzt werden können, stellt ein weiteres großes Verdienst dieser Arbeit dar, deren Literaturverzeichnis (285-326) im übrigen eine Fundgrube für viele Interessenten aus dem Lager einer kritischen politischen Ökonomie darstellen dürfte."

Journal für Entwicklungspolitik, 3-2003, S. 100-104 ()

"Die Regulationstheorie ist längst ein Begriff für die 'kritischen' SozialwissenschaftlerInnen im deutschsprachigen Raum, die sich mit dem Thema der politischen Ökonomie der Entwicklung beschäftigen. Jedoch blieb der Zugriff für viele ForscherInnen zum in Frankreich entwickelten Themenkomplex aufgrund der sprachlichen Barrieren und des Fehlens eines systematischen Überblicks über die unterschiedlichen Ansätze in dieser Theorie beschränkt. Das von Joachim Becker als Habilitationsschrift verfasste Buch verspricht mehr als diese Lücken zu füllen, indem er ausgehend von einer kritischen Rekonstruktion der Regulationstheorie eine umfassende Einleitung in den Theoriekomplex bietet und außerdem eine eigene Konzeptualisierung der Zusammenhänge zwischen Veränderungen der Kapitalakkumulation und der Territorialität der Staatlichkeit vorstellt. Damit steht im Zentrum des Buches die Frage des Raumes unter einer gesellschaftstheoretischen Perspektive, nämlich wie und unter welchen Bedingungen die Menschen 'ihre eigene Geographie machen'. Die räumliche Perspektive der Arbeit wird durch zwei weitere Dimensionen verfeinert. Zum einen wird auf den Zusammenhang zwischen Struktur und Handlung abgezielt, um eine akteurszentrierte Sichtweise der räumlichen Entwicklung ausgehend von einer marxistischen Sichtweise darzustellen. Zum anderen beschäftigt er sich mit der Frage der Entwicklung in den Ländern 'der Dritten Welt. ...

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Buch einerseits gut als Einführung in die Regulationstheorie für Politikwissenschaftlerlnnen, ÖkonomInnen und Raumforscherlnnen geeignet ist. Andererseits bietet es eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit den räumlichen Dimensionen der Akkumulationsstrategien, der Regulation und des Staates. ...



Geographische Zeitschrift, 2003, Heft 3+4, S. 252-254 ()

"... Wie ist Beckers Buch zur Rekonstruktion der französischen Regulationstheorie im Fazit zu bewerten? Zunächst einmal bietet Becker eine hervorragende Literaturstudie zum Diskussionsstand innerhalb der französischen Regulationstheorie. Schon im Ansatz originell ist auch der systematische theoriegeschichtliche Bezug auf den Einfluß der deutschen historischen Schule, der in der gängigen regulationstheoretischen Literatur eher zurückhaltend behandelt wird (vgl. Boyer/Saillard 2002). Ebenso pointiert ist Beckers konzeptionelle Erweiterung des Theoriegefüges um den Begriff des Regulationsdispositivs, der auf die Offenheit von Konflikten sowie auf die Krisenanfälligkeit der Regulation verweisen soll. Somit vermittelt Becker neben der kritischen Theorierezeption auch eigene konstruktive Ansätze zur Weiterentwicklung des regulationstheoretischen Forschungsprogramms. Daß dabei manche Aspekte all zu fragmentarisch abgehandelt werden, verweist auf punktuelle Schwächen in Beckers Beitrag. So ist etwa die weitgehende Vernachlässigung der englischen Debatte problematisch, insbesondere der Arbeiten Bob Jessops zu Staat, Raum und Regulation. Dies mag einer selbstgewählten thematischen Einengung geschuldet sein, die aber zumindest in der Diskussion ausgiebige Bezüge zu Jessops strategisch-relationalem Ansatz zugelassen hätte (Jessop 2002). An diesem Punkt wären auch weitergehende Verweise auf die handlungstheoretische Orientierung einer relationalen Wirtschafts- und Sozialgeographie sinnvoll gewesen (Bathelt/Glückler 2003). Ebenso mangelt es an Bezügen zu neo-schumpeterianischen und evolutionsökonomischen Themen, wie sie tatsächlich auch im Rahmen der Sombart-Rezeption diskutiert werden (Ebner 2002.) ... Von diesen inhaltlichen und formalen Kritikpunkten abgesehen, überzeugt Joachim Beckers Buch als stimulierender Beitrag zur raum- und staatstheoretischen Präzisierung der Regulationstheorie."


the author
a.o. Prof. Dr. Joachim Becker
Joachim Becker is Associate Professor at the Institute for International Economics and Development at Wirtschaftsuniversität Wien, presently he is Invited Professor for International Development at Universität Wien. Wirtschaftsuniversität Wien, Institut für Außenwirtschaft und Entwicklung [weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • "Als breit und tief angelegtes Ideenreservoir fordert die geleistete Arbeit am Konzept, aber auch den Leser dazu auf, den zur Verfügung gestellten Spielraum selbst zu nutzen." ...
    Moderne - Kulturwissenschaftliches Jahrbuch I (2005), S. 189-190 mehr...
  • "... Die leicht überarbeitete Habilitationsschrift ... ist ein überaus informatives und gedankenreiches Werk, das die weitere Diskussion um die Regulationstheorie in der Bundesrepublik Deutschland stark beeinflussen wird." ...
    Z - Zeitschrift für marxistische Erneuerung, Juni 2003, S. 206-208 mehr...
  • "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Buch einerseits gut als Einführung in die Regulationstheorie"...
    Journal für Entwicklungspolitik, 3-2003, S. 100-104 mehr...
  • "... überzeugt Joachim Beckers Buch als stimulierender Beitrag zur raum- und staatstheoretischen Präzisierung der Regulationstheorie." ...
    Geographische Zeitschrift, 2003, Heft 3+4, S. 252-254 mehr...
  • Wirtschaft und Gesellschaft, 3/2003, S. 470-472
  • Das Argument, 252/2003, S. 768-770
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