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Monday, August 19, 2019
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Die Mont Pèlerin Society und neoliberale Think-Tanks in der Krise
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Die Mont Pèlerin Society und neoliberale Think-Tanks in der Krise

22 Seiten · 4,33 EUR
(Juni 2010)

 
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Aus der Einleitung:

Die große Finanz- und Wirtschaftskrise der jüngsten Vergangenheit ist eine unvorhergesehene Herausforderung für Vordenker, Propagandisten und Apologeten neoliberaler Weltanschauungen. Über Jahrzehnte stand die Globalisierung der (Finanz-)Wirtschaft respektive die Förderung universeller, hoch spekulativer Kapitalmobilität im Zentrum neoliberaler Politik. Sie war auch ein klassisches Anliegen der neoliberalen Ökonomen im Kreise der Mont Pèlerin-Gesellschaft und der neoliberalen Think-Tanks. Diese Intellektuellennetzwerke beeinflussten die einschlägigen Grundsatzdiskurse weit über akademische Debatten hinaus. Der längst strukturell gewordene Einfluss ist allerdings nicht ohne weiteres ersichtlich oder leicht zu messen.

Auch in der Krise sollte er nicht als gering eingeschätzt werden. Bereits in den 1960er Jahren traten die früh transnational organisierten neoliberalen Intellektuellen beratend auf den Plan. Sie forderten während der ersten Krisen der Bretton Woods-Ordnung eine Neuorientierung der Währungspolitik. Seinerzeit entwickelte eine kleine Gruppe von Ökonomen, darunter die MPS-Mitglieder Fritz Machlup, Milton Friedman, und Gottfried Haberler, praktische Vorschläge für flexible Wechselkurse (möglichst ohne staatliche Interventionsmöglichkeiten) und setzte sie gegen große Widerstände sowohl innerhalb des neoliberalen Lagers als auch unter etablierten Regierungsökonomen durch. Allerdings verwarf die Gruppe die von traditionellen Liberalen angestrebte Rückkehr zum echten Goldstandard, der nur mit Kapitalverkehrskontrollen als durchführbar erschien, und trat für eine pragmatische Auflösung des Bretton Wood-Regimes (bzw. des Politik-Trilemmas) zugunsten der Kombination monetärer Autonomie und freiem Kapitalverkehr ein.

Um das Bretton Woods-Regime in ein System flexibler Wechselkurse umzuwandeln, musste allerdings die vorherrschende Skepsis gegenüber freien Wechselkursen und spekulativen Kapitalflüssen überwunden werden. Dies gelang den beteiligten Ökonomen, u. a. über die Organisation von Konferenzen, die mit Praktikern, wie Zentral- und Privatbankiers, und Geldpolitikern durchgeführt wurden, sowie mit populären Schriften. Erst im Zuge der Finanz- und Währungskrisen seit Mitte der 1990er Jahre, die auch zur Wiedereinführung von meist temporären Kapitalverkehrskontrollen führten, kamen Zweifel an den vorherrschenden neoliberalen Doktrinen zur währungspolitischen und finanzwirtschaftlichen Fragen auf. Und erst im Gefolge der großen Finanzkrise seit 2008 wird auch von Ökonomen in einflussreichen Position, z.B. von IMF-Ökonomen wie Olivier Blanchard, über eine aktivere staatliche Regulierungspolitik unter Einschluss von Kapitalverkehrskontrollen und anderen keynesianischen Instrumenten diskutiert.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Krise! Welche Krise?
Walter Otto Ötsch, Katrin Hirte, Jürgen Nordmann (Hg.):
Krise! Welche Krise?
the author
Dr. Dieter Plehwe
Dieter Plehwe

Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Reichpietschufer 50, D-10785 Berlin; plehwe@wz-berlin.de.