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Das Verhältnis von Effizienz und Gerechtigkeit aus vertragstheoretischer Sicht
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Das Verhältnis von Effizienz und Gerechtigkeit aus vertragstheoretischer Sicht

19 Seiten · 3,31 EUR
(31. Januar 2007)

 
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Aus der Einleitung:

In seiner Kritik des Gothaer Programms schrieb Karl Marx den berühmten Satz: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“. Dieser Satz lässt sich dahingehend interpretieren, dass in der von Marx erwarteten (entwickelten) kommunistischen Gesellschaft Effizienz und Gerechtigkeit in einem harmonischen Verhältnis zueinander stünden: Indem „jeder nach seinen Fähigkeiten“ arbeitet, ist die Effizienz gewährleistet, während die Umsetzung der Vorgabe „jedem nach seinen Bedürfnissen“ gleichbedeutend ist mit der Erfüllung des Kriteriums der Gerechtigkeit, insofern jeder das bekommt, was er als „das Seinige“ wünscht.

Heute wissen wir aus historischen Ereignissen ebenso wie aus theoretischen Überlegungen, dass eine solche Sicht des Verhältnisses von Effizienz und Gerechtigkeit verfehlt - man mag auch sagen: uto¬pisch - ist. Auszugehen ist vielmehr von einem prinzipiellen Spannungsverhältnis. Erzeugt wird diese Spannung im Wesentlichen aufgrund von zwei Tendenzen, die charakteristisch sind für die moderne Gesellschaft: Erstens führt der – aus Effizienzgründen! – institutionell forcierte Leistungswettbewerb nahezu zwingend zu Ungleichheiten, die oft als ungerecht angesehen werden; zweitens führt Umverteilung, die oft als geeignetes Mittel der Umsetzung von (sozialer) Gerechtigkeit verstanden wird, Anreizwirkungen mit sich, die sich nicht selten negativ auswirken sowohl auf die Geber als auch die Nehmer von Umverteilungsmaßnahmen. Für Geber ergeben sich deshalb negative Anreize, weil produktive Leistungen und Investitionen (z.T.) unterlassen werden, da man damit rechnen muss, deren Früchte nicht selbst ernten zu können. Negative Anreizwirkungen auf Nehmer existieren vor allem in Form von rent-seeking. Die Nehmer bekommen einen Anreiz, nicht mehr in produktive Aktivitäten zu investieren und Leistungen zu erbringen, durch die sie in Kooperation bzw. Tausch mit anderen die von ihnen gewünschten Güter und Dienstleistungen erhalten. Statt dessen bestehen Anreize, in die Erhaltung der Bedingungen weiterer Umverteilungsleistungen zu investieren – sei es durch bloßes Unterlassen eigener Anstrengungen, sei es durch eine politische Einflussnahme zu ihren Gunsten, und dies womöglich unter Berufung auf soziale Gerechtigkeit.

Dieses Spannungsverhältnis wird in der Ökonomik seit A. Okun (1975) oft als “big trade-off between efficiency and equity” bezeichnet. Mit diesem “big trade-off” kann unterschiedlich umgegangen werden. Die unbefriedigende Form des Umgangs lässt sich oft in der öffentlichen Diskussion zwischen Anhängern von Markt und Wettbewerb – also der Effizienz – und Vertretern von sozialer Gerechtigkeit beobachten in Form einer Wertediskussion, die dann regelmäßig in Blockadestellungen führt, in denen der eine Wert tendenziell gegen den anderen ausgespielt wird, was aus naheliegenden Gründen einer konstruktiven Problemlösung nicht förderlich ist.

Um eine solche unbefriedigende Wertediskussion zu vermeiden, bedarf es einer theoretischen Konzeption, die das Verhältnis von Effizienz und Gerechtigkeit in konsistenter und fruchtbarer Weise bestimmt. Die weiteren Ausführungen sind der Erörterung verschiedener derartiger Konzeptionen gewidmet. Am Anfang steht der Utilitarismus, der in der Ökonomik ebenso wie in der – angelsächsischen! – öffentlichen Diskussion dominiert. Daran schließen sich die vertragstheoretischen Konzeptionen von Rawls und Buchanan an, die beide – mit unterschiedlichen Argumenten – den Utilitarismus kritisieren und eine eigene Verhältnisbestimmung von Effizienz und Gerechtigkeit vornehmen. Im letzten Teil der Ausführungen folgen einige weiterführende Gedanken, die auf den Konzeptionen von Rawls und Buchanan aufbauen.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Gerechtigkeit als Voraussetzung für effizientes Wirtschaften
Martin Held, Gisela Kubon-Gilke, Richard Sturn (Hg.):
Gerechtigkeit als Voraussetzung für effizientes Wirtschaften
the author
Dr. Andreas Suchanek
Andreas Suchanek

Vertreter des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Unternehmensethik an der Katholischen Universität Eichstätt Ingolstadt. Arbeitsschwerpunkte: Methodologie der Sozialwissenschaft, Wirtschaftsethik, Unternehmensethik, Institutionenökonomik, Umweltökonomik.