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 Startseite » Umwelt  » Umwelt- & Ressourcenökonomie 

Die ökologische Herausforderung für die ökonomische Theorie

"Ökologie und Wirtschaftsforschung"  · Band 2

3. Auflage Januar 1997 · 352 Seiten ·  19,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-926570-29-1 (Juni 1991 )

 
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Moderne Industriegesellschaften zeichnen sich durch einen eklatanten Widerspruch zwischen der Akkumulation von Wissen über ökologische Schäden und deren ökonomische Folgewirkungen einerseits und dem davon unberührten Fortbestehen einer umweltunverträglichen Wirtschaftspraxis andererseits aus. Können sich diese Gesellschaften überhaupt auf die selbst erzeugten ökologischen Probleme einstellen? Hier ist offenbar die Theorie gefragt: Welche Analyse-, Deutungs- und Evaluationsaufgaben kann die Theorie angesichts dieser ökologisch-ökonomischen Dilemman übernehmen?

Dieser Band dokumentiert erstmals im deutschen Sprachraum die gesamte Palette der ökologischen Herausforderung aus der Sicht der ökonomischen Theorie. Er versucht die zahlreichen attraktiven Möglichkeiten für wirtschaftswissenschaftliche Anregung und Aufklärung auszuloten, die diesseits schöner Modelle und jenseits konkreter Rezepte liegen.

Teil I: Theoriegeschichtliche und systematische Horizonterweiterungen: G. Maier-Rigaud: Die Herausbildung der Umweltökonomie: Zwischen axiomatischem Modell und normativer Theorie - J. Martinez-Alier: Ökologische Ökonomie und Verteilungskonflikte aus historischem Blickwinkel - F. Beckenbach: Das Ökologieproblem als Verknüpfung von ökonomischer Entscheidungs- und Reproduktionstheorie.
Teil II: Kritische Weiterentwicklung der neoklassischen Umweltökonomie: W.J. Ströbele: Externe Effekte als Begründung von Umweltökonomik und -politik - J. Minsch: Kausalität und externe Effekte - U. Hampicke: Neoklassik und Zeitpräferenz: der Diskontierungsnebel - W.J. Ströbele: Abdiskontierung als kontextabhängiges Problem.
Teil III: Umweltbezüge in der klassischen und keynesianischen Reproduktionstheorie: B. Schefold: Ökologische Probleme als eine Herausforderung für klassische und keynesianische Ökonomie - R. Schwarz: Bemerkungen zur Kreislauftheorie.
Teil IV: Marx als Grundlage einer ökologischen Neuorientierung?: P. Fleissner: What to do with Marx: Zehn Thesen zu seiner Hinterlassenschaft - S. Schultz: What to do with Marx? - H. Brentel: Arbeit, Natur und die Transformation kapitalistisch-industrieller Gesellschaften.
Teil V: Die Lücke zwischen ökonomischer Umwelttheorie und -politik. F. Dietz, J. van der Straaten: Umweltökonomie auf dem Prüfstand: das fehlende Glied zwischen ökonomischer Theorie und Umweltpolitik - M. Cogoy: Kann staatliche Steuerung in der Umweltpolitik erfolgreich sein?
Teil VI: Sozialwissenschaftliche Weiterbildung des homo oeconomicus: J. Weimann: Umweltökonomik und Spieltheorie - H. Wiesenthal: "Rational Choice", Unsicherheit und ökologische Rationalität - J. Wieland: Strukturelle Voraussetzungen und Grenzen ökologischer Kommunikation im System der Ökonomie.
Teil VII: Können Ökonomen von den Naturwissenschaften lernen?: G. Stephan: Ökologisch orientierte Wirtschaftsforschung heute: Was kann ein entropie-theoretischer Ansatz leisten? - W. Ebeling: Modelle der Selbstorganisation in ökologischen und ökonomischen Systemen.

Die Zeit, 22.11.1991 ()

"...Der Sammelband ist Ausfluß eines Kongresses im vergangenen Jahr; sein Titelbild - ein Adam Smith mit grün funkelnden Äuglein bringt das Grunddilemma plastisch zum Ausdruck: Zum einen besteht die Gefahr, daß umfassende ökologische Fragen so verkürzt werden, daß sie sich relativ bruchlos in die herkömmliche Theorie und Praxis einordnen lassen. Gerade dies tut, wie der instruktive Beitrag von Gerhard Maier Rigaud (Institut für Europäische Umweltpolitik, Bonn) zeigt, die traditionelle Umweltökonomie. Sie unterwirft 'Umweltgüter' und 'erschöpfliche Ressourcen' durchgängig einer preislichen Bewertung, wenn nötig mit Hilfe des Staates. Dies führt dann zu Instrumenten wie Steuern, Abgaben, Lizenzen, Haftungsregeln: Wer Um- und Nachwelt belastet, soll dafür zahlen.

Diese Verkürzung des Problems nimmt nun die radikalökologische Kritik zum Anlaß, der Wirtschaftstheorie Versagen angesichts der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen vorzuwerfen. Eine Lösung könne nur jenseits ökonomischer Kategorien gefunden werden, dann nämlich, wenn an die Stelle des monetären Kalküls der 'Eigenwert' der Natur tritt. Nicht eine umfassendere preisliche Bewertung - und damit zugleich auch Verkäuflichkeit - der Umwelt sei nötig, sondern die systematische Erfassung der stofflichen Kreisläufe auf unserer Erde.

Beide hier stilisierten Extrempositionen haben Schwächen. Offenkundig ist dies bei einem rigiden umweltökonomischen Ansatz, der nur auf Kostenanrechnung setzt: Zum einen erfassen die bisher verwendeten Modelle Kreisläufe in der Natur so gut wie gar nicht, deshalb ist auch bei daraus abgeleiteten Empfehlungen begründete Skepsis angebracht. Zum anderen ist oft nicht die Hineinnahme, sondern gerade umgekehrt die Herausnahme von Elementen der Natur aus der Ökonomie geboten. So wird in Natur- und Landschaftsschutzgebieten wirtschaftliches Handeln ja ausdrücklich eingeschränkt oder sogar untersagt.

Aber auch die radikalökologische Kritik muß sich mindestens zweierlei vorhalten lassen: Zum einen scheitert die von ihr geforderte Modellierung stofflicher Kreisläufe oft schon daran, daß wir über Art und Umfang der fraglichen Zusammenhänge nur sehr wenig wissen. Zum andern läuft auch der außerökonomisch postulierte 'Eigenwert' eines Elements unserer Umwelt letztlich auf eine zwar implizite, aber darum nicht weniger wirksame ökonomische Bewertung hinaus.

Der Vorzug des vorliegenden Sammelbandes besteht genau darin, daß er die Bandbreite dieser Diskussion durch eine geschickte Auswahl von Autoren und Themen gut dokumentiert. Nebenbei erfährt man erstaunt, wieviel an ökologischem Wissen aus den vergangenen 150 Jahren aufgrund der vorherrschenden Wachstumsorientierung der Wirtschaftstheorie vergessen wurde und heute neu entdeckt werden muß. Ein anschauliches Beispiel für derartiges gesellschaftlich erzeugtes Unwissen gibt der spanische Ökonom Juan Martinez-Alier mit der bereits 1903 von dem Physikochemiker Svante Arrhenius beschriebenen 'Glashauswirkung' des steigenden Kohlendioxidgehalts in der Erdatmosphäre, die siebzig Jahre später scheinbar völlig neu als 'Treibhauseffekt' in die ökologische Diskussion gerät. ...

Der Band zeigt anschaulich: Der alte Mantel der klassischen Gleichgewichtsökonomik ist zu eng und löchrig geworden; ein wirklich passender und haltbarer ökologischer Mantel ist aber, trotz vieler Vorarbeiten an diesem und jenem Teil, noch längst nicht fertig. Wir können den alten Mantel daher noch lange nicht wegwerfen; daß er aber so eng und verschlissen ist, sollte uns Anlaß genug sein, unser wirtschaftliches und politisches Verhalten kritisch zu überprüfen. Die Wirtschaft ist zwangsläufig in die natürliche Umwelt eingebettet. Der Homo oeconomicus darf das nicht länger ignorieren, wenn er nicht sein eigenes Überleben aufs Spiel setzen will."




the editor
Prof. Dr. Frank Beckenbach
Frank Beckenbach seit 10/2018 Professur für plurale Ökonomie an der Cusanus-Hochschule Bernkastel-Kues; 1999-2018 Professur für Umwelt- und Verhaltensökonomik an der Universität Kassel. [weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • "Der Vorzug des vorliegenden Sammelbandes besteht genau darin, daß er die Bandbreite dieser Diskussion durch eine geschickte Auswahl von Autoren und Themen gut dokumentiert." ...
    Die Zeit, 22.11.1991 mehr...
  • IÖW/VÖW Informationsdienst 5/1991, S. 19-20
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.1991
  • Wumm. Explosives Organ der Basisgruppe WU/GRAS, Wien, 24.6.1992
  • Süddeutsche Zeitung, 24.8.1992
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