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Die Marktwirtschaft scheitert und ein ökologisches Wirtschaftssystem beginnt

Für eine naturverstehende Wirtschaft

"Ökologie und Wirtschaftsforschung"  · Band 100

pdf 169 Seiten ·  13,78 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-7316-1210-0 (Juli 2016 )
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Wir befinden uns inmitten eines bedeutenden historischen Wandels. Das Zeitalter des Anthropozäns hat begonnen. Der Mensch wird zum entscheidenden Gestalter der Erde und der ganzen Natur. Aber wer gestaltet diese Natur eigentlich? Es ist wesentlich die Wirtschaft in Verbindung mit Technologie und Naturwissenschaft. Produktion und Konsumtion bestimmen, wie das Gesicht der Erde in Zukunft aussehen wird. Das ändert aber alles im Verhältnis von Wirtschaft und Natur.

Bisher war die Natur für die Wirtschaft nur Steinbruch und Müllhalde. Einen eigenen Wert hatte sie nicht. Natur war keine Kategorie der Wirtschaft, sie war ein Nichts, das man vergessen konnte. Gleichzeitig hat man sie aber maßlos nach kostenlosen Gütern durchwühlt. Das Ergebnis ist eine verletzte, ausgebeutete und unverstandene Natur.

Im Zeitalter des Anthropozäns aber wandelt sich die Natur vom unterworfenen Objekt zum bestimmenden Subjekt. Und da die Wirtschaft mit ihrer Produktion und Konsumtion der entscheidende Macher und Gestalter dieser ganzen Natur ist, kommt es zu einer radikalen Erneuerung des Verhältnisses von Wirtschaft und Natur. Die Natur wird jetzt zur wichtigsten Kategorie der Wirtschaft, weil sie als Quelle aller Produkte, Werte, Geldwerte und Einkommen erkannt wird. Die Epoche des Anthropozäns hat nur dann eine Überlebenschance, wenn die Natur von den Menschen und ihrer Wirtschaft sowohl extrem gut verstanden als auch verantwortungsvoll und human gestaltet wird. Das bedeutet aber eine vollkommen neue Wirtschaftsweise.

Die bisherige Marktwirtschaft ist dieser Aufgabe nicht gewachsen, weil sich Geld und Natur widersprechen. Die Märkte sind nicht nur irrational und ungerecht, sondern auch naturblind und unfähig zur Zukunft. Die produzierende Natur muss zuerst als Physis begriffen sein, danach erst kann der Markt handeln. Die Marktwirtschaft muss daher grundlegend reformiert und ein ökologisches Wirtschaftssystem muss eingerichtet werden. Im Kern dieses Wirtschaftssystems steht eine Naturwertlehre, die besagt, dass alle Produkte, alle Werte, alles Geld und alle Einkommen von einer produzierenden Natur in Verbindung mit der menschlichen Arbeit erzeugt werden.

Ein ökologisches Wirtschaftssystem hat wesentlich die Aufgabe, die Menschen täglich ausreichend mit Mitteln zum Leben auszustatten, gleichzeitig aber die produzierende Natur für die nachfolgenden Menschen zu erhalten und zu gestalten. Das bedeutet eine gigantische Reform der Wirtschafts- und Lebensweise, in deren Mittelpunkt eine verstandene und human geformte Natur steht.

Hat diese Reform eine realistische Chance auf praktische Verwirklichung? Mit unserem alten naturleugnenden ökonomischen Verständnis sicherlich nicht. Aber die Zeiten ändern sich. Die Wirtschaft und vor allem die Unternehmen begreifen zunehmend, dass eine geschädigte Natur keine Einkommen und Gewinne gewährleisten kann, dagegen eine verstandene und produktive Natur eine anhaltende Quelle von Werten, Gewinnen und Einkommen für die Menschen darstellt. Das Anthropozän wird eine erfolgreiche und nachhaltige Epoche der Menschheit, wenn es gelingt, eine Wirtschaft für die Natur zu begründen, um mit der Natur ein Leben für die Menschen zu ermöglichen. Das ist das Ziel eines ökologischen Wirtschaftssystems.

Das vorliegende Buch versucht, die Bedingungen für eine ökologische Erneuerung der Marktwirtschaft und für die Einrichtung eines naturverstehenden Wirtschaftssystems aufzuzeigen.


the author
Prof. Dr. Hans Immler
Hans  Immler Professor i.R. an der Universität Kassel [weitere Titel]
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