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Anbau der heimischen Faserpflanzen Flachs und Hanf im Blickfeld von Agrar- und Naturschutzökonomie
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Anbau der heimischen Faserpflanzen Flachs und Hanf im Blickfeld von Agrar- und Naturschutzökonomie

59 Seiten · 7,80 EUR
(14. Januar 2008)

 
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Aus der Einleitung:

Während der Faserpflanzenanbau, insbesondere von Flachs oder Lein, früher in Deutschland ein wichtiges Element im Ackerbau war, ist er in den letzten Jahrzehnten auf winzige Reste zurückgegangen. Ältere Menschen vermissen die blau blühenden Flachsfelder aus ihrer Jugend. Ist der Flachsanbau in Deutschland, Österreich, Dänemark und Großbritannien nahezu erloschen, so wird er in einigen Ländern noch in erheblichem Umfang betrieben.

Der Rückzug des Flachses in die maritime Klimazone, insbesondere nach Flandern, hat auch technische Gründe – dort werden die heute geforderten Qualitätsziele am leichtesten erreicht. Ein großer Teil der in Flandern erzeugten Flachsfasern wird exportiert und in China zu Textilien verarbeitet. Beim Hanf ist der Anbau noch stärker als beim Flachs an bestehende Fabriken zur Erstverarbeitung gebunden.

Sowohl für Flachs als auch für Hanf ist eine weitere starke Abnahme der Anbauflächen nach 2005 zu beobachten. Der Rückgang des Anbaus ist aus verschiedenen Gründen bedauerlich, die nachfolgend diskutiert werden. Wer die näheren technischen und ökonomischen Umstände kennt, kann ihn jedoch nachvollziehen. Getreide, Kartoffeln und die meisten anderen Feldfrüchte werden mit effizienter Technik geerntet und abgeliefert, dann ist für den Landwirt die Arbeit beendet. Bei Faserpflanzen ist schon die Ernte ein Problem. Wahrscheinlich kennen nur wenige heutige Menschen die Bedeutung des Wortes „raufen“ („er rauft sich die Haare“). Traditionell wird Flachs gerauft, das heißt mit Wurzeln aus der Erde gerissen und abgelegt. Das war früher außerordentlich arbeitsintensiv. Wegen des starken Rückgangs des Anbaus bestand zumindest in Deutschland nur ein geringer Anreiz für die Landmaschinenindustrie, Erntegeräte für Faserpflanzen zu entwickeln; noch immer wird – freilich erfolgreich – experimentiert.

An die Ernte schließt sich der Vorgang der Röste. Entweder auf dem Acker oder anderswo müssen Mikroorganismen teils mehrere Wochen lang auf die Stängel einwirken, um die anschließende Trennung der Fasern von der übrigen Pflanzensubstanz (der Schäbe – vgl. das Wort „schäbig“) vorzubereiten. Die Feldröste ist sehr witterungsgebunden; die früher zuweilen durchgeführte Wasserröste war extrem Gewässer schädigend. Über diese erschwerenden Umstände hinaus ist der Faserpflanzenanbau nur durchzuführen, wenn technische Weiterverarbeitungskapazitäten („Schwingen“) zur Verfügung stehen, in denen die Bastfasern von den Stängelteilen getrennt werden und mit denen planmäßig kooperiert werden muss. Diese sind in Deutschland dünn gesät – bezüglich des Hanfes besteht noch die bessere Situation. Schließlich ist wie bei allen landwirtschaftlichen Erzeugnissen die Anbauwürdigkeit eine Preisfrage. Auch hier sind die Anreize derzeit nicht überzeugend. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass sich kaum jemand so schnell auf wandelnde ökonomische Umstände einstellt wie der Landwirt. Alles ist wandelbar, auch das technisch-rechtlich-ökonomische Umfeld des Faserpflanzenanbaus. Eine Renaissance dieses Betriebszweiges ist nicht auszuschließen. Der vorliegende Beitrag berichtet daher gerafft über seine agrartechnischen und -ökonomischen Besonderheiten. Er beruht auf einer detaillierten Auswertung der Literatur, welche jeweils bei den entsprechenden Passagen genannt wird.

Die Abschnitte 2 und 3 stellen die Kulturpflanzen Flachs und Hanf allseitig vor – von den botanischen Besonderheiten über Standort- und Bestellungsansprüche bis zu ihren Beiträgen zur Biodiversität, zur Bodenschonung und zum Landschaftsbild. Der Abschnitt 4 widmet sich – in Ergänzung des ausführlicheren Beitrages von Paulitz und Gusovius – den Erntetechniken, der Röste und der Verwertung der Fasern. Die Abschnitte 5 und 6 analysieren die agrarpolitischen Rahmenbedingungen und die Betriebswirtschaft. In mehreren Beispielen werden die Betriebszweige detailliert durchkalkuliert. Wichtige Zukunftsaspekte, die eine Renaissance des Faserpflanzenanbaus bewirken könnten, sind das Thema des Abschnittes 7; hier ist nicht zuletzt an energetische Verwertungsketten zu denken. Der Abschnitt 8 zieht Folgerungen aus allen voranstehenden für die künftigen Perspektiven eines insbesondere ökologischen 78 Ulrich Hampicke, Birgit Litterski und Wendelin Wichtmann Faserpflanzenanbaus, während der abschließende Abschnitt 9 Vorschläge für künftige Marktausrichtungen, Anbautechnologien, das Förderwesen und nicht zuletzt die Forschung unterbreitet.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Regionale Wertschöpfungssysteme von Flachs und Hanf
Hermann Biehler, Ulrich Hampicke, Ursula Richter und Peter Weise (Hg.):
Regionale Wertschöpfungssysteme von Flachs und Hanf
the authors
Prof. Dr. Ulrich Hampicke
Ulrich Hampicke

Professor am Botanischen Institut der Universität Greifswald.

[weitere Titel]
Birgit Litterski

Ernst Moritz Arndt Universität E.M.A.U. Greifswald, Botanisches Institut, Grimmer Straße 88, 17487 Greifswald, litterski@uni-greifswald.de

Dr. Wendelin Wichtmann

Institut für dauerhaft-umweltgerechte Entwicklung von Naturräumen (DUENE e.V.), Grimmer Straße 88, 17487 Greifswald, wicht@uni-greifswald.de