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Sonntag, 23. September 2018
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Der Philosophische Ökonom

Zur intellektuellen Biographie Adolph Lowes

16seitiger Bildteil

240 Seiten ·  16,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 3-89518-081-5 (Mai 1996 )

 
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Unter welchen Bedingungen kann eine Gesellschaft ökonomisch und gesellschaftspolitisch stabil sein und gleichzeitig ein hohes Maß an individueller Freiheit gewährleisten? Um diese Frage dreht sich das Werk Adolph Lowes. Seine wissenschaftliche Arbeit vereinigt Ökonomie, Soziologie, Politologie, und Philosophie mit der Absicht, theoretische Grundlagen für praktisches Handeln zu formulieren. Im Mittelpunkt seines Denkens steht die durch den technologischen Wandel hervorgerufene Dynamik der modernen Gesellschaft und die sich daraus ergebenden Folgen: Konjunkturkrisen, Arbeitslosigkeit, Erosion von Institutionen, etc.

Die Probleme, mit denen Adolph Lowe sich sein Leben lang beschäftigt hat, sind aktueller als je zuvor. Nur mit einem Ansatz wie dem seinen scheinen sie sinnvoll diskutierbar. Deshalb stößt sein Werk - in Deutschland lange kaum wahrgenommen - auch hier zunehmend auf Interesse.

Lowe ist 1995 im Alter von 102 Jahren gestorben. Krohns Biographie wertet seinen Nachlass erstmals aus. Hierbei wird insbesondere sein intellektueller Werdegang nachgezeichnet und aufgezeigt, wie prägend gerade die äußeren Faktoren auf das Wissenschaftsverständnis Lowes gewirkt haben. Zugleich ist die Biographie ein Stück deutscher Zeitgeschichte: Lowe ist in Deutschland und in der Emigration mit vielen führenden Intellektuellen zusammengekommen: Tillich, Pollock, Mannheim, Jonas, Lederer, Bloch, Bergstraesser, Horkheimer, um nur wenige zu nennen. Auf manchen werfen die Geschichten, die Krohn anhand der Dokumente aus dem Nachlass Lowes zu erzählen weiß, ein neues Licht.

Da dieses Buch einen pointierten Überblick über die Arbeiten Lowes gibt, ist es zugleich eine gelungene Einführung in sein Werk. Durch die deutlich werdende Breite und enge Verzahnung des Loweschen Gesamtwerks macht dieses Buch Lust, sich mit diesem intensiver zu beschäftigen.

Die Zeit, 14.2.1997 ()

"Philosophen wie Leo Strauss haben seine 'Politische Ökonomik' auf die gleiche Stufe wie die 'Allgemeine Theorie' von John Maynard Keynes gestellt. Der Ökonom Kenneth Boulding nannte ihn einen 'ökonomischen Philosophen'. Die Arbeitslosigkeit und die theoretische Ratlosigkeit unserer Tage machen seine Gedanken aktuell und hilfreich. Aber Adolph Lowe ist ein Gehimtipp geblieben, selbst in seinem Fachgebiet, der Volkswirtschaftslehre. ...

Schon seit 1927 glaubte Adolph Lowe nicht mehr an den Bestand der Weimarer Republik; aber bis zuletzt kämpfte er - als Hochschullehrer, als Mentor der radikalen Studenten, als aktives Mitglied der 'eisernen Front' von Sozialdemokraten und Gewerkschaften. Am 2. April 1933 floh er aus Deutschland. Von Joseph Schumpeter empfohlen als "the only good man among the dismissed German economists", lehrte Lowe zunächst in Manchester, 1940 in New York an der New School for Social Research, die damals eine Arche für Emigranten und eine Denkfabrik des von Präsident Franklin D. Roosevelt initiierten New Deal war.

Sein Lebensthema blieb von nun an die Frage: Wie kann man das Chaos bannen, gesellschaftliche Stabilität sichern und dabei die Freiheit der Individuen bewahren? Seine 'Politische Ökonomik' geht von einer grundlegenden Kritik der herrschenden 'reinen' Wissenschaft von der Ökonomie aus. Deren Grundannahmen - die Prinzipien der Maximierung von Gewinn und Nutzen, der sich selbst regelnde Marktprozeß - basierten auf der unzulässigen Verallgemeinerung von Bedingungen, die nur im England des 19. Jahrhunderts galten: Massenelend, kalvinistische Arbeitsethik, unbeschränkte Mobilität, ungezügelte Konkurrenz.

All dies aber gilt nicht mehr im monopolistischen, von Korporationen gezähmten und durch Politik regulierten Kapitalismus. Dessen Instabilität beruht nicht länger auf der Abweichung vom 'natürlichen' Zustand, sondern auf unzureichender Steuerung. Rationale Wirtschaftstheorie kann nicht länger die Form einer quasiphysikalischen Theorie haben, sondern muß konstruktive Handlungslehre sein, die das Verhältnis von Zielen und Mechanismen untersucht. ...

Die offizielle Bundesrepublik ist über ihn, wie über die meisten Emigranten, hinweggegangen. 1995 ist Adolph Lowe, im Alter von 102 Jahre, in Wolfenbüttel gestorben. Claus Dieter Krohn verdienstvolle biographische Skizze rekonstruiert die äußeren Stationen von Lowes Lebensweg, die Quellen seines Denkens und führt in seine theoretischen Arbeiten ein, mit gelegentlichen, deutlichen Hinweisen auf die Aktualität der 'Politischen Ökonomik'.

Dem Metropolis Verlag in Marburg, der sich anhaltend um Theoriegeschichte, abweichende Lehren und die Berührungen zwischen den Sozialwissenschaften bemüht, ist ein Geldgeber zu wünschen, der eine Edition des reichen Lowe Briefschatzes möglich macht. Denn dieser ernste Arbeiter war ein beglückender Lehrer, der seine Zeit und seine Gedanken großzügig im Gespräch und in der Korrespondenz erprobte und verschenkte."




Der Autor
Prof. Dr. Claus-Dieter Krohn

ist Soziologe an der Universität Lüneburg mit dem Forschungsschwerpunkt Exilforschung.

[weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • WDR - Hörfunk. WDR 3, Meinungen über Bücher. 16.4.1997, 19.50-20.00
  • "Claus Dieter Krohn verdienstvolle biographische Skizze rekonstruiert die äußeren Stationen von Lowes Lebensweg" ...
    Die Zeit, 14.2.1997 mehr...
  • Vorgänge, 2/1997, S. 99-101
  • Archiv für Sozialgeschichte 38/1998, S. 782-784
  • Das Historisch-Politische Buch, 7-8/1998, S. 346
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6.1.1997
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