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Samstag, 22. September 2018
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Der Euro - Chance für die Wirtschaft, Herausforderung für die Politik
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Der Euro - Chance für die Wirtschaft, Herausforderung für die Politik

26 Seiten · 4,61 EUR
(Juli 2002)

 
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Aus dem Schlussteil:

Doch während das Design der Geldpolitik im Großen und Ganzen den Common sense der Wirtschaftswissenschaften "lehrbuchartig" widerspiegelt - vor allem in Hinblick auf Unabhängigkeit und vorrangige Verpflichtung der Notenbank auf Preisniveaustabilität, aber auch in punkto geldpolitischer Strategie und Instrumenteneinsatz - erweist sich die Politik insbesondere im Bereich des Arbeitsmarktes und der notwendigen Strukturreformen als bemerkenswert "beratungsresistent". Hier kann es zu erheblichen Rückwirkungen auf die Geldpolitik kommen. Dabei ist es keineswegs so, dass sich die volkswirtschaftliche Forschung auf diesen Feldern zu wenig den aktuellen Problemen widmet. Die Fachzeitschriften und Zeitungen sind voll von Vorschlägen zur Reform der Arbeitsmärkte, zur Umgestaltung der Steuer-, Sozial- und Rentenversicherungssysteme, zur Bewältigung der EU-Osterweiterung oder zu den Herausforderungen der New Economy. Und obwohl sich die damit verbundene Diskussion keineswegs auf theoretische Modelle beschränkt, sondern in direktem Kontakt mit Politikern in Beiräten, Enquete-Kommissionen oder öffentlichen Konferenzen stattfindet, wird der Rat von Ökonomen entweder nur selten oder unzureichend und oftmals auch erst sehr spät angenommen.

Prof. Rüdiger Pohl, ehemals Mitglied im Sachverständigenrat, hat dies folgendermaßen zugespitzt: "Auf die heutige Wirtschaftspolitik hat kein Ökonom überhaupt einen Einfluss. Die Politiker haben nämlich entdeckt, dass Wirtschaftspolitik ohne eine konsistente theoretische Basis am bequemsten ist. Zur Beruhigung der Ökonomen betraut man dieselben zwar mit Gutachten, die dann aber nach kurzer Rosinenpickerei sogleich in der Registratur landen." Man kann aber nicht der Politik allein die Schuld zuzuschieben. Auch die Wissenschaft hat in der Vergangenheit Fehler gemacht. Aus ihnen muss sie lernen:

- Ratschläge dürfen nicht in zentnerschweren Abhandlungen versteckt werden, sondern müssen klar und deutlich transportiert werden.

- Die Wissenschaft muss eine sehr viel intensivere Öffentlichkeitsarbeit ausüben und ihre Thesen für jedermann verständlich präsentieren.

- Bei Ratschlägen der Wissenschaft an die Politik muss das politisch Machbare berücksichtigt werden. Theoretisch optimierte Modelle nut¬zen niemandem.

- Die Wissenschaftler untereinander dürfen nuanciere Unterschiede und Abweichungen in den Meinungen in der Öffentlichkeit auswalzen. Dies unterminiert ihre Glaubwürdigkeit und erleichtert es der Politik, Ratschläge als unausgegoren abzulehnen.

Eine an ökonomischen Zusammenhängen orientierte allgemeine Wirtschaftspolitik kann die Arbeit der Zentralbanker erleichtern, eine, die hierauf z.B. aus populistischen Erwägungen heraus, keine Rücksicht nimmt, erschweren. Dann werden die geldpolitischen Entscheidungsträger entgegensteuern müssen und ihren stabilitätsorientierten Kurs auch gegen Widerstände fahren. Das ökonomisch Notwendige muss weiterhin Maßstab der Geldpolitik sein. Die besondere Stellung der Zentralbank ist eine gute Voraussetzung dafür, dass auch in Zukunft in Europa über die Geldpolitik ohne direkten politischen Einfluss, aber auf der Basis wissen¬schaftlicher Überlegungen entschieden wird.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Der Einfluss der Wissenschaft auf die Politik
Uwe Jens, Hajo Romahn (Hg.):
Der Einfluss der Wissenschaft auf die Politik
Der Autor
Dr. Eberhard Heinke
Eberhard Heinke

Präsident der Landeszentralbank in Nordrhein-Westfalen i.R.