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Montag, 19. November 2018
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Beißt sich die Entwicklungspolitik die Zähne aus ?
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Beißt sich die Entwicklungspolitik die Zähne aus ?

Überlegungen zu Sub-Sahara Afrika

11 Seiten · 2,39 EUR
(Februar 2001)

 
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Aus der Einleitung:

In den fünfziger Jahren gab es in vielen katholischen Kirchen eine Spendenbüchse, auf der ein kleiner Mohr saß. Jedesmal, wenn ein Groschen fiel, nickte er dankbar. Wir lernten damals, daß die Spenden den armen Heiden in Afrika zugute kämen.

Die Entwicklungszusammenarbeit hat seit jener Zeit, als der Impetus zu helfen aus einer karitativen und recht naiven Motivation erwuchs, einen langen Weg zurückgelegt. Von der immer präsenten Vielzahl an wohltätigen, meist kirchlichen Engagements einmal abgesehen, spielte sich die sogenannte offizielle Entwicklungshilfe1 von den sechziger bis zu den achtziger Jahren vorwiegend auf zwischenstaatlicher und multilateraler Ebene ab. Es gab die klassischen Instrumente der kreditfinanzierten Infrastruktur– und Investitionsprogramme und der durch nicht zurückzahlbare Zuschüsse finanzierten technischen Zusammenarbeit. Die Nothilfe in Krisensituationen spielte im Vergleich zur vergangenen Dekade noch eine untergeordnete Rolle.

Inspiriert von den im Rückblick optimistischen und eindimensionalen Modernisierungstheorien der fünfziger Jahre, sollte die Entwicklungshilfe dazu beitragen, Wissens–, Technologie– und Finanzierungslücken in den Empfängerländern zu verringern, wenn nicht gar zu schließen. Unterentwicklung wurde als ein Stadium beschrieben, in dem gerade solche Lücken einer zügigen Annäherung an die Standards der Industrieländer im Wege standen. Das übergeordnete Ziel der Stimulierung wirtschaftlichen Wachstums wurde in der Regel nach dem Muster der klassischen keynesianischen Wirtschaftspolitik verfolgt, die zudem gut in das den meisten Entwicklungsländern eigene Konzept eines staatlich gelenkten Aufbaus paßte. Das Argument, nach Erreichen der Unabhängigkeit habe zunächst kein nennenswerter Privatsektor existiert, der die Wirtschaft ankurbeln und selbst zum Motor von Wachstum hätte avancieren können, traf in der Tat besonders für die jungen afrikanischen Staaten zu. Staatsintervention als Substitut des fehlenden Privatsektors erhielt so eine veritable Rechtfertigung. Falls trotz der internen und externen Bemühungen der Erfolg ausblieb, verwies man auf die negativen Nachwirkungen von Kolonialismus und Imperialismus, später auf eine den Entwicklungsländern abträgliche Weltwirtschaftsordnung, insbesondere unfaire Handelsbeziehungen, noch später auf hohe Verschuldungslasten, also vorrangig externe Faktoren.

Zusammenfassend und vereinfachend kann man feststellen, daß sich die Entwicklungshilfe innerhalb der Koordinaten von Wirtschaftswachstum, Staatszentralismus und internationaler Umverteilung abspielte. Die Souveränität der Empfängerländer wurde ebenso wenig in Frage gestellt wie die Annahme, sie teilten stets und überall das vorrangige Ziel einer akzelerierten Wirtschaftsentwicklung.

Es fiel auch nicht weiter auf, daß auf multi– oder bilateraler Ebene vereinbarte spezifische Entwicklungsvorhaben in der Regel keine demokratische Legitimation besaßen. Die Öffentlichkeit in den Empfängerländern genoß keine Informations– und Meinungsfreiheit, die Medien unterlagen in der Regel strikten Kontrollen bzw. waren staatlich monopolisiert. Selbst als das Schlagwort der partizipativen Entwicklung aufkam und in der Folge weite Verwendung fand, änderte sich wenig an der Tatsache, daß Entwicklungsbedürfnisse von oben und ohne Beteiligung der Betroffenen formuliert und entsprechende Interventionen politisch als Wohltaten vereinnahmt wurden.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Der Autor
Dorothee von Brentano

geb. 1951 in Freiburg/Br., 1971-1976 Studium der Volkswirtschaftslehre sozialwissenschaftlicher Richtung an der Universität zu Köln, 1976-1979: Promotion bei Prof. Dr. W.W. Engelhardt, 1979-1988: Programme Officer bei United Nations Development Programme (UNDP, 2 Jahre) und Food and Agriculture Organisation (FAO, 8 Jahre) in Nairobi/Kenia, 1988-1997: Projektleiterin für Kenia, ab 1992 Regionalbüroleiterin für West-, Ost- und Zentralafrika, Friedrich-Naumann-Stiftung, mit Sitz in Nairobi/Kenia, seit 1998: Freiberuflich tätig als Consultant, wohnhaft in Nairobi/Kenia.