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Tuesday, June 25, 2019
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Der Klang des Netzes: Kopien für alle
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Der Klang des Netzes: Kopien für alle

21 Seiten · 4,52 EUR
(Februar 2007)

 
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Aus der Einleitung:

Wer sich dem Internet in ökonomischer Absicht nähert, tut gut daran, ein Geschäftsmodell im Hinterkopf zu haben oder baldmöglichst zu entwickeln. Das Internet gilt zwar als eines der interessantesten Geschäftsfelder der Zukunft und als einer der größten Wachstumsmotoren der Weltwirtschaft, wie nicht zuletzt im Netz laufend dokumentiert wird, aber das bedeutet nicht, daß einem die Gewinne hier nur so in den Schoß fallen. Der Ausdruck „Geschäftsmodell“ trifft den Sachverhalt genau: Es gibt im Netz zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten, die nicht von sich aus mit ökonomischer Wertschöpfung zu korrelieren sind. Wer mit Gewinnabsichten an das Netz herantritt, muß daher wissen oder herausfinden, an welchen Stellen er von wem für welche Leistungen welche Art von Bezahlung erwarten darf.

Im Netz konkurrieren Parasiten mit Parasiten, wobei der Ausdruck „Parasit“ hier in keiner Weise abschätzig, sondern im Gegenteil mit allem Respekt verwendet wird. Parasiten, so Michel Serres in seiner einschlägigen und nach wie vor Maßstäbe setzenden Studie, sind unabdingbar, wenn es gilt, den Lärm neuer Verhältnisse in ein System von Beziehungen zu übersetzen. Sie werden vom Rauschen angelockt und produzieren dort einen Sinn, nämlich einen für sie verwendbaren und verwertbaren Sinn, wo zunächst kein Sinn ist. Sie machen zuweilen zwar selbst einen solchen Radau, daß es schwer fällt, sie von dem Lärm, den sie ausbeuten, zu unterscheiden. Und tatsächlich kann man sich „Systeme“ vorstellen, die gleichsam als ihre eigene Irritation zur Welt kommen (das Internet scheint dafür ein gutes Beispiel zu sein). Aber ohne die Arbeit von Parasiten bekäme das System keine Struktur und gewänne es keine Motive, aus denen es sich immer weiter fortspinnen kann. Wie immer das Netz von first movern im Bereich des Militärs (Pentagon) und der Wissenschaft (CERN) erfunden worden sein mag: seit es als „world wide web“ eine benutzerfreundliche Oberfläche hat, lebt es von second, third und fourth movern, die mit von ihnen gesehenen Verwendungsmöglichkeiten auf eine Technologie aufsatteln, die mit anderen Absichten entwickelt worden ist.

Wer sich „unternehmerisch“ auf das Netz einläßt, muß demnach wissen, was er tut. Zum einen konkurrieren Parasiten mit Gewinnabsichten mit solchen, die politische, wissenschaftliche oder kulturelle Absichten verfolgen. Politische Überzeugungen werden im Netz ebenso „gehandelt“ wie kulturelle Faszinationen und wissenschaftliche Einsichten, ganz zu schweigen von religiösen Bedürfnissen, sexuellem Verlangen und erzieherischen Maßnahmen. Zugleich konkurrieren Parasiten mit bestimmten Zielen jedoch nicht nur mit solchen, die andere Ziele haben, sondern auch mit solchen, die dieselben Ziele verfolgen. Das Geschäftsmodell des einen kann vom Geschäftsmodell eines anderen durchkreuzt werden. Traditionelle politische Überzeugungen, die ins Netz gestellt werden, können mit einem Mal sehr alt aussehen und von anderen Überzeugungen, die vielleicht nicht viel jünger sind, ausgestochen werden, nur weil der Netzuser weder die Mentalität noch das soziale Netzwerk eines Zeitungslesers, Radiohörers oder Fernsehzuschauers hat und daher mit anderen Sensibilitäten „liest“ (wenn man das noch so nennen darf) und in anderen Nachbarschaften kommuniziert.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
e-conomy 2.0
Michael Hutter (Hg.):
e-conomy 2.0
the author
Prof. Dr. Dirk Baecker
Dirk Baecker

Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Witten/Herdecke.

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