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Das Eigentum
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Das Eigentum

25 Seiten · 4,47 EUR
(13. Februar 2007)

 
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Aus der Einleitung der Herausgeber:

Hans-Joachim Stadermann untersucht, was zu Eigentum werden kann und wie es erlangt wird. Dabei unterstreicht er ganz wie de Soto, dass der Formalisierung von Eigentum eine weit größere Bedeutung zukommt, als man es nach der Literaturlage in der ökonomischen Theorie erwarten könnte. Dort wird nicht die Funktion von Eigentum untersucht, sondern die Zuordnung von property rights. Diese Sicht der Dinge setzt bereits formalisiertes, in bestimmte äußere Form gefasstes Eigentum, das haftend in Verträgen zwischen den wirtschaftenden natürlichen und juristischen Personen eingesetzt werden kann, undiskutiert voraus. Dort, wo es existiert, können die aus ihm abzuleitenden Rechte auch anderen als den formalen Eigentümern durch Vertrag zugeordnet werden. Wo es aber nicht existiert, ist ein Vertrag ohne individuelle Gewaltandrohung des Gläubigers und damit ein Vertrag unter Marktbedingungen zwischen freien Wirtschaftern gar nicht möglich.

Die Einheit, in der in Verträgen einzusetzende Vermögen und Güter gemessen werden können, nennen wir Geld. Wirtschaften auf der Grundlage frei zu schließender Verträge sind daher immer Geld- und nicht in realen Gütern rechnende „Tauschwirtschaften“. Die Zahl der Gemeinwesen, in denen alle wirtschaftlich bedeutsamen Ressourcen und alle Güter durch Eigentum Personen oder Körperschaften formal eindeutig zugeordnet sind, wird in der Wirtschaftstheorie nicht nur überschätzt, sondern es wird die Existenz formal ungesicherter Verfügungsansprüche und deren Auswirkungen auf die Entwicklungschancen in der Theorie nicht zur Kenntnis genommen.

Das Eigentum stellt sich aus dieser Sicht als der entscheidende Grund für die Verschiedenheit der Stellung der Menschen in der Gesellschaft dar. Der mit dem personal zugeordneten Eigentum verbundene Reichtum wird oft mit einer komplementär vorgestellten Armut der Nichteigentümer kausal verknüpft gedacht. Statt die Kontraktfähigkeit der nicht nur kreditlosen, sondern kontraktunfähigen Menschen durch Zuordnung formaler Eigentumsrechte zu fördern, wurde in der Geschichte häufig das Ende der Ungleichheit von der Enteignung der Eigentümer erwartet.

Die Bestimmung der angemessenen Verteilung der Verfügungsrechte über den Naturreichtum in der Gesellschaft gehört zu den bedeutendsten Forschungsgebieten der neoklassischen Theorie der Wirtschaft. Demgegenüber wird die Frage nach der Funktion des Eigentums als Sicherheit der Begründung von Verträgen und der Geldschaffung kaum diskutiert.

Unter diesen Umständen gelingt es nur schwer oder ist es gar unmöglich, Eigentum ohne ideologische Vorurteile zu begründen. So läßt die Klassik das Eigentum naturrechtlich durch Arbeit entstehen, der Arbeiter aber wird nicht Eigentümer der Produkte seiner Arbeit. Auf der Grundlage dieses, auf Locke rückführbaren Irrtums hatte Marx Ansatz die eine hohe Plausibilität. Die dem Eigentum stets überwiegend feindliche Eigentumsbeurteilung in der Ökonomie konnte durch theoretische Zusätze und politische Einschränkungen immer nur unvollständig abgeschwächt werden. Je weniger Überzeugungskraft derartige Konstrukte hatten, desto lauter wurden die Forderungen nach der Einschränkung von Eigentumsrechten. Durch die Schlüsse einer Metaphysik des Wertes der ökonomischen Klassiker von Adam Smith bis Karl Marx glaubten selbst die Eigentümer, das Einkommen aus dem Vermögen analog zum Arbeitseinkommen erklären zu müssen und ließen – statt aus dem Eigentum das Geld – aus dem Geld das Eigentum entstehen und zur Belustigung jener, die es besser wussten, das Geld zu diesem Zwecke „arbeiten“.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Verpflichtungsökonomik
Hans-Joachim Stadermann, Otto Steiger (Hg.):
Verpflichtungsökonomik
the author
Prof. Dr. Hans-Joachim Stadermann
Hans-Joachim Stadermann

Professor für die Theorie der Wirtschaftspolitik an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin.

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