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Dienstag, 23. Oktober 2018
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Bilder des Wohlfahrtsstaates

"Beiträge zur Sozioökonomie "  · Band 4

320 Seiten ·  19,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 3-89518-090-4 (September 1996 )

 
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In vier brilliant geschriebenen Essays beschäftigt sich Prisching mit zentralen politischen Themen der Gegenwart: Schwindet die Solidarität in unserer Gesellschaft? Wie wandeln sich unsere Auffassungen über das Funktionieren der Wirtschaft und die Aufgaben des Staates? Ist der Anstieg der Staatsausgaben unaufhaltsam? Erreicht der expandierende Wohlfahrtsstaat seine Ziele?

Eindeutige Antworten auf diese Fragen gibt es nicht. Prisching zeigt in seinen Studien gerade auf, daß die einfachen Behauptungen und Lösungen, welche die öffentliche Diskussion beherrschen, unzulänglich sind. Dabei bleibt er nicht bei einer Analyse der objektiven Wirklichkeit stehen. Vielmehr geht es ihm um die subjektive Wirklichkeit, die Welt in den Köpfen; den sich wandelnden und widersprüchlichen Bildern, die sich die Menschen von dem machen, was um sie herum vorgeht. Diese Bilder bestimmen, was als Problem wahrgenommen wird, wie und wer es lösen soll.

So entstehen gegenläufige Argumentationsketten, die Prisching geschickt verknüpft. Dadurch werden nicht nur die Ambivalenz der thematisierten Probleme und die Inkonsistenzen im Denken und Handeln der Individuen vor Augen geführt, sondern es entstehen abgerundete Darstellungen von Problemen und Entwicklungen im Verhältnis Staat und Individuum in der modernen Industriegesellschaft.

"Es ist schwer vorstellbar, daß die europäischen Länder in den nächsten Jahrzehnten weitere zwanzig Prozent des Sozialprodukts in den Sektor der Sozialversorgung umdirigieren, wie dies in den letzten dreißig Jahren der Fall war. Doch weitere die öffentlichen Kassen strapazierende Belastungen lassen sich absehen: so etwa im Bereich der Pensionszahlungen, wo die demographischen Strukturen die Belastungsquote erhöhen, oder im Bereich der Gesundheitsleistungen, deren "Kostenkrankheit" bislang nicht in den Griff zu bekommen war. Aber auch sonst tun sich überall neue Anforderungen auf, berechtigte und unberechtigte, und der Wohlfahrtsstaat ist nicht in der Lage, ihnen nachzukommen. So wächst auch die Verdrossenheit der Bürger, und Rückschläge in der öffentlichen Meinung werden sichtbar: Der Staat tut immer mehr, mischt sich überall ein, kostet eine Menge Geld; und doch bleiben immer mehr Wünsche unerledigt.

Allzu leicht wird die Tatsache übersehen, daß er auch immer mehr Wünsche erledigt. Denn viele der Dynamiken, die in dieser Studie beschrieben wurden, sind gerade auf den Erfolg des Wohlfahrtsstaates zurückzuführen. Sie sind nur auszuloten, wenn man den "Wohlfahrtsstaat in den Köpfen", die kulturellen Komponenten des Sozialstaates, analysiert. Wir haben versucht, diese Vielschichtigkeit des Sozialstaates, Ambivalenzen und Widersprüchlichkeiten, Diffuses und Unsicheres herauszuarbeiten.

Der Wohlfahrtsstaat ist erfolgreich und schafft dadurch mehr Probleme. Er ist erfolgreich und schafft dadurch noch höhere Erwartungen. Er ist erfolgreich und gerät doch in die Krise. Darin besteht sein Mißerfolg."

Manfred Prisching

Inhalt:
I. Ökonomische Weltbilder. Die Dynamik der Gesellschaft und ihrer Wirtschaftstheorien - II. Das Ende der Solidarität? Zerfall und Rekonstruktion solidarischer Bindungen in der modernen Gesellschaft - III. Die Ausweitung der Staatsausgaben. Ein modernisierungstheoretischer Rahmen - IV. Sozialstaatliche Ideale und sozioökonomische Realitäten. Über die Kultur des Wohlfahrtsstaates

Das Parlament, 21.02.1997 ()

"Die Wahrnehmungen, welche wir von unseren wirtschaftlichen, politischen und sozialen Verhältnissen haben, verändern sich. Damit ist nicht das banale Verständnis gemeint, daß wir nach dem Eintreffen eines Ereignisses klüger sind als vorher, sondern es ist damit das Ordnen und Reifen verwirrend erscheinender Zusammenhänge gemeint. Manfred Prisching geht es in seinem Buch um diesen roten Faden, den wir in die Abfolge der Ereignisse hineinlegen. Akzentverschiebungen, wie sie am häufigsten im Feuilleton vorkommen, sind nicht sein Thema. ...

Wenn wir die Wirklichkeit untersuchen, dann untersuchen wir eine bereits gedeutete Welt. Die unser Leben prägenden 'echten' Strukturen und Prozesse sind nicht identisch mit den 'Bildern', die wir uns davon machen. ... Sie beeinflussen jedoch unser Verhalten und prägen damit auch wieder die 'objektive' Ebene, schlimmstenfalls bis zur 'self fulfilling prophecy'. Zu keinem Zeitpunkt existierte jedoch ein einziges Paradigma allein und beherrschte vollständig das Denken in einer Gesellschaft. Es ist nicht das Ziel des Autors, ein derartiges Paradigma zu entwickeln, sondern in allen vier Studien analysiert er die vorhandenen Paradigmen. Dabei bezieht er die 'weichen' Faktoren, wie Erwartungen, Modelle, soziale Regeln und auch Widerspüchlichkeiten im Denken und Handeln der Menschen, mit ein. Diese Verbindung von quasi idealtypischen Theorien und ihrer realen Veränderung durch die Reflexion in den Köpfen sowie das Handeln der Menschen ist das Ungewöhnliche an seinem Buch. ...

Die Studien von Prisching warnen vor Selbstgefälligkeit. Sie liefern auch Hinweise zu einem Zusammenhang, auf den der Autor nicht explizit eingeht. Die Ausdehnung des Wohlfahrtsstaates über eine bestimmte Grenze hinaus, untergräbt seine Grundlage. Diese Grenze ist im Verlauf des Prozesses nicht eindeutig zu erkennen und heftigst umstritten. Gleiches trifft auch auf seine Grundlage, die Leistungsbereitschaft eines ausreichend großen Teiles der Bevölkerung zu. Wobei die Rolle der Leistungsbereitschaft in der Diskussion über die Ausdehnung des Wohlfahrtsstaates sogar marginalisiert wird. Das führt dann zu einer Gegenreaktion, deren Veränderungsbestreben als Gefahr für das Gesamtsystem angesehen wird. Das legt den Schluß nahe, daß nicht nur die Entwicklung der Wirtschaft in Wellenbewegungen erfolgt, sondern auch die Veränderung unseres gesellschaftlichen Umfeldes.

Es ist die 'List der Geschichte', daß zahlreiche angestrebte Veränderungen, die innerhalb des Wohlfahrtsstaates eine positive Wirkung entfalten sollen, ihre Verheißung nur zu einem Teil und nur zeitweilig einlösen sowie zu entgegengesetzten Resultaten führen können. ... Die realen Entwicklungen können längere Zeit entgegengesetzt der populären Wahrnehmung verlaufen. Offensichtlich hat unsere Gesellschaft noch keine Methoden entwickelt, die es uns ermöglichen würden, den Höhepunkt einer solchen Wellenbewegung rechtzeitig zu erkennen; jedenfalls nicht auf der Ebene breiter gesellschaftlicher Akzeptanz. Nur dann wäre es auch möglich, mit den geringsten Schmerzen gegenzusteuern. Es ist aus heutiger Sicht unwahrscheinlich, daß sich für die gesellschaftspolitischen Veränderungen etwas dem Konjunkturbarometer in der Wirtschaft Vergleichbares finden lassen würde. Bereits die Fragestellung mag absurd klingen. Durchaus real ist jedoch die Warnung des Autors vor der Suche nach Gesetzmäßigkeiten oder politischen Instrumentarien, die nicht in Raum und Zeit eingebunden sind: 'Wir legen dabei besonderen Nachdruck auf die Ambivalenzen, die sich hinter den Problemen verbergen, und versuchen zu zeigen, daß die einfachen Behauptungen und Lösungen, welche die öffentliche Diskussion beherrschen, allesamt unzulänglich sind.' Wir werden uns deshalb angewöhnen müssen, einmal vollzogene Veränderungen in kurzen Abständen zu überprüfen, um sie erneut zu verändern. Auch müssen wir lernen, die begrenzte Wirksamkeit unserer Vorstellungen zu respektieren.

Manfred Prischnig hat ein Buch geschrieben, das sich auch in seinem Sprachstil weit über die kleine Gelehrtengilde hinaus orientiert. Es ist in mehrfacher Hinsicht lesenswert."




Der Autor
Prof. Dr. Manfred Prisching
Manfred Prisching

[weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • Utopie kreativ 9/1997, S. 89-91
  • Conturen, 1/1997, S. 90
  • "Manfred Prischnig hat ein Buch geschrieben, das sich auch in seinem Sprachstil weit über die kleine Gelehrtengilde hinaus orientiert. Es ist in mehrfacher Hinsicht lesenswert." ...
    Das Parlament, 21.02.1997 mehr...
  • Zeitschrift für Politikwissenschaft, 1/1997, S. 218-219
  • Politische Vierteljahrsschrift 4/1998, S. 616
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