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Die Bundesbank und ihre Geldmengenpolitik
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Die Bundesbank und ihre Geldmengenpolitik

17 Seiten · 4,10 EUR
(05. Februar 2007)

 
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Aus der Einleitung:

Die Geldmengenorientierung beruht auf dem Grundzusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation. Mögen sich die Verhältnisse im Finanzapparat moderner Volkswirtschaften auch ständig ändern, jede Notenbank muss sich hier eine klare Meinung bilden. Der Blick auf die deutsche Wirtschaftsgeschichte gibt zwei eindeutige Antworten: Erstens: Keine große Inflation fand ohne eine Ausweitung der Geldmenge statt, die nicht weit über das verfügbare Angebot an Gütern zu unveränderten, freien Preisen hinausging, weder die Inflation von 1919 bis 1923, noch die Periode der verdeckten Inflation von 1938 bis 1948. Die Formulierung der Quantitätstheorie durch Irving Fisher fand bekanntlich ihre empirische Unterstützung durch dessen Studien an Ort und Stelle, während der ersten großen Inflation in Deutschland.

Zweitens, und nicht weniger wichtig: Die Reduktion der überhöhten Geldmenge auf ein dem Angebotspotential gemäßes Maß schuf erst die Voraussetzung für eine gedeihliche wirtschaftliche Entwicklung ab 1924 und ab 1948. Die Währungsumstellung in der DDR 1990 auf die D-Mark führte zu einer eher zu kräftigen Ausweitung der Geldmenge, doch spielten Fehlentwicklungen auf anderen Gebieten eine weit wichtigere Rolle für die zunächst zu starke Preissteigerung, auch im Westen und insbesondere für die Langsamkeit des Aufholungsprozesses in den Neuen Bundesländern.

Der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisstabilität, also die Schaffung einer knappen Geldmenge in Relation zu einem geschätzten künftigen Sozialprodukt, bestimmte den scharfen Geldschnitt der Alliierten Mitte 1948, einem schärferen Schnitt als die deutschen Experten empfohlen hatten. Dem Denken einer Regierung von Militärs entsprach es überdies, die Entwicklung der Geldmenge laufend unter Kontrolle zu halten. Sie ordnete an, dass vor jeder Ausweitung des Bargeldumlaufs um eine weitere Milliarde DM die Genehmigung von mindestens 6 Bundesländern (die Bundesrepublik gab es noch nicht) einzuholen war; eine Praxis, die bei der stürmischen Aufwärtsentwicklung des Sozialprodukts natürlich nicht sehr lange durchzuhalten war.

Der ab Herbst 1949 existierende bundesdeutsche Gesetzgeber ließ sich für die Formulierung eines Bundesbankgesetzes, wozu das Grundgesetz (Art. 88) zwang, fast sieben Jahre Zeit.3 Er formulierte (§ 3 BBankG) den Zusammenhang zwischen Währungsstabilität und Geldmenge wie folgt:

Die Bundesbank regelt den Geldumlauf und die Kreditversorgung mit dem Ziel, die Währung zu sichern. M.E. ist das ein klarer monetaristischer Auftrag, begründet auf der Erfahrung, dass Inflation primär ein monetäres Phänomen ist. In der Tat findet man in den Monatsberichten der Bank deutscher Länder von Anfang an einen monatlichen Ausweis der Geldmenge. Es wäre übertrieben zu sagen, dass in den ersten beiden Jahrzehnten Maßnahmen der Bundesbank vor allem von der Geldmengenentwicklung bestimmt worden wären. Eher stand ein antizyklisches Modell der Geldpolitik im Hintergrund, jedenfalls so lange die Inflation, wie in den fünfziger Jahren, auch weltweit kein größeres Problem darstellte.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Exogenität und Endogenität
Bertram Schefold (Hg.):
Exogenität und Endogenität
the author
Prof. Dr. Helmut Schlesinger
Helmut Schlesinger

geb. 1924; 1949 Referent für Öffentliche Finanzen am Inst. f. Wirtschaftsforschung, München; 1952 Eintritt in die volkswirtschaftliche Abteilung der Bank deutscher Länder, 1964-72 Leiter der Hauptabteilung Volkswirtschaft und Statistik; 1972-79 Direktoriumsmitglied, 1980 Vizepräsident und 1991-93 Präsident der Deutschen Bundesbank; 1991-99 Verwaltungsrat der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Basel; 1981 Ehrendoktorwürden der Universitäten Göttingen und Frankfurt/Main, sowie 1993 der Universität St. Gallen.