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Samstag, 15. Dezember 2018
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Der Alltagswissenschaftler aus institutionenökonomischer Sicht
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Der Alltagswissenschaftler aus institutionenökonomischer Sicht

13 Seiten · 2,53 EUR
(September 2006)

 
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Aus der Einleitung:

Das übliche Selbstbild des Wissenschaftlers kontrastiert markant mit der Kritik der Postautisten, die (nicht nur) Ökonomen eine Passion für abstrakte Regelsysteme unterstellen. Diese Regelsysteme gedenken sie partout nicht aufzugeben, stehe es um deren Realitätsgehalt oder Grad der Falsifikation wie es wolle. Eine vorhersehbare Ordnung der Ereignisse erfreut den Forschergeist und bringt ihn in eine konservative angenehme Ruhelage, bei der die autopoetische Abkapselung von der realen Welt und ihren Problemen und Belangen zusätzlich wohl tut. Postautisten fordern demgegenüber einen historisch-institutionellen Realismus und eine normative Ausrichtung für eine offene Zivilgesellschaft und die Lösung ihrer Probleme.

Im Grunde ihrer Seele adeln sich die meisten Wissenschaftler vermittels eines Ideals, das Karl Popper1 umschrieb: Der Wissenschaftler stellt unbeeindruckt von äußeren Anfechtungen (Ideologien, Meinungen, Interessen) wagemutige Hypothesen in den Raum, auf die er umso stolzer ist, je widerlegbarer sie sind. Werden Hypothesen widerlegt, schreitet er schnell weiter zur Formulierung neuer wagemutiger Thesen und vergießt keine Tränen über seine bisherigen Lieblingstheorien. Der Fortschritt der Wissenschaft wird abgelesen am ständigen Wachstum des Friedhofs widerlegter Theorien. Der Wissenschaftler beharrt nicht störrisch auf seinen Theorien, er ist geistig auf die permanente Revolution eingestellt. Sein Denken ist auf einer höheren, einer objektiven Ebene des Weltbezugs (Poppers dritter Welt) angesiedelt, im stählernen Gehäuse der Ungehörigkeit (Max Weber).

Folgt man der postautistischen Kritik, so entspricht dieses schmeichelhafte Ideal nicht unbedingt dem tatsächlichen Wissenschaftsbetrieb. Im Folgenden sollen einige Strukturen des Wissenschaftsbetriebes, die dem Autor dieser Zeilen in den letzten Jahren auffielen, kurz angeführt werden. Als heuristische Krücke dient hierzu die Neue Institutionenökonomik (NIÖ). Der Autor dieses Beitrages blätterte jüngst aus anderem Grunde in neueren Büchern zum Kanon der NIÖ und stellte hierbei fest, dass dieser viel gelobte Ansatz mittlerweile auf alle erdenklichen Bereiche des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens angewendet wurde, mit einer Ausnahme: Die NIÖ wird nicht auf die Wissenschaft und ihren Betrieb selbst angewandt, d.h. die Wissenschaftssubjekte verweigern sich als Objekte ihres eigenen Ansatzes.2 In Zeiten der Beckschen reflexiven Moderne ist dies an sich ein bemerkenswertes Phänomen, andererseits aber auch verständlich, da der agierende Mensch der NIÖ in wenig schmeichelhaftem Licht erscheint und wir außerdem von Luhmann darüber aufgeklärt wurden, dass ein System sich selbst streng genommen nicht beobachten kann. Es sei denn durch seinen systempositive Außendarstellung, mit der es andere Systeme beeindrucken möchte.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Die Scheuklappen der Wirtschaftswissenschaft
Thomas Dürmeier, Tanja v. Egan-Krieger, Helge Peukert (Hg.):
Die Scheuklappen der Wirtschaftswissenschaft
Der Autor
Prof. Dr. Dr. Helge Peukert
Helge Peukert

Masterstudiengang Plurale Ökonomik,Universität Siegen. Forschungsschwerpunkte: Finanzwissenschaft, Geld- und Finanzmärkte, Plurale und heterodoxe ökonomische Theoriebildung.

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