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Monday, April 22, 2019
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Das Streben nach Sicherheit

392 Seiten ·  24,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 3-89518-177-3 (Januar 1998 )

 
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In diesem Buch formuliert Rafael Rosenzweig eine allgemeine Theorie wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklung. In Abgrenzung zur traditionellen ökonomischen Sicht, die allein im individuellen Gewinnstreben die Triebkraft gesellschaftlicher Prozesse sieht, stellt er das Sicherheitsbedürfnis als zentrales Motiv menschlichen Verhaltens heraus.

Dabei ist der Begriff der Sicherheit umfassend angelegt: neben wirtschaftlichen enthält er auch religiöse, kulturelle und politische Aspekte. Durch die Vielschichtigkeit des Sicherheitsstrebens entsteht komplexes menschliches Verhalten, dem Rosenzweig durch seine interdisziplinär ausgerichtete Vorgehensweise Rechnung trägt. Sein Ansatz ermöglicht es somit, gesellschaftliche Vorgänge zu verstehen, die bislang nicht ausreichend erklärt werden konnten. Dies wird am Beispiel historischer und aktueller Spannungsfelder aufgezeigt, etwa der Oktoberrevolution, der Entstehung der Europäischen Union und des israelisch-palästinensischen Konfliktes.

Rosenzweig gelingt es mit seinem Buch, die verschiedenen Aspekte menschlichen Verhaltens in einen einheitlichen Erklärungsansatz zusammenzuführen und damit eine neue Sichtweise auf gesellschaftlicher Prozesse zu eröffnen.

1. Kräfte und Vektoren - 2. Wachstum und Entwicklung - 3. Über Gebäude und Bausteine - 4. Der Anreiz - 5. Sicherheit - 6. Die Erfindung der Landwirtschaft - 7. Flucht in die Vergangenheit: Eine Gesellschaft gegen sich selbst - 8. Fremde Anführer: Der Bauernkrieg - 9. Vom Nutzen der Geschichte - 10. Luxus: Die unwirtschaftliche Wirtschaft - 11. Fehlschläge - 12. Fehlschläge des Sozialismus - 13. Konfliklösungen - 14. Ein gelöster Konflikt: Frankreich und Deutschland - 15. Ein ungelöster Konflikt: Israel und Palästina - 16. Umweltfragen: Ein Konflikt mit der Zukunft - 17. Zusammenfassung und Ausblick.

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Das große Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit ist im Buch bemerkenswert gut herausgearbeitet und mit historischen Beispielen auch empirisch gut dokumentiert. Rosenzweig stellt das Sicherheitsbedürfnis als ein zentrales Bedürfnis dar und sichtet sehr fein die verschiedenen Handlungsstränge der Menschen, welche den Zweck verfolgen dem Ziel der Sicherheit näher zu kommen. Für Rosenzweig steht dieses Bedürfnis allgemein für die Menschen noch über dem Gewinnstreben oder dem Eigennutz, und er analysiert seine Sicht auch an einigen historischen Beispielen. Dabei kann dieses Bedürfnis nach Sicherheit auch zu Handlungen führen, welche als nicht unbedingt rational zu gelten brauchen. Also eigentlich der gängigen Sicht der Standardlehrbücher des ökonomischen Mainstreams (Stichwort: das Konstrukt des super-rationalistischen "homo oeconomicus") fundamental widersprechen.

Rosenzweigs Analyse kommt dann zu einem Ergebnis, welches zwischen Wunsch und Realität einen frappierenden Widerspruch aufweist: - Mit dem Steigen der staatlichen Sicherheitsversprechen/-garantien sinkt die Sicherheit für den Menschen; das Steigen der staatsgarantierten Sicherheit geht einher mit einem Sinken der verfügbaren Ressourcen; kein Überfluss, keine Sicherheit, sondern Wohlfahrtsverluste sind das Ergebnis. - Und mit steigenden Unsicherheit, also dem Rückzug oder der Verdrängung der staatlichen Sicherheitsgarantien aus Rahmenbedingungen der Gesellschaft, steigt nachgerade die Versorgungssicherheit über die Ressourcen - im Ergebnis bis hin zum Überfluss.

Meine Folgerungen aus diesem Buch kurz aufgelistet: Wenn man Rosenzweigs Gedankengängen folgt, dann werden die Fragen nach den Gründen, nach den Ursachen, also - Wieso - Was - Warum - Wie - Weshalb - Wo - es Rattenfänger und Heilsversprecher immer wieder gelingt, dass die Menschen sich mehr oder weniger freiwillig unter das scheinbare schützende Dach der staatlich garantierten Sicherheiten begeben, relativ leicht beantwortet. Etatisten und Interventionisten aller Arten versprechen eben die mollige Wärme eines sicheren, vor Verwerfungen und Unglücken behüteten Daseins - gut, sicher und auskömmlich leben können, das ist nun einmal der Traum einer sehr großen Zahl von Menschen und deshalb begeben sich viele Menschen in die Obhut des Staates, also in eine Art der freiwilligen Knechtschaft.

Die Pseudo-Sicherheit im Schoße von Papa Staat wird - emotional? - vorgezogen, und diesem Verhalten wird wohl mit logischen und/oder empirischen Argumenten leider nur sehr schwer beizukommen sein (eventuell auch gar nicht).



VDI Nachrichten 14.08.1998

"Welche Kräfte sind für wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Veränderungen verantwortlich? Ökonomen und Innovationsforscher kennen darauf zwei Antworten: Wachstum und technologische Neuerungen. Diesen Erklärungen hat jetzt der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Rafael Rosenzweig eine dritte hinzugefügt: Das Streben nach Sicherheit.

In einer Zeit, die von Veränderungen und Ungewißheiten geprägt ist, mag eine solche These provozierend wirken. Doch wer glaubt, Rosenzweig habe eine Streitschrift gegen die Globalisierung geschrieben, der wird enttäuscht. Rosenzweig sucht nach einer Erklärung, durch die Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft verständlich werden, und dazu greift er auf Geschichte und Politik, auf Religion und Kunst zurück.

Die Faktoren, durch die gesellschaftliche Prozesse wie auch persönliche Handlungen ausgelöst werden, sieht er in dem Willen, Sicherheit zu erhalten und zu erhöhen. Doch Rosenzweig ist sich bewußt, daß 'Sicherheit nicht ins Unendliche wachsen kann'. Der Niedergang des Staatssozialismus in Osteuropa sei dafür ein schlagendes Beispiel. 'Es gibt kein historisches Beispiel von einer ungestört fortdauernden Entwicklung'. Sicherheit sei an die Verfügung über Ressourcen gebunden: Mit wachsender Sicherheit gehe der Vorrat an Ressourcen zurück. Umgekehrt verringere sich des Maß an Sicherheit, wenn die Summe der Ressourcen ansteigt - eine paradoxe Situation, die dann eintrete, wenn sich zum Beispiel Unternehmen zusammenschließen oder Kapital zugeführt wird.

Für Rosenzweig hat der Kapitalismus einige lebenswichtige Sicherheitsprobleme aus dem Weg geräumt, dafür aber andere geschaffen, und die seien keineswegs leichter zu lösen als die alten." ...




the author
Rafael Rosenzweig
1922 geboren in Frankfurt/Main, 1939 nach Palästina ausgewandert. Nach Abschluß des Studiums der Nationalökonomie an den London School of Economics bildete er israelische Entwicklungshelfer aus und war dann wissenschaftlicher Berater für Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie an der US-Botschaft in Tel Aviv. 1998: Gastprofessur an der Gesamthochschule Kassel.
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  • Zeitschrift für Politikwissenschaft-Bibliographie 3/1998, S. 1307
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