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Samstag, 17. November 2018
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Die seltsam stabile Größenstruktur der deutschen Städte
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Die seltsam stabile Größenstruktur der deutschen Städte

Das Zipfsche Gesetz und seine Implikationen für urbane Regionen

28 Seiten · 5,42 EUR
(November 2009)

 
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Aus der Zusammenfassung:

Genauso wie in vielen anderen Staaten folgt auch das deutsche Städte- bzw. Agglomerationssystem einer festen statistischen Regelmäßigkeit, die als Zipfsches Gesetz bezeichnet wird. In Bezug auf Städtelandschaften impliziert das Zipfsche Gesetz, dass das Produkt aus der Einwohnerzahl einer Stadt und ihrem Rang in der Liste der größten Städte konstant ist. Bei der Regression des logarithmierten Rangs auf die logarithmierte Einwohnerzahl müsste demnach eine Gerade entstehen, deren Steigung -1 beträgt. Das Zipfsche Gesetz wird in der Regel auf das Gesetz von Gibrat zurück geführt, wonach sowohl das relative Wachstum einer Größe – d.h. hier der Städte einer entsprechend abzugrenzenden Region – als auch die Standardabweichung dieser Veränderungsraten jeweils (ungefähr) gleich groß sind. Die Verteilung der Stadtgrößen heißt dann zipfkonform.

Insbesondere zeigt unsere empirische Auswertung, dass sich das Zipfsche Gesetz in Deutschland für Städte (sogar schon seit Beginn des 18. Jahrhunderts), Agglomerationen und Regierungsbezirke nachweisen bzw. dass sich seine Gültigkeit nicht ablehnen lässt. Dabei sind die Schätzungen für Agglomerationen (wie dies für andere Staaten auch gezeigt wurde) am besten. Ferner gilt das Zipfsche Gesetz für die Städtelandschaft aller Bundesländer mit Ausnahme von Baden-Württemberg und Niedersachsen (Stadtstaaten bleiben unberücksichtigt). Das Zipfsche Gesetz lässt sich also (begrenzt) größenskalieren.

Allerdings gehört Deutschland wie z.B. die Schweiz zu den wenigen europäischen Staaten, in denen die größte Agglomeration nicht gleichzeitig auch Hauptstadt ist. Zumindest ist Berlin aber die größte deutsche Stadt. Interessanterweise ist das Zipfsche Gesetz selbst gegen die inter-regionalen Differenzen der spezifischen Bevölkerungsdynamik in Deutschland robust. Während der Osten im Mittel schrumpft und der Süden (noch) wächst, befinden sich der Norden und der Westen nur geringfügig oberhalb der Grenze zur Stagnation. Allerdings sind die Ähnlichkeiten innerhalb der Regionen zum Teil groß. D.h. intra-regionale Gemeinsamkeiten reichen für zipfkonforme Ergebnisse grundsätzlich aus. Den Erwartungen entsprechend ist auch unser Ergebnis, dass das Zipfsche Gesetz eher signifikant nachweisbar ist, je besser die Anforderungen des Gesetzes von Gibrat erfüllt sind. Die nachgewiesene höhere Standardabweichung bei den Wachstumsraten kleinerer Städte bzw. Agglomerationen hat eine wichtige Implikation für Investoren: Das demografische Risiko in Form größerer Unsicherheit wäre in kleineren Städten höher als in größeren. Es müsste dann z.B. einen höheren Risikoaufschlag für Investitionen in kleinen Städten geben. Allerdings gilt dies wohl nur für die Städte unterhalb der Abschneidegrenze, also in unserer Analyse jenseits der 50 größten Städte (bis zur Grenze der 150 größten Städte sind die Unterschiede zwar klein aber nachweisbar) oder in der Abgrenzung von Giesen und Suedekum (2009) unterhalb von 100.000 Personen, denn innerhalb des Samples erfordert die Gültigkeit des Gibrat-Gesetzes gerade die größenunabhängige Entwicklung. Typische B-Städte könnten dann für Investoren auch weiterhin interessant bleiben, zumal die Forderung, dass der demografische Wandel v.a. eine Konzentration auf die wenigen A-Standorte erzwingt, bei Immobilieninvestoren verbreitet zu sein scheint.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Märkte und Politik – Einsichten aus Perspektive der Politischen Ökonomie
Wolf Schäfer, Andrea Schneider, Tobias Thomas (Hg.):
Märkte und Politik – Einsichten aus Perspektive der Politischen Ökonomie
Die Autoren
Dr. Tobias Just
Tobias Just

Dr, Senior Economist, Deutsche Bank Research; Hauptarbeitsgebiete: Real Estate Economics and Politics, Branchenanalysen.

[weitere Titel]
Patrick Stephan

Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Münster,