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Der homo oeconomicus unter experimentellem Beschuss
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Der homo oeconomicus unter experimentellem Beschuss

23 Seiten · 3,79 EUR
(26. August 2006)

 
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Aus der Einleitung:

Bei der Erklärung wirtschaftlicher Phänomene haben die Ökonomen stets das Eigeninteresse der handelnden Menschen zum Ausgangspunkt für ihre Betrachtungen genommen. Ein Teil des Interesses, das die experimentelle Ökonomik findet, rührt daher, dass die experimentellen Befunde manchmal die theoretischen Vorstellungen der Ökonomen zu bestätigen scheinen, aber manchmal auch in krassem Widerspruch zu etablierten Vorstellungen stehen. So liefert die experimentelle Ökonomik ein neues Schlachtfeld für die Auseinandersetzung zwischen den Verteidigern der Orthodoxie und den Häretikern. Das macht sie interessant und hat sie aus ihrem langen Dornröschenschlaf geweckt.

Es fragt sich, ob die experimentelle Ökonomik helfen wird, zu einem besseren Verständnis von wirtschaftlichen Phänomenen zu gelangen. Allein mit der Anhäufung empirischer oder experimenteller Befunde und der Aneinanderkettung punktueller Regelmäßigkeiten ist es nicht getan. Die Ökonomen der Historischen Schule haben in ganz ähnlicher Weise wie heute die experimentellen Ökonomen umfangreiches Material angehäuft und gehofft, dass dies zu einer neuen Theorie führen würde. All diese Arbeiten sind aber heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Ronald Coase hat dazu mit gewissem Recht bemerkt: „Sie hatten keine Theorie, und deshalb konnten sie nichts an die kommenden Generationen weitergeben als einen Wust von Beschreibungen und Faktensammlungen, als Grundlage für eine zukünftige Theorie – oder fürs Feuer.“ Ähnliches wird man vielleicht in hundert Jahren von der experimentellen Ökonomik sagen, wenn es ihr nicht gelingt, positive theoretische Einsichten zu entwickeln.

Ich möchte im Folgenden ausführen, dass es mit einer Kritik der orthodoxen Verhaltensannahmen nicht getan ist. Die experimentelle Ökonomik rennt offene Türen ein, wenn sie sich auf den Nachweis beschränkt, dass die üblichen Verhaltensannahmen, wie sie in der Wirtschaftswissenschaft getroffen werden, unrealistisch sind. Diese Tatsache ist auch denjenigen Ökonomen bekannt, die in ihren theoretischen Erklä¬rungen das Eigennutzmotiv in den Vordergrund stellen. Deshalb sprechen sie ja explizit vom homo oeconomicus und eben nicht vom homo sapiens. Die Rechtfertigung für die Beibehaltung des Eigennutzmotivs als eines theoretischen Hilfsmittels – und eben nicht einer realistischen Verhaltensannahme – wird von einer experimentellen Widerlegung der Eigennutzannahme nicht berührt.

Die Rechtfertigung für die konventionellen Verhaltensannahmen liegt auf anderer Ebene und damit auch die Kritik. Ich möchte die Rechtfertigungen im Folgenden kurz referieren, den m.E. zentralen Kritikpunkt erwähnen und dann fragen, in welchem Sinne die experimentelle Öko¬nomik einen Beitrag zu einem positiven Verständnis von Wirtschaftsphänomenen liefern kann.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Experimente in der Ökonomik
Martin Held, Gisela Kubon-Gilke, Richard Sturn (Hg.):
Experimente in der Ökonomik
the author
Prof. Dr. Ekkehart Schlicht
Ekkehart Schlicht

Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Arbeitsschwerpunkte: Arbeitsmarkttheorie, Institutionenökonomik.

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