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Montag, 15. Oktober 2018
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Eine Geschichte des ökonomischen Denkens in Rußland 1805-1905

Hardcover, Fadenheftung, Personenregister

475 Seiten ·  48,00 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 3-89518-395-4 (Oktober 2002 )

Ausgezeichnet mit dem Preis Bestes Buch auf dem Gebiet Geschichte des ökonomischen Denkens, verliehen von der European Society for the History of Economic Thought, 2003

 
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Russland ist kein weißer, wohl aber ein hellgrauer Fleck im Geschichtsatlas der Wirtschaftswissenschaft. Diese Feststellung gilt nicht nur aus westlicher Sicht, sondern sogar in Russland selbst fehlt es bisher an einer befriedigenden Bestandsaufnahme des russischen ökonomischen Denkens. Zweynerts Studie schließt diese Lücke für das 19. und das frühe 20. Jahrhundert. Dabei wird erstmals auch liberalen Strömungen, wie etwa der Kiewer Schule, über die bis heute auch in Rußland so gut wie nichts bekannt ist, die ihnen gebührende Aufmerksamkeit geschenkt. Der Verfasser, der mehrere Jahre in russischen Bibliotheken und Archiven recherchiert hat, zeigt, daß die wissenschaftliche Originalität der russischen Ökonomen des 19. Jahrhunderts unterschätzt worden ist. So stellt – um nur ein Beispiel zu nennen – die Lehre von der Produktivität der sogenannten „inneren Güter“, die für die russische Klassik charakteristisch war, einen wegweisenden Beitrag zur Theorie der wirtschaftlichen und zivilisatorischen Entwicklung dar, der in den Annalen der Theoriegeschichte künftig seinen festen Platz finden dürfte.

Doch Zweynerts Monographie ist mehr als ein Handbuch. Den Ansätzen von Karl Pribram und Mark Perlman/Charles McCann Jr. folgend, fragt der Autor nach dem Zusammenhang zwischen der russischen Geistes- und Kulturgeschichte und den Traditionen des darin eingebetteten ökonomischen Denkens. Die Verbindung entdeckt er im patristischen Vermächtnis der russisch-orthodoxen Weltsicht, in dem sich Holismus und Anthropozentrismus in eigentümlicher Weise verschränken: Der Wunsch, eine umfassende Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit zu gewährleisten, habe die Mehrheit der russischen Denker fordern lassen, die Ganzheitlichkeit der Gesellschaft zu bewahren. Zweynert gelingt der Nachweis, dass ein Zusammenhang zwischen dieser Forderung und der traditionell ablehnenden Einstellung der russischen Intellektuellen zum Kapitalismus bestand und bis auf den heutigen Tag fortbesteht. Insofern vermittelt seine weit über den Tellerrand der reinen Ökonomik hinausweisende Studie auch überraschende Einsichten in die wirtschaftskulturelle Dimension des osteuropäischen Transformationsprozesses.

Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, 2005/2, S. 167-180 (Sammelbesprechung) ()

"Das fünfte Kapitel ist nicht minder interessant, ja sogar spannend und teilweise fesselnd geschrieben. Je weiter der Leser in der Lektüre fortschreitet, um so mehr nimmt ihn Zweynerts Darstellung der Hoch- und Tiefpunkte der Entwicklung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Russland gefangen. Der Streit um die Industrialisierung Russlands, das Ende der Autokratie, die außenpolitischen Probleme und die innenpolitischen Wirren, vor allem der Aufstand in St. Petersburg im Januar 1905, der 'blutige Sonntag', bilden den politischen Rahmen für die Entwicklung des ökonomischen Denkens in Russland, nach Zweynerts Sichtweise: des russischen ökonomischen Denkens. Er möchte die russischen Ökonomen 'aus ihrer eigenen Zeit heraus und in ihrem kulturellen Umfeld' begreifen. Darum geht es ihm! ...

Wichtig bleibt indessen Zweynerts Diagnose 'einer allgemeinen Abkehr vom Westen und einer Rückkehr zum eigenen kulturellen Erbe'. Wenn das so ist, wird das zunehmende Interesse an der Geschichte des russischen Denkens nicht nur verständlich, sondern dringend notwendig. Zur Vorbereitung ist das vorgelegte Buch nachdrücklich zu empfehlen."



Journal of the History of Economic Thought, Vol. 27, Number 2, Juni 2005, S. 207-214 ()

"... Even though this volume deals primarily with Russian economic thought, Zweynert also searches for possible causes and explanations of post-communist Russia's difficulties in making the transition to a market-dominated economic system. He uses Russian economic thought as an explanatory device to uncover what Karl Pribram once called the general thought patterns in a particular society, or what Mark Perlman and Charles McCann recently dubbed the 'patristic legacies.' Such a broad-based and seldom-used method of analysis requires the author to transcend the conventional confines of economics and to pay close attention to the prevailing cultural and religious background of Russia at that time." ...

Kyklos, 3/2003, S. 431-434 ()

"... Zweynerts Buch bietet erstmals eine geschlossene und sehr detaillierte Analyse der Entwicklung der Ökonomik in Russland im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Es füllt damit nicht nur eine Lücke in der Geschichtsschreibung der Wirtschaftswissenschaft, sondern sein Buch ist auch für das russische Fachpublikum von grosser aktueller Bedeutung. ...

Ein besonderes Verdienst des Autors ist darin zu sehen, dass er die Entwicklung des russischen ökonomischen Denkens in den Kontext der russischen Geschichte einbettet. Damit folgt er einem methodologischen Ansatz, wie er vor allem von Autoren wie Karl Pribram sowie Mark Perlman und Charles R. McCann jr. vertreten wird, worauf er selbst des öfteren hinweist. Gerade seine enge Anlehnung an Pribram hat aber auch eine gewisse Einseitigkeit zur Folge: Zwar berücksichtigt Zweynert durchaus den Einfluss der politischen und der Wirtschaftsgeschichte auf das ökonomische Denken, aber in erster Linie interessiert er sich für den Einfluss der russischen Kultur und speziell der russischen Mentalität auf die Lehren der von ihm behandelten Ökonomen....

Unbeschadet dieser Einwände ist festzuhalten: Zweynert hat ein für die Historiographie der russischen Wirtschaftswissenschaft wegweisendes Buch geschrieben. Es bleibt nur zu hoffen, dass es bald durch eine Übersetzung ins Russische dem dortigen Lesepublikum zugänglich gemacht wird."



The European Journal of the History of Economic Thought, 2/2003, S. 367-370 ()

"This well-documented thesis is a major achievement, for it solves the problem of how to tell on more than 400 pages, using sources which fill a bibliography of 40 pages, the story of 100 years of economic thinking where there is practically none. Believe it or not, it is a fascinating story." ...

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2003 ()

"... Daß es auch in Rußland selbst, mit Ausnahme von einigen Einzelaspektforschungen, bis heute keine brauchbare Gesamtdarstellung gibt, macht Zweynerts äußerst verdienstvolles Werk noch wertvoller. Zweynert führt den Leser zunächst zurück an die Wurzeln des ökonomischen Denkens in Rußland. Zunächst schildert er den kulturellen und historischen Hintergrund von der Entstehung der Orthodoxie bis zur Reformzeit Peters des Großen; dann führt der Weg geradewegs zu den Schülern Adam Smiths, dessen Ideen früh nach Rußland importiert wurden. ...

Im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts traten durchaus originelle Denker wie Christian Schlözer oder Heinrich von Storch auf. Insbesondere Storch ergänzte in seinem 'Cours d'economie politique' (1815) die klassische Lehre um eine für Rußland wichtige entwicklungstheoretische Komponente.

Der Reformperiode folgen andere Zeitabschnitte, in denen das Paradigma der englisch-schottischen Klassik zwar noch eine wesentliche Rolle spielt, aber von anderen Strömungen herausgefordert wird. Zweynert stellt sie in konziser Form dar: Immer wieder gibt es Auseinandersetzungen zwischen den 'Westlern' und den Slawophilen wie Ivan V Kireevskij und Aleksej S. Chomjakow, die zu den Vertretern einer Rückkehr zur religiösen Orthodoxie und zu einem agrarischen Sozialromantizismus im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts gehörten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kommen russische Sonderformen des Marxismus dazu, wie sie zum Beispiel der 'Legal-Marxist' (weil seine Schriften nicht verboten wurden) Petr B. Struve hervorbrachte.

Zweynert ordnet in seinem klar und anschaulich gegliederten Buch das Werk der jeweiligen Ökonomen sorgfältig in den historischen und biographischen Hintergrund ein, ohne daß diese Einordnung die Darstellung der vorgestellten Thesen verzerrt. Die Bewertungen, die er trifft, sind präzise abwägend. Fachleute und interessierte Laien können dieses Buch gleichermaßen mit Gewinn lesen. Es ist als Einführung für alle, welche die russische Ökonomie entdecken möchten, wärmstens zu empfehlen."


Der Autor
Prof. Dr. Joachim Zweynert
Joachim Zweynert

Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, Professur für Internationale Politische Ökonomie Universität Witten/Herdecke

[weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • Russian Reviews, April 2006, vol. 65, no. 2
  • "Wenn das so ist, wird das zunehmende Interesse an der Geschichte des russischen Denkens nicht nur verständlich, sondern dringend notwendig. Zur Vorbereitung ist das vorgelegte Buch nachdrücklich zu empfehlen." ...
    Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, 2005/2, S. 167-180 (Sammelbesprechung) mehr...
  • Jahrbuch für Geschichte Osteuropa, 53 /2005, S. 437-439
  • "... Even though this volume deals primarily with Russian economic thought, Zweynert also searches for possible causes and explanations of post-communist Russia's difficulties ....
    Journal of the History of Economic Thought, Vol. 27, Number 2, Juni 2005, S. 207-214 mehr...
  • Journal of Modern History, Vol. 77, Number 2, Juni 2005
  • "Zweynert hat ein für die Historiographie der russischen Wirtschaftswissenschaft wegweisendes Buch geschrieben." ...
    Kyklos, 3/2003, S. 431-434 mehr...
  • "Believe it or not, it is a fascinating story." ...
    The European Journal of the History of Economic Thought, 2/2003, S. 367-370 mehr...
  • "Es ist als Einführung für alle, welche die russische Ökonomie entdecken möchten, wärmstens zu empfehlen." ...
    Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2003 mehr...
  • Wiener Slawistischer Almanach 50/2002, S. 389-393
  • Osteuropa, 11/2003, S. 1721-1723
  • Wirtschaft und Gesellschaft, 2/2004, S. 304-306
  • Slavic Review, 1/2004, S. 183-184
  • History of Economic Ideas, 3/2003, S. 142-145
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