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Die Verrechtlichung der Arbeitsbeziehungen in Deutschland seit dem frühen 19. Jahrhundert
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Die Verrechtlichung der Arbeitsbeziehungen in Deutschland seit dem frühen 19. Jahrhundert

17 Seiten · 3,51 EUR
(28. August 2007)

 
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Aus der Einleitung:

Mit meinem Titel habe ich eine relativ weite und eine kritische Perspektive gewählt. Die weite, über das bloße Arbeitsrecht hinaus, liegt in dem Stichwort Arbeitsbeziehungen. Es spielt an auf Industrial Relations und Legislation industrielle, die weiteren englischen und französischen Stichworte, und bedeutet, daß auch Sozialpolitik, Gewerkschaften, Arbeitsgerichtsbarkeit, Streiks und Einkommenspolitik bedacht werden müssen. Mit Verrechtlichung erscheint die Rechtsentwicklung als drückende Last von immer mehr Gesetzen, Verordnungen, Richtlinien usw. „Gesetzesflut“ wird assoziiert. Das Stichwort kommt nicht zufällig aus der Soziologie und Philosophie. Juristen mögen es eigentlich nicht. Mit Habermas wurde es prominent. Er meint damit die Kolonialisierung, nicht Kolonisierung, der Lebenswelt. Freie Lebensidylle steht gegen geregeltes Leben. Das Stichwort enthält also eine sozialphilosophische Stellungnahme.

Die beiden Aspekte im Titel stellen drei, mindestens drei, Aufgaben:

1. Information über den Verlauf von Arbeitsbeziehungen im 19. Jahrhundert;

2. Orientierung über die Zusammenhänge dabei;

3. Orientierung über die Bewertung des Verlaufs.

Ich werde daher zunächst den äußeren Verlauf der Arbeitsbeziehungen in Deutschland seit dem frühen 19. Jahrhundert skizzieren, dann den Zusammenhangsbehauptungen dazu nachgehen, besonders der Deutung als Verrechtlichung, und zuletzt Sinn und Unsinn, Wohltat und Plage darin suchen.

Es wird sich zeigen, daß es nicht um Verrechtlichung, sondern, um in dieser Sprache zu bleiben, gleichermaßen um Entrechtlichung ging und geht. Das 19. Jahrhundert brachte einen juristischen und zugleich ökonomisch-sozialen, politischen Systemwechsel. Die Revolution des Geistes war vorausgegangen oder parallel gelaufen. Alte Probleme stellten sich nun anders, z.B. die Koalitionsfrage; einige Probleme verschwanden, z.B. die Privilegienfrage und Taxordnungen; neue Probleme entstanden, z.B. solche der Gewerbe-, Koalitions- und Arbeitsvertragsfreiheit. Ständisch gebundenes Privatrecht in Zunft, Gesinde, Handel, Bergbau, Gutsherrschaft, Manufaktur, Industrie, Gewerbe usw. wurde ersetzt durch grundsätzlich und prinzipiell freies Privatrecht ohne Rücksicht auf die ständische Herkunft der Teilnehmer. Arbeitsrecht bildet in diesem großen Vorgang nur einen Ausschnitt, freilich einen besonders signifikanten und interessanten. Hier begegnen sich das Alte und das Neue in besonders harter Weise. Die Umstellung auf das Prinzip Freiheit fordert das neue Prinzip „sozial“ heraus. Die Abstimmung beider Prinzipien erweist sich als das Problem des Jahrhunderts − und keineswegs in einem isoliert juristischen oder rechtshistorischen Sinne.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
the author
Prof. Dr. Joachim Rückert

Universität Frankfurt. Forschungsgebiete: Rechtsgeschichte, Zivilrecht, Arbeitsrechtsgeschichte