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Wednesday, April 24, 2019
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Betriebliche Wissensökonomie
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Betriebliche Wissensökonomie

Verfahren, Funktionen, Verirrungen

54 Seiten · 5,80 EUR
(Februar 2010)

 
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Aus der Einleitung:

Nähme man die Zahl der in den letzten zwei Dekaden entwickelten Instrumente zur Messung, Bewertung und Bewirtschaftung von Wissen als Indikator, so wäre der vollzogene Eintritt in die Wissensökonomie schlagend belegt. Angesichts dieser Instrumentenmasse und der noch viel massenhafteren Berichte über sie, könnten Einwände nur noch grundsätzlicher, nicht-empirischer, etwa diskurstheoretischer Art sein. Danach konstituiert das vielstimmige Sprechen den Gegenstand, über dessen Wahrheit wir nichts wissen.

Die Frage nach der Existenz der Wissensökonomie hatten wir freilich im Einleitungstext schon reflexiv beantwortet: Man kann jeden betrieblichen Teilprozess auch in wissensökonomischen Begriffen beschreiben. Natürlich behandelt ein Unternehmen, das heute, „in Zeiten der Wissensökonomie“ (oder der „upcoming knowledge society“, wie es so gerne in Parenthese heißt) eine Person einarbeitet, ein Wissensproblem methodisch. Das aber taten schon die Manufakturen zur Zeit von Adam Smith, und vor ihm die antiken Handwerker, jene Schuster und Schmiede, über deren Wissenskapital sich schon Sokrates Gedanken gemacht hatte. Die akademischen und die praxisbezogenen Instanzen der Berufsbildung haben dafür unzählige Anleitungen bereitgestellt, die man problemlos zu „wissensökonomischen Verfahren“ umetikettieren könnte. Genau das passiert gegenwärtig auch, neben all dem Angebot neuer Wissenswiegemethoden. Man macht es heute nur ein wenig anders als der große Gelehrte Nikolaus Cusanus. Der hatte noch im 15. Jahrhundert Menschen, die belehrt werden sollten, vorher wiegen lassen, um festzustellen, ob sie durch die Belehrung an Masse zugenommen hätten.

Wissensökonomische Beschreibungen sind allemal ein Reduktionismus, eine eklatante Vereinseitigung, die aber im Kombinieren und Kontrastieren mit anderen Vereinseitigungen ihren Nutzen haben kann. Eine Subdisziplin, die ökonomische Momente der Wissensproduktion und -verwendung hervorhebt, beginnt sich auch auf der Ebene unternehmensbezogener Theorie und Forschung zu etablieren, v.a. unter den Labels Knowledge Management und Intellectual Capital Management. Leider geht einem Großteil der Literatur das reflexive Moment, die Distanz zu ihrem selbst konstruierten Gegenstand ab. Hier wird jeder betriebliche Prozess zum Wissensprozess erklärt, und alles Immaterielle zu „Wissen“ umdeklariert, was man als große Entdeckung feiert. Konstruktivistisch wird zwar gerne „das Wissen“ behandelt, aber schon nicht mehr der eigene Blick darauf. Dies zu zeigen und einige Folgen zu benennen, ist eine Zielsetzung des Beitrags. Die zweite ist es, einen kritischen Überblick zu geben über Arten von Verfahren der „Wissensmessung“ und Wissensbewertung und/oder der Humankapitalbewertung; nur über Arten, denn die Verfahren selbst kann ein einzelner Buchbeitrag kaum mehr sinnvoll portraitieren. 2 Zunächst grenze ich den Gegenstand des Beitrags ab (Abschnitt 1), um eine erste Schneise in den wuchernden Dschungel des Wissenssprech zu schlagen. In Abschnitt 2 geht es um die äußerst „inklusiven“ Bestimmungen des für jede betriebliche Wissensökonomie zentralen Begriffs Wissenskapital, und um Konzeptionen seiner Messbarkeit. Die ökonomischen und politischen Funktionen der Verfahren, die intendierten und die faktischen, behandelt Abschnitt 3. Konzeptionen, Prämissen sowie Probleme der Verfahrensarten stehen in den Abschnitten 4 und 5 auf der Agenda, das aktuelle empirische Wissen hinsichtlich ihrer Verbreitung und Anwendung in der Praxis in Abschnitt 6, gefolgt von einer Bilanz der Bilanzierung.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Wissensökonomie und Innovation
Manfred Moldaschl, Nico Stehr (Hg.):
Wissensökonomie und Innovation
the author
Prof. Dr. Manfred Moldaschl
Manfred Moldaschl

ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der TU-Chemnitz. Forschungsschwerpunkte: Innovation, Beratung, Sozialkapital.

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