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Thursday, August 22, 2019
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Der Einfluß der deutschen Historischen Schulen auf die russische Diskussion über das Kleingewerbe
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Der Einfluß der deutschen Historischen Schulen auf die russische Diskussion über das Kleingewerbe

34 Seiten · 5,53 EUR
(Juni 2006)

 
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Aus der Einleitung:

Der historistische Ansatz in der Politischen Ökonomie hat nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien, Frankreich, Italien, den USA und – worüber man in der westlichen Welt bisher nur wenig wußte (vgl. Balabkins 1988; Zweynert 2002, 17 f., 29 f.) – auch in Rußland im 19. und frühen 20. Jahrhundert eine wichtige Rolle gespielt. Der Einfluß des deutschen Historismus auf die russische Wirtschaftswissenschaft wurde in der russischen theoriegeschichtlichen Fachliteratur der vorrevolutionären wie auch der sowjetischen Epoche regelmäßig erwähnt. Uneins war man sich lediglich darüber, wie stark dieser Einfluß gewesen sei. Nur wenige gingen dabei so weit wie P.B. Struve, der der russischen Wirtschaftstheorie der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jegliche Originalität absprach und sie lediglich als eine Spielart des deutschen Kathedersozialismus betrachtete. Seiner Ansicht nach waren die russischen historistischen Ökonomen bloß brave Schüler, die die Dogmen ihrer Lehrmeister vollständig übernahmen und nur selten durch eigene Gedanken bereicherten (Struve 1916, 5-7). Die Mehrheit der Historiographen des russischen ökonomischen Denkens war und ist sich hingegen darin einig, daß die russischen Ökonomen den deutschen Autoritäten zwar – und dies insbesondere in methodologischer Hinsicht – eifrig ihre Reverenz erwiesen, aber gleichzeitig immer wieder den von den Koryphäen der Historischen Schulen aufgestellten Postulaten widersprachen und eigene Überlegungen an deren Stelle setzten (Štejn 1948, 86; Majburd 1996, 325; Markova (Hrsg.) 1996, 76, 95; Anikin 1990, 13).

Diese Interpretation ist auch deshalb glaubwürdig, weil nur die wenigsten russischen Ökonomen den Historismus in ‚reiner Form‘ übernahmen. Meistens versuchten sie, ihn mit der englischen Klassik zu verbinden. Ein typisches Beispiel dafür ist die Lehre von V.P. Bezobrazov (1828-1889), ein Ökonom und Geograph, der in politischer Hinsicht dem Liberalismus anhing und als Smithianer grundsätzlich davon überzeugt war, daß sich die Wirtschaftsordnungen aller Länder und Völker aus den gleichen Elementen zusammensetzen. Gleichzeitig aber unterstrich er ganz im Sinne des deutschen Historismus, daß

„die Formen, in denen diese Elemente bei verschiedenen Völkern und in unterschiedlichen Epochen ihren Ausdruck finden, unendlich verschieden sind. Infolgedessen weisen auch die Organe, in denen sich diese Elemente verwirklichen, einen besonderen völkischen Charakter auf“ (Bezobrazov 1856, 314).


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Deutsche und russische Ökonomen im Dialog
Heinz Rieter, Leonid D. Sirokorad, Joachim Zweynert (Hg.):
Deutsche und russische Ökonomen im Dialog
the author
Irina Žilinkova

Jg. 1968, Dozentin der Fakultät für ökonomische Theorie und internationale Wirtschaftsbeziehungen an der St. Petersburger Staatlichen Universität für Dienstleistungen und Wirtschaft. Forschungsschwerpunkte: Geschichte des ökonomischen Denkens, KMU-Forschung, Außenwirtschaft.