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Monday, August 19, 2019
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Deutsche Geldtheorie im 19. Jahrhundert - mehr als nur ein Echo englischer Debatten
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Deutsche Geldtheorie im 19. Jahrhundert - mehr als nur ein Echo englischer Debatten

43 Seiten · 6,91 EUR
(Februar 2007)

 
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Aus der Einleitung:

Als Bertram Schefold die ?Hausaufgaben? für das Kolloquium zu Ehren von Karl Häuser verteilte und mir dieses Thema antrug, erinnerte ich mich sogleich, daß sich der Jubilar auch mit der deutschen Geldlehre des 19. Jahrhunderts befaßt und dezidiert dazu geäußert hat. Um es vorwegzunehmen: Er hat die thematisierte Frage eher mit einem ?Nein? beantwortet. In seinen ?Dogmengeschichtlichen Betrachtungen zur deutschen Währungsunion von 1871-1876? (Häuser 1998) gibt er eingangs einen Überblick ?Zum Stand der damaligen Theorie und zum Problembewußtsein?.

Karl Häuser fragt (ebd., 68): ?Was [...] leistete Geld- und Währungstheorie damals [also um 1870], was konnte sie leisten?? Und er erörtert diese Fragen ? wie es im deutschen Schrifttum spätestens seit Altmanns (1908) Unterscheidung zwischen dem ?qualitativen? und dem ?quantitativ-dynamischen Geldproblem? üblich ist ? getrennt für das Wesen und den Wert des Geldes. Die Geldwerttheorie sei damals ?noch weitgehend identisch mit der Quantitätstheorie, das Geld konnte nach damaligen Vorstellungen [...] nur Ware und Geld zugleich sein?, so daß sich der Geldwert nach ?objektivem Warenwert, d.h. letztlich nach den Produktionskosten? des Edelmetalls bemaß (Häuser 1998, 68 f.). Ganz in klassischer Manier wurde Geld ?nur (als) ein Schleier (empfunden), der die im Grunde realen Tauschbeziehungen verhüllte?, so ?daß sich die Geldfunktionen in der Rolle des bloßen Tauschhelfers und des Wert- und Preisausdrucksmittels erschöpften? (ebd., 69 f.). Das heißt: ?Die deutsche Nationalökonomie jener Jahre, um 1870, befand sich auf dem Gebiet der Geldtheorie, zumindest der Geldfunktionslehre, noch in einem Zustand, der eine Entwicklung über die klassische Theorie hinaus noch nicht erkennen läßt? (ebd., 70). Es war ein ?Stadium der Inkubation?, in dem die deutsche Geld- und Währungstheorie ?noch wenig entwickelt? war (ebd., 92). Die Gründe dafür sucht Häuser ?in der Realität, d.h. in der Zerrissenheit und Rückständigkeit des deutschen Geldwesens und dessen noch wenig entwickelten Finanzmärkten und Finanzinstitutionen [...]? (ebd., 92, s. auch 71).

Häuser belegt dies alles sorgfältig. Er verweist auf die damals führenden deutschen Lehrbuchschreiber, Karl Heinrich Rau und Wilhelm Roscher, die zumindest in Geldfragen im klassischen Fahrwasser geblieben seien und bei denen sich ?der Ansatz zu einer analytischen Geldtheorie [...] bestenfalls erahnen [läßt]? (Häuser 1998, 70).

Häuser erwähnt sodann die Katechismen der ?marginalistischen Revolution? ? die, wie wir inzwischen wissen, eigentlich keine war ?, Leon Walras? Eléments (1874), William Stanley Jevons? Theory (1871), Carl Mengers Grundsätze (1871), natürlich auch Mengers ?Geld?-Artikel in den ersten drei Auflagen des Handwörterbuchs der Staatswissenschaften (1892, 1900, 1909). Hierbei stellt er fest, daß das ?Grenznutzenprinzip [...] von seinen Entdeckern [...] zunächst auf die elementaren ökonomischen Probleme, nämlich auf die Lehre von den Preisen, der Produktion und der Einkommensverwendung [...] angewandt worden [ist], ehe es allmählich auch für die Geldtheorie nutzbar gemacht wurde? (ebd., 69, Fn. 5). Häuser zitiert des weiteren deutsche Geld- und Währungsfachleute des 19. Jahrhunderts, namentlich Karl Murhard (Theorie des Geldes und der Münze, 1817), Max Wirth (Die Münzkrisis und die Notenbank-Reform im Deutschen Reiche, 1874), vor allem aber Gustav Adolf Soetbeer (Deutsche Münzverfassung, 1874-1876), der in seiner geldhistorischen und währungsstatistischen Vorgehensweise gleichsam ein ?deutscher Thomas Tooke? war, sowie Adolph Wagner (u.a. Beiträge zur Lehre von den Banken, 1857; Die Geld- und Kredittheorie der Peelschen Bankakte, 1862; System der Zettelbankpolitik, 1873), der die englische Currency-Banking- Kontroverse in Deutschland nachfocht. All diese Autoren griffen zwar beherzt in die geld- und währungspolitischen Debatten jener Zeit ein, aber es handelt sich dabei ? wie Häuser feststellt ? ?nicht um allgemeine geldtheoretische Überlegungen, sondern um Abhandlungen über partielle Probleme? (ebd., 69), etwa die Vereinheitlichung des deutschen Münzwesens und die Schaffung einer Währungsunion auf deutschem Boden, die Ausgestaltung der künftigen Währungsverfassung (Doppel- oder Parallelwährung, Mono- oder Bimetallismus, Silber- und/oder Goldwährung mit oder ohne Banknoten), die Aufgabenstellung, Strukturierung und rechtliche Verankerung des Zentralbanksystems, den Auf- und Ausbau von Noten- und Depositenbanken und anderes mehr. Häuser weiß zudem die Sekundärliteratur auf seiner Seite, wenn er konstatiert, daß ?zum damaligen Zeitpunkt [...] eine analytische Geldlehre deutscher Autoren noch nicht existierte? (ebd, 69).


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Exogenität und Endogenität
Bertram Schefold (Hg.):
Exogenität und Endogenität
the author
Prof. Dr. Heinz Rieter
Heinz Rieter

ist emeritierter Professor am Institut für Wirtschaftssysteme, Wirtschafts- und Theoriegeschichte an der Universität Hamburg. Im Metropolis-Verlag gibt er zusammen mit Prof. Dr. Birger Priddat und Prof. Dr. Joachim Zweynert die Buchreihe "Beiträge zur Geschichte der deutschsprachigen Ökonomie" heraus.

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