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Thursday, April 25, 2019
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Dollar/Dala: Währungsmimikry in Robert Louis Stevenson’s
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Dollar/Dala: Währungsmimikry in Robert Louis Stevenson’s "The Isle of Voices"

38 Seiten · 4,95 EUR
(Mai 2017)

 
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Aus der Einleitung:

Robert Louis Stevensons Pazifik-Erzählung "The Isle of Voices" (verfasst 1891, veröffentlicht 1893) spielt auf der Hawaii-Insel Molokai. Die Handlung dreht sich um "dollars", die der Weise Kalamake mittels eines Zaubers aus Muscheln münzt. Im Jahr der Annexion Hawaiis durch die USA erschienen, inszeniert die Erzählung einen Aufstand gegen die US-amerikanische Dollardiplomatie und gegen den Ausverkauf Hawaiis an Wirtschaftsinteressen der USA. Eingeborenes ökonomisches Wissen wird dabei in der Figur Kalamakes und mittels phantastischer Parodie und Ironie gegen die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch dogmatische Theorie des Warengeldes in Szene gesetzt und korreliert mit der aus heutiger Sicht entwickelteren Theorie des Fiatgeldes. Die Figur des Geldzauberers Kalamake ist nicht etwa ein von kolonialistischer Habgier korrumpierter, ursprünglich unschuldiger und nun verdorbener Eingeborener, sondern der eigentliche, positive Held der Erzählung, dessen anti-imperiales Gelddenken, als die kritische Ratio des Textes, von seinem eigenen Schwiegersohn Keola, dem Abbild der hawaiianischen Gesellschaft, nicht verstanden wird. Die bisherige Forschung zu "The Isle of Voices" sieht dies nicht so. Dort wird die Erzählung als Stevensons folkloristische Mahnung an kapitalistische Imperial- und Kolonialmächte gelesen, dass das Geld korrumpiere. Der eingeborene Weise Kalamake wird als Beispiel für diese angebliche korrumpierende Essenz des Geldes verstanden; Kalamakes Verhalten wird gelesen als geldgierig, dekadent, und dem Konsum okzidentaler Waren verfallen. Die hier stattdessen vorgeschlagene Lesart erschließt sich durch die Geldgeschichte des Königreichs Hawaii in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Einführung des Dala, einer eigenen hawaiianischen Währung, die Unabhängigkeit des Inselreichs von den USA erhalten sollte. Die Erzählung kritisiert demnach, dass der hawaiianische Souverän selbst die Theorie des Fiatgeldes nicht wahrnahm, stattdessen an einem Edelmetallstandard nach amerikanisch-europäischem Vorbild festhielt, und so die Währungseinführung scheitern musste. Diese Zusammenhänge werden in der Erzählung durch mehrfache koloniale Mimikry, und darunter insbesondere eine Währungsmimikry, gestaltet.

Sicher ist die Figur Kalamake, als ein zum Jähzorn neigender Autokrat, nicht schlicht als gut gezeichnet, aber es wird in Passagen der Erzählung klargestellt, dass Kalamake als Weiser den Respekt der Hawaiianer genießt. Im Unterschied zu seinem Schwiegersohn, der glaubt, seinen Ältesten erpressen zu können, wird Kalamake zum Ende der Geschichte nicht von einem weißen Missionar abhängig und auch nicht als Verlierer vorgeführt. Er verschwindet vielmehr, ohne dass die Erzählstimme weiß, wohin. Kalamake verbleibt so am Ende der Erzählung als Drohung – oder als Versprechen – eingeborenen Potentials, und als Figur der Stärke in Erinnerung.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Was ist?
Wolf Dieter Enkelmann, Birger P. Priddat (Hg.):
Was ist?
the author
Nadja Gernalzick

PD Dr. phil. (Mainz/Bern)