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Sonntag, 18. November 2018
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Aktuelle Entwicklungen der Theorie der Wirtschaftspolitik: Die Rolle des Lernens
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Aktuelle Entwicklungen der Theorie der Wirtschaftspolitik: Die Rolle des Lernens

26 Seiten · 3,89 EUR
(Juli 2008)

 
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Aus der Einleitung:

Die Wirtschaftspolitik ist häufig von kurzfristig orientierten, interventionistischen Aktivitäten geprägt, die wiederum einen entscheidenden Anteil an der Entstehung wirtschaftlicher Probleme haben. Solch diskretionäre Eingriffe können oft durch politökonomische Ansätze erklärt werden. Es erscheint plausibel, dass Politiker Informationsvorsprünge gegenüber der Bevölkerung dazu nutzen, sich als aktiv zu präsentieren und beispielsweise einen kurzfristigen Konjunkturaufschwung vor der Wahl zu erzeugen, mit entsprechenden negativen Langzeitfolgen für die Zeit nach der Wahl. So können sie einen Vorteil gegenüber politischen Konkurrenten erzielen und Abstimmungen gewinnen. Anders ausgedrückt: Politische und ökonomische Rationalität müssen nicht unbedingt übereinstimmen.

Diese Abweichung kann für längere Zeit anhalten, selbst wenn die negativen Effekte diskretionärer Politik in Fachkreisen wohl bekannt sind. Ein Paradigmenwechsel hin zu langfristigem Denken vollzieht sich nur über einen längeren Zeitraum. Dennoch werden Reformen durchgeführt, können aber mit politökonomischen Modellen, wie z.B. sinkenden Opportunitätskosten von Gegen-Lobbying, nur teilweise erklärt werden. Zur Erklärung solcher Prozesse wurde den Informationsdefiziten sowohl seitens der Politik als auch der Öffentlichkeit und der Rolle von Lernprozessen bisher nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet.

Rodrik verlangt in seinem Aufsatz Understanding economic policy reform nach „…a theory that explains not only why seemingly dysfunctional policies had been initially undertaken and then maintained for so long, but also why these policies were so suddenly abandoned en masse during the 1980s, often by the same politicians who had been their most ardent supporters“. Eine solche Theorie existiert bislang nur in Fragmenten. Dieser Aufsatz widmet sich deswegen besonders der Analyse von Lernprozessen in Politik und Öffentlichkeit sowie den Bedingungen für erfolgreiche Reformprozesse.

Die wichtigste Hypothese dabei ist, dass sowohl pathologische als auch aktive Lernprozesse Motoren für bedeutende Politikreformen sein können. In diesem Zusammenhang wird auf das Konzept des unvollständigen Wissens in der Analyse von politischen Prozessen verwiesen. Sowohl politische Entscheidungsträger als auch die Öffentlichkeit sind nicht vollständig informiert. Darüber hinaus können sie sowohl gegenüber Informationen als auch Beratungsergebnissen einen Bias aufweisen. Diese Rahmenbedingungen erlauben pathologisches und aktives Lernen als Basis für einen Politikwechsel und können einen Erklärungsansatz für die von Rodrik (1996) gestellte Frage liefern.

Der Aufsatz ist wie folgt strukturiert: Der zweite Abschnitt fasst kurz zusammen, warum eine langfristig angelegte und an Regeln gebundene Wirtschaftspolitik einer kurzfristigen und diskretionären überlegen ist. Unter der Annahme eigennutzenorientierter politischer Akteure ist eine solche Regelbindung jedoch schwer durchzusetzen. Der Anspruch an die Politik, langfristig zu denken und zu handeln erscheint unerfüllbar, da dies einen irrationalen Verstoß gegen das Anreizsystem bedeutet, das zu der ursprünglichen Kurzfristorientierung geführt hat. Dennoch ist in manchen Fällen die Einführung langfristiger Regeln zu erkennen. Der dritte Abschnitt des Aufsatzes analysiert aus diesem Grund die Umstände, unter denen solch ein Wechsel hin zu Regeln stattfinden kann. Die politökonomische Logik wird hierzu durch verschiedene Lernprozesse ergänzt. Empirische Fallbeispiele werden im vierten Abschnitt vorgestellt, bevor der Aufsatz mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse schließt.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Der Autor
Dr. Simon Renaud
Simon Renaud

studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität zu Köln und der Helsinki School of Economics and Business Administration. Von 2003 bis 2008 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik von Prof. Dr. Andreas Freytag an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Im April 2008 erfolgte die Promotion zum Dr. rer. pol.

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