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Friday, February 22, 2019
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Anmerkungen zum Verhältnis von Macht und ökonomischem Gesetz
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Anmerkungen zum Verhältnis von Macht und ökonomischem Gesetz

20 Seiten · 3,60 EUR
(November 2008)

 
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Aus der Einleitung der Herausgeber:

Kalmbach wendet sich zunächst kritisch dem Begriff des „ökonomischen Gesetzes“ zu und beobachtet dabei, dass das Prinzip der Konkurrenz für die Existenz ökonomischer Gesetze als konstitutiv angesehen wird. Die „Übersetzung“ des soziologischen Machtbegriffs in den der „Marktmacht“, speziell der Macht des Monopols, exemplifiziert er am Beispiel des Lernerschen „Monopolgrads“. Gegen diese neoklassische Betrachtungsweise setzt Peter Kalmbach nun den Konkurrenzbegriff der Klassischen Politischen Ökonomie, in der anlagesuchendes Kapital in dem Bereich eingesetzt wird, in dem es eine möglichst hohe Rendite erwirtschaftet; allerdings lässt sich bei unbeschränktem Zugang und Austritt aus den verschiedenen Anlagesphären langfristig nur ein durchschnittlicher Profit realisieren, der durch die Tendenz zum Ausgleich der Profitraten zwischen verschiedenen Sektoren charakterisiert ist. Referenzpunkt ist hier also nicht das allgemeine Konkurrenzgleichgewicht, sondern die ebenfalls hypothetische Situation eines Profitratenausgleichs zwischen verschiedenen Kapitalanlagemöglichkeiten. Die klassische Ökonomie – Smith, Ricardo und Marx – verortet Macht also unmittelbar in der Gliederung der Gesellschaft in verschiedene soziale Klassen. Sie verschwindet demzufolge in Kalmbachs Sicht der klassischen Ökonomie auch dann nicht, wenn auf allen Märkten Konkurrenz herrscht. Deutlich wird diese unterschiedliche Betrachtungsweise am Beispiel der Entlohnung des Bodens, welche die Klassiker mit „Grundrente“ bezeichnen und als Ausdruck der Existenz von Privateigentum an Boden betrachten, während die Neoklassiker das „Wertgrenzprodukt des Bodens“ ganz symmetrisch zu allen anderen Arten von „Faktoreinkommen“ interpretieren und damit tendenziell den Unterschied von Sachkapital einerseits, Grund und Boden andererseits aufheben.

Im Anschluss an Erich Preiser erörtert Kalmbach das Auftreten von Macht am Beispiel des Arbeitsmarkts Hierzu nimmt er die sozio-ökonomischen Verhältnisse, unter denen Arbeitsangebot stattfindet, in den Blick. Die in der allgemeinen Gleichgewichtstheorie unterstellte Vielfalt, ja das Kontinuum verschiedener Alternativen bezweifelt er nicht zuletzt aufgrund des Einflusses, den unterschiedliche Vermögensausstattungen der Arbeitsanbieter auf ihr Angebotsverhalten ausüben. Daher sieht Kalmbach die Einkommensverteilung als einen Problembereich an, der „zwischen Macht und ökonomischem Gesetz“ angesiedelt ist. Am Beispiel der NAIRU, der „natürlichen“ Arbeitslosenquote, zeigt er den Konflikt zwischen den Verteilungsansprüchen von Unternehmen und Arbeitnehmern, der gerade nur durch ein Ungleichgewicht, nämlich Arbeitslosigkeit, zum Ausgleich gebracht werden kann – und zwar nicht nur zeitweise, sondern dauerhaft. Aber natürlich lässt sich auch anhaltende Arbeitslosigkeit in die neoklassische Sicht von (Markt-)Macht integrieren, soweit sie sich auf Gestaltungsspielräume bei Preis- und Lohnsetzung zurückführen lässt, also auf Abweichungen von der vollständigen Konkurrenz, die solche Machtpositionen begründen. Es wäre natürlich ebenso möglich, dass die Verfügung über Produktionsmittel und die Gestaltung der Arbeitsbeziehungen im Unternehmen ebenfalls als genuine Aspekte ökonomischer Analyse betrachtet werden, die man nicht einfach an die Nachbarwissenschaften, insbesondere die Soziologie, delegieren kann. Zum Schluss weist Kalmbach auf neuere Entwicklungen in der sozialen Gliederung der Gesellschaft und die wachsende Divergenz zwischen funktionaler und personaler Einkommensverteilung hin, die es schwierig, wenn nicht gar unmöglich machen, unmittelbar an die Analysen der klassischen politischen Ökonomie anzuknüpfen. Immerhin ergeben sich daraus Anfragen an die Ökonomik, denen sich diese nicht durch den Verweis auf die Logik des allgemeinen Gleichgewichts entziehen kann.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Macht oder ökonomisches Gesetz?
Johannes Berger, Hans G. Nutzinger (Hg.):
Macht oder ökonomisches Gesetz?
the author
Peter Kalmbach
Peter Kalmbach

ist emeritierter Professor am Institut für Konjunktur- und Strukturforschung der Universität Bremen.

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