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Deflation als Folge der Finanzkrise?
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Deflation als Folge der Finanzkrise?

16 Seiten · 3,57 EUR
(17. Juni 2010)

 
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Aus der Einleitung:

Die Finanzkrise, die sich in den USA entwickelt und schnell auf andere Länder übergegriffen hat, ist inzwischen zu einer durchaus realen Krise geworden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind sich die meisten Beobachter darin einig, dass das Jahr 2009 in die Wirtschaftsgeschichte als das Jahr eingehen wird, in dem erstmals seit dem Ende des 2. Weltkriegs die globale Wirtschaftsleistung fallen wird. Für Länder, die ? wie vor allem China ? in den zurückliegenden Jahren spektakuläre Wachstumsraten aufwiesen, wird ein deutlicher Einbruch bei der Wachstumsrate des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) prognostiziert und für die meisten entwickelten Industrieländer ein ? z.T. beträchtlicher ? Rückgang des realen BIP erwartet. Was die Bundesrepublik Deutschland anbetrifft, so ist es in den letzten Monaten zu einer schnellen Korrektur der zuvor prognostizierten Wachstumsraten gekommen. Ein Rückgang des realen BIP von fünf bis sechs Prozent wird inzwischen vermutet ? weitere Anpassungen der Wachstumsrate nach unten nicht ausgeschlossen.

Kurzzeitig hat man sich der Illusion hingegeben, dass es sich bei der in den USA entstandenen Finanzkrise um ein inneramerikanisches Problem handele, dessen Bearbeitung man der amerikanischen Regierung überlassen könne. Eine weitere Illusion bestand darin, dass sich die Krise vor allem in deutlichen Kursverlusten bei den Wertpapieren zeigen werde, die zuvor außergewöhnliche und durch die ökonomischen ?fundamentals? eben nicht gerechtfertigte Kurssteigerungen erfahren hatten, wohingegen die Auswirkungen auf die reale Wirtschaft eher bescheiden bleiben werden. Inzwischen ist offenkundig, dass das Eine wie das Andere Wunschdenken darstellte. Wir haben es bei der gegenwärtigen Krise mit der ersten wirklich globalen zu tun, von der inzwischen klar geworden ist, dass sie sich keineswegs auf das Land beschränkt, in dem sie ihren Ausgang genommen hat. Fatalerweise muss man inzwischen sogar davon ausgehen, dass die armen Länder der Welt, die mit der Entstehung der Krise am wenigsten zu tun haben, die Hauptbetroffenen sein werden. Und es ist auch keineswegs so, dass die Finanzkrise sich damit begnügt, die ? eigentlich erwünschte ? Korrektur von unrealistischen Vermögenswerten vorzunehmen, die sich im Verlauf einer spekulativen Blase herausgebildet haben. Das Ausmaß der Vermögensverluste sowie der Vertrauensverlust gegenüber Banken haben trotz aller staatlichen Eindämmungsversuche längst eine tiefgreifende Rezession in Gang gebracht und damit auf die reale Wirtschaft übergegriffen.

Während mehrheitlich der Standpunkt vertreten wird, dass das Jahr 2009 ein wirtschaftlich sehr schwieriges Jahr gewesen sein wird, das in zahlreichen Ländern die höchste Schrumpfungsrate des BIP seit dem Ende des 2. Weltkriegs mit sich bringen wird, herrscht bezüglich der weiteren Entwicklung gedämpfter Optimismus. So geht z.B. der IMF in seinen Projektionen vom Januar 2009 davon aus, dass die Weltgesamtproduktion im Jahr 2010 bereits wieder um 3% zunimmt, die USA eine Wachstumsrate von 1,6% erzielen werden und Deutschlands BIP (0,1%) immerhin nicht erneut schrumpft (IMF 2009).

Es ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt schwierig zu beurteilen, ob in diesen vergleichsweise optimistischen Erwartungen über eine schnelle Beendigung der Rezession nicht ebenfalls eine gehörige Portion an Wunschdenken steckt. Wir wollen jedenfalls im Folgenden der Frage nachgehen, ob nicht ein wesentlich düstereres Szenario eintreten könnte. Es besteht darin, dass sich in wichtigen Industrieländern aus den gegenwärtigen Krisenerscheinungen heraus eine deflatorische Entwicklung ergibt, die durchaus mehrere Jahre anhalten könnte, und in denen eine Stagnation der Produktion und ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zu befürchten wäre. Um eine solche Beurteilung vornehmen zu können, soll zunächst in aller Kürze die Entstehung der gegenwärtigen Krise dargestellt werden, die mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit dazu geführt hat, dass in zahlreichen Ländern bisher hochgehaltene Prinzipien über Bord geworfen worden sind und mit milliardenschweren Programmen die Krise zu bekämpfen versucht wird. Daran anschließend wird überprüft, ob man davon ausgehen kann, dass die Deiche, die uns vor einer Deflation schützen sollen, sicher genug erscheinen, um eine wirtschaftliche Katastrophe zu verhindern, wie sie im Zuge der Weltwirtschaftskrise eingetreten ist, sich in neuerer Zeit aber auch in Japan gezeigt hat. Im Folgenden werden einige Argumente dafür angeführt, dass es möglich ist, eine solche Katastrophe zu verhindern, dass dazu aber neben einer konsequenten Makropolitik eine schnelle und umfassende Rekonstruktion des Finanzsystems notwendig ist, wobei dafür ein deutlich höheres Maß an international abgestimmter Regulierung erforderlich ist als bisher für notwendig gehalten wird.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Eigentum und Recht und Freiheit
Detlev Ehrig, Uwe Staroske (Hg.):
Eigentum und Recht und Freiheit
the author
Peter Kalmbach
Peter Kalmbach

ist emeritierter Professor am Institut für Konjunktur- und Strukturforschung der Universität Bremen.

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