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Friday, September 20, 2019
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Der keynesianische Multiplikator in einer Kreditgeldwirtschaft
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Der keynesianische Multiplikator in einer Kreditgeldwirtschaft

24 Seiten · 5,05 EUR
(März 2013)

 
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Aus der Einleitung:

Die Diskussion über die Wirkung von Fiskalpolitik hält seit Jahrzehnten an und noch immer streiten Ökonomen über die Höhe des Multiplikatoreffekts. Die jüngsten Konjunkturpakete seit der Great Recession haben fiskalpolitische Maßnahmen wieder in den Fokus der Forschung gerückt. Die Literatur zu Multiplikatorschätzungen wächst schnell, mit ihr erhöht sich aber auch die Bandbreite der Schätzergebnisse. Grob zusammengefasst dreht sich die Diskussion vor allem um Crowding-In- bzw. Crowding-Out-Effekte in der Konsumfunktion und der Investitionsfunktion, die letztlich den Ausschlag geben, ob der Multiplikatoreffekt größer oder kleiner als Eins ist.

Ein weiterer Grund für die große Bandbreite der Resultate liegt aber in der unterschiedlichen Herangehensweise zur Messung des Multiplikators. Was für den Theoretiker im Rahmen logischer Zeit und komparativstatischer Analyse keine Bewandtnis hat, bereitet dem Empiriker Kopfzerbrechen: Wie lange dauert eine Runde des Multiplikatorprozess in historischer Zeit und über welchen Zeitraum läuft der Prozess insgesamt? Spilimbergo et al., 2009 decken in ihrem Literaturüberblick diverse Messverfahren des Multiplikators in empirischen Studien auf und beklagen zu Recht die mangelnde Vergleichbarkeit. Allein für die Klasse der DSGE-Modelle wird der Multiplikatoreffekt mittels Impulse-Response-Funktionen wahlweise als Peak Response, Initial Response oder Cumulative Response bezogen auf einen dauerhaften oder einmaligen Impuls bestimmt. Welches Zeitfenster als relevant erklärt wird, ist ebenfalls uneinheitlich. Ohne hier weiter ins Detail zu gehen, zeigt sich doch, dass dem betrachteten Zeitraum mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Dabei gilt es, theoretische und empirische Ansätze methodisch auf gleiche Füße zu stellen, wenn mit empirischen Arbeiten das Multiplikatorkonzept be- oder entkräftet werden soll. Neben der Vereinheitlichung der Messansätze entsteht daher die interessante Aufgabe, das theoretische Multiplikatorprinzip von der logischen auf die historische Zeitebene zu übertragen. Schließlich hinkt der Vergleich mit der Empirie, wenn man den Multiplikatoreffekt für eine unbestimmte Anzahl hypothetischer Runden ermittelt, deren Länge ebenfalls unbestimmt ist.

Ein zweites Problem betrifft den Zusammenhang zwischen dem keynesianischen Multiplikatormodell und der Theorie endogenen Geldes. Beide Prinzipien sind zwar in der keynesianischen Literatur weitgehend akzeptiert; wie hier argumentiert wird, berücksichtigt das Multiplikatorkonzept die Eigenschaften einer Kreditgeldwirtschaft aber nur unzureichend und sollte entsprechend erweitert werden.

Ziel des vorliegenden Beitrages ist es diese beiden Aufgaben anzugehen. Der Zeitaspekt soll berücksichtigt werden, indem auf den so genannten Velocity Approach zurückgegriffen wird. Das Prinzip endogenen Geldes soll eingebunden werden, indem die Zu- und Abflüsse aus dem Kreislauf detailliert werden. Dabei wird sich zeigen, dass beide Ansätze für sich genommen unvollständig sind, aber gemeinsam eine allgemeine Multiplikatorformel ergeben, die den Standardmultiplikator und den Velocity- Multiplikator als Spezialfälle enthält. Dieser integrierte Multiplikator ist kompatibel mit einer Kreditgeldwirtschaft und anwendbar auf Prozesse in historischer Zeit. Der Beitrag gliedert sich wie folgt: Der folgende Abschnitt analysiert den rundenbasierten Multiplikator und erläutert die aufgezeigten Probleme im Detail. Im dritten Abschnitt wird der Velocity-Multiplikator diskutiert. Der vierte Abschnitt kombiniert die vorhergehenden Überlegungen um einen integrierten Multiplikator zu entwickeln. Abschnitt fünf betrachtet die Stabilitätseigenschaften des Multiplikatorprozesses in einer Kreditgeldwirtschaft. Der letzte Abschnitt zieht ein Fazit.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Keynes General Theory nach 75 Jahren
Jürgen Kromphardt (Hg.):
Keynes General Theory nach 75 Jahren
the author
Dr. Sebastian Gechert
Sebastian Gechert

geb. 1983, Referatsleiter für Makroökonomie und Einkommensentwicklung, Hans-Böckler-Stiftung, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung in Düsseldorf

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