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Die mikroökonomische Konsumtheorie durch die Brillen Horkheimers und Adornos betrachtet
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Die mikroökonomische Konsumtheorie durch die Brillen Horkheimers und Adornos betrachtet

21 Seiten · 4,74 EUR
(16. März 2009)

 
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Aus der Einleitung:

In diesem Beitrag wird versucht, sich der Kritik und Deutung der Mikroökonomie von einer anderen, ungewohnten Seite zu nähern. Es wird ein Werk der Frankfurter ‚Kritischen Theorie‘ zur säkularen Ortsbestimmung der Moderne herausgegriffen und gefragt, inwiefern das dort anzutreffende pointierte Verständnis der Gegenwart auch ein Deutungsangebot hinsichtlich der (Konsumtheorie der) Mikroökonomie bereithält. Es handelt sich auf den folgenden Seiten um eine wohl überspitzte Interpretation, die aber dennoch ein neues, hoffentlich erhellendes Licht auf einen sakroskanten Korpus der Wirtschaftswissenschaft wirft, der hier nicht unter dem Blickwinkel der Erzeugung objektiven Wissens über etwas in der Welt, sondern als Erzeugung einer quasi-philosophischen Weltsicht im Spannungsfeld von Ideologien, Sozialstrukturen, Interessen und kollektiver Verdrängung von Problemen aufgefasst wird. Die Tiefenstruktur der Mikroökonomie sagt somit auch viel aus über einige wesentliche Struktureigenschaften der Welt, in der wir leben. Bertram Schefold bekundete eine gewisse Skepsis gegenüber der Kritischen Theorie, über die Linie Stefan Georges teilt er aber auch Aspekte ihrer Einschätzung des okzidentalen Rationalisierungsprozesses.

Im Folgenden wird versucht, die These zu begründen, dass die Tiefenstruktur der ‚modernen‘, formalen Volkswirtschaftslehre, die sich in den letzten 50 Jahren im volkswirtschaftlichen globalen Diskurs als im wahrsten Sinne des Wortes herrschendes Paradigma durchsetzte, mit Adornos (siehe die Biographie zu seinem 100. Geburtstag von Claussen 2003) und Horkheimers für die Gesamtgesellschaft aufgestellte Promesse du malheur in weiten Teilen übereinstimmt: „Natur ist, vor und nach der Quantentheorie, das mathematisch zu Erfassende; selbst was nicht eingeht, Unauflöslichkeit und Irrationalität, wird von mathematischen Theoremen umstellt. Sie setzt Denken und Mathematik in eins. Dadurch wird diese gleichsam losgelassen, zur absoluten Instanz gemacht“ (Horkheimer und Adorno 1969/1944; ich beziehe mich vornehmlich auf dieses Gemeinschaftswerk, da es kondensiert und eindringlich den Impuls der Kritischen Theorie zur Sprache bringt).

Den (heterodoxen) Volkswirt verblüffen ihre Aussagen, treffen sie doch den Kern der heutigen ökonomischen Orthodoxie. Herrschte in den 1950er und 1960er Jahren die Neoklassik in Form der allgemeinen Gleichgewichtstheorie vor, in der die Welt im Idealmodell noch ordentlich auf ein eindeutiges Gleichgewicht hin tendierte, so erlebte die Volkswirtschaftslehre seit den 1970er Jahren eine dem – von ihr allerdings nicht bewusst zur Kenntnis genommenen – allgemeinen Kulturdiskurs erstaunlich parallele dekonstruktive Phase, die durch die Spieltheorie, die experimentelle Ökonomie, die Transaktionskostenökonomie, Weiterentwicklungen der allgemeinen Gleichgewichtstheorie, die Evolutionsökonomie, usw. geprägt ist. An die Stelle der Wohlgeordnetheit tritt auch hier eine ‚neue Unübersichtlichkeit‘ (Habermas 1995). Es gibt nicht ein Gleichgewicht, sondern eher zu viele, ändert man an der modellierten Anfangskonstellation nur ein wenig, kehrt sich das abgeleitete Ergebnis ins Gegenteil um (McCloskey 1996). Der Lyotardsche Befund des Verlusts einer Metageschichte (Lyotard 2000) trifft auch auf die Volkswirtschaftslehre zu, die neue Unübersichtlichkeit gleicht einem Banyontree, der vielerlei Verästelungen aufweist, dem aber die verwurzelnde Erdung fehlt. Als Ersatz für einen klaren substantiellen Inhalt oder eine Vision (Heilbroner/Milberg 1995) dient die Monotonie der Form: Aussagen zählen, sofern sie mathematisch abgeleitet und ökonometrisch getestet werden (können).


zitierfähiger Aufsatz aus ...
the author
Prof. Dr. Dr. Helge Peukert
Helge Peukert

ist Professor für Plurale Ökonomik an der Universität Siegen. Forschungsschwerpunkte: Finanzwissenschaft, Geld- und Finanzmärkte, Plurale und heterodoxe ökonomische Theoriebildung.

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