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Friday, April 19, 2019
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Der Volkswirt Jens Jessen – Leben und Werk

"Geschichte der deutschsprachigen Ökonomie"  · Band 16

244 Seiten ·  34,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 3-89518-335-0 (Mai 2001 )

Broschur, Personenregister

 
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Geleitwort

Der bekannte englische Historiker und Hitler-Biograph Ian Kershaw betonte in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Nr. 228, 1.10.1998, S. 44) zu Recht: »Bei der Geschichte des Nationalsozialismus geht es nicht um die Lösung intellektueller Kreuzworträtsel, sondern um unsere Einstellung zur Geschichte und zu uns selbst.« Vor dieses Problem sieht sich jeder - auch der Wissenschaftler - gestellt, der sich mit dem Nationalsozialismus befaßt. Dies mag zum Teil erklären, warum die einzelnen Fachdisziplinen erst so spät und dabei nur zögerlich begonnen haben, ihre Geschichte zwischen 1933 und 1945 »aufzuarbeiten«. Für die deutsche Wirtschaftswissenschaft gilt das in besonderem Maße. Vor allem mangelt es an Faktenkenntnis und Detailwissen. Diesen desolaten Forschungsstand will Regina Schlüter-Ahrens zumindest partiell verbessern, indem sie so vollständig wie möglich Leben und Wirken des deutschen Nationalökonomen Jens Peter Jessen zu rekonstruieren und zu würdigen versucht. Ohne Frage ist das ein schwieriges Unterfangen, richtet sich doch ihr Blick auf eine der irritierendsten Persönlichkeiten unseres Faches im 20. Jahrhundert - auf einen nationalsozialistischen Hochschullehrer der ersten Stunde und Verfechter einer neuen, »völkischen« Wirtschaftslehre, der zunehmend in Opposition zum NS-Regime geriet und seinen aktiven Widerstand gegen Hitler am Ende mit dem Leben bezahlen mußte. Fest steht, daß Jessen trotz oder vielleicht sogar wegen dieses ungewöhnlichen Lebenslaufs von der einschlägigen Nachkriegsliteratur meistens übergangen oder nur beiläufig erwähnt worden ist. Das gilt sowohl für das Schrifttum zum Nationalsozialismus und zum Widerstand im Dritten Reich als auch für die wirtschaftswissenschaftliche Literatur. Für viele Autoren war und ist Jessen wohl ein heikler Fall, zumal es bislang an dem nötigen Einblick fehlte, seine Gratwanderung und seinen Frontwechsel richtig zu verstehen. Künftig wird das anders sein, denn Regina Schlüter-Ahrens hat in ihrer Arbeit überzeugende Antworten auf viele offene Fragen gefunden.

Heinz Rieter
Hamburg, im Dezember 2000

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Mai 2002 ()

"... Daß der Widerstand manch schillernde Figur in seinen Reihen zählte, verdeutlicht der Werdegang des Ökonomen Jens Peter Jessen, dem sich die Hamburger Wissenschaftlerin Regina Schlüter-Ahrens mit viel Fingerspitzengefühl widmet. In ihrer spannenden, sauber recherchierten, durch neue Quellen und Gespräche mit Zeitzeugen untermauerten Untersuchung sind alle Etappen von Jessens Leben und Werk zugleich berücksichtigt. Aus der Zusammenschau soll das Verständnis für den Weg eines widersprüchlichen Charakters wachsen. Für sich genommen, haben sich Jessens wissenschaftliche Leistungen - rund um die Weltwirtschaftskrise, den Methodenstreit, den Entwurf einer 'völkischen' Wirtschaftslehre, Geld und Kredit, Inflation, Preispolitik und Finanzwissenschaft - nicht als haltbar erwiesen. Das Verdikt ist hart: 'Jessen bleibt auf theoretischem Gebiet hinter dem damaligen Stand des Wissens zurück.'

In den zwanziger und dreißiger Jahren war Jessen ein glühender Anhänger des Nationalsozialismus. Dabei überschlug er sich schier, sein frühzeitiges Engagement unter Beweis zu stellen und zum Beispiel in der Banken Enquetekommission Einfluß auf die Politik zu gewinnen. Sein akademischer Ehrgeiz ging dahin, eine Theorie des Nationalsozialismus zu entwerfen. So verlangte Jessen nach der Machtübernahme in einem Schreiben an den Kultusminister, 'eine Stätte zu schaffen, an der die Sozial- und Wirtschaftslehre des Nationalsozialismus ein zentrales Studium findet'. Die Leitung dieses Instituts wünschte er selbst zu übernehmen, da er es gewesen sei, 'der den Nationalsozialismus wissenschaftlich an den deutschen Hochschulen eingeführt hat.' Wie nur kam dieser selbstbewußte Befürworter der Hitler Bewegung dazu, sich schließlich am Attentat vom 20. Juli 1944 zu beteiligen? Warum die Kehrtwende? ...



Zeitschrift für Ganzheitsforschung, IV/2003, S. 214-217 ()

"... Jessens Hinrichtung (30.11.1944) als Folge seiner Mitwirkung an den Vorbereitungen des Attentats auf Hitler (20.7.1944) machte das tragische Ende seines Lebens als exponierter Ökonom im Dritten Reich deutlich. Dies, aber auch die Ambivalenz seiner Stellung zum Nationalsozialismus wird von der Verfasserin hervorgehoben, und sie vermutet: 'Wohl wegen des Sinneswandels tut sich die Historiographie sichtlich schwer, Jessen zu verstehen und einzuordnen' (15). Dagegen beabsichtigt sie, einseitige Urteile abzubauen, alle Lebensabschnitte und alle Facetten des wissenschaftlichen Werkes von Jessen zu beachten und daraus ein Gesamtbild zu formen (17). Das Ziel ist also hoch gesteckt. Auch der Aufwand für die Sammlung und Auswertung des Materials ist beträchtlich. Die Durchführung der Arbeit ist ebenfalls eindrucksvoll. Sie orientiert sich an Jessens Lebenslauf und Werk als den beiden Achsen der Untersuchung. Als 'roter Faden' zeichnet sich dabei eine auch in der neueren Wissenschaftsgeschichtsschreibung vordringende Auffassung ab: bei der Darstellung und Interpretation der Veröffentlichungen immer auf die Biographie und deren historisch politischen Hintergrund Bezug zu nehmen."

Die Verfasserin urteilt: [Jessens Werk] bleibt auf theoretischem Gebiet hinter dem damaligen Stand des Wissens zurück (189); Jessen sei kein Ökonom, der ein prägendes wirtschaftswissenschaftliches Werk hinterlassen hat (198). Eher sei er ein praktisch orientierter Wirtschaftspolitiker gewesen mit dem Ziel, die gewalttätigen und irrationalen Elemente der NS- Herrschaft zurückzudrängen (191); dabei habe er seine Möglichkeiten jedoch maßlos überschätzt (198). Gleichwohl sei er seinen Prinzipien treu geblieben und seinen Weg bis zum Tod gegangen. Gerade in dieser Feststellung der Autorin liegt aber die Gefahr, daß der Inhalt jener 'Prinzipien' unterschätzt wird, denn er gehörte zu den 'alten Eliten, die sich in der Ablehnung des Versailler Friedensvertrages und der Weimarer Republik schon vor 1933 einig waren' (195). Aus gutem Grund läßt R. Schlüter-Ahrens am Ende ihres eindrucksvollen Buches die tiefschürfende, wenn nicht entscheidende Frage offen: 'Erwuchs Jessens Gegnerschaft zum Nationalsozialismus aus persönlichem und fachlichem Ehrgeiz oder aus ethisch moralischer Abscheu?' Wie eingangs hervorgehoben, geht es bei der Offenlegung der Geschichte des Nationalsozialismus 'um unsere Einstellung zur Geschichte und zu uns selbst' (H. Rieter, Geleitwort). Es wäre jedoch fatal, wenn die Dokumentation der Geschichte auf falsche, zum Untergang führende Wege (zurück )führen würde. Davor möge das eindrucksvolle, zu weitergehenden Parallel- und Vergleichsuntersuchungen anregende Buch schützen."


dem Verlag bekannte Rezensionen
  • Junge Freiheit, 21.-28.12.2001, S. 15
  • Süddeutsche Zeitung, 19.02.2002, S. 22
  • Junge Freiheit, 8. März 2002, S. 15
  • "Daß der Widerstand manch schillernde Figur in seinen Reihen zählte, verdeutlicht der Werdegang des Ökonomen Jens Peter Jessen, dem sich die Hamburger Wissenschaftlerin Regina Schlüter-Ahrens mit viel Fingerspitzengefühl widmet." ...
    Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. Mai 2002 mehr...
  • Historische Zeitschrift 2003, S. 499-500
  • "Jessens Hinrichtung ... machte das tragische Ende seines Lebens als exponierter Ökonom im Dritten Reich deutlich." ...
    Zeitschrift für Ganzheitsforschung, IV/2003, S. 214-217 mehr...
  • German Studies Review 27/3 (2004), S. 636
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