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Tuesday, May 21, 2019
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Eine Soziologie der Kalkulation
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Eine Soziologie der Kalkulation

Werner Sombart und die Kulturbedeutung des Kalkulativen

22 Seiten · 4,87 EUR
(Januar 2008)

 
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Aus der Einleitung:

Die Kritik an der verbreiteten Unterstellung, Kalkulation sei ein technisch neutrales Mittel zur Erreichung von (politischen, wirtschaftlichen, sozialen) Sachzielen, ist der Ausgangspunkt der kritischen angelsächsischen Accounting-Forschung der Gegenwart. Die soziologischen Ursprünge eines Denkens, welches die Buchführung als „Schrift des Kapitals“ (Baecker 1993) in den Mittelpunkt gesellschaftstheoretischer Überlegungen zur Genese des modernen Kapitalismus stellt, sind jedoch bereits 100 Jahre alt. Sie liegen bei Werner Sombart und Max Weber – in dieser Reihenfolge. Mit Blick auf diese Arbeiten frohlocken Miller/Napier (1993, 636) gut achtzig Jahre später: „No longer would bookkeeping be relegated to the margins of history, now it was placed at centre stage“. Für Beide – den soziologischen Klassiker Weber und den verhinderten Klassiker Sombart – war die Rationalisierung der Buchführung nicht allein eine technische Innovation. Sie hat vielmehr den Kapitalismus als solchen erst möglich gemacht. Weber (z.B. 1973, 347) hielt sie für eine der Sondererscheinungen des okzidentalen Kapitalismus, für Sombart war die Genese des Kapitalismus ohne das Wechselspiel von Buchführung und kapitalistischem Geist schlicht nicht denkbar. Während Sombart sehr ausführlich den inneren Verbindungen von unternehmerischer Buchführung als Strukturelement des sich entwickelnden Kapitalismus einerseits, persönlicher und kultureller „Rechenhaftigkeit“ andererseits nachgeht, behandelt Weber die „rationale Kapitalrechnung“ ausschließlich als eine funktionale Voraussetzung des kapitalistisc hen Unternehmens – und bleibt damit auf der „Außenseite“ des Kalkulativen. Lediglich in den ebenso kurzen wie berühmten Passagen der „Protestantischen Ethik“ werden die Verbindungen zwischen den Glaubensüberzeugungen und Heilserwartungen bestimmter Strömungen des Protestantismus und der Neigung zu unternehmerischem, kalkulierenden, ökonomisch rationalen und gewinnorientierten Erwerbshandeln aufgezeigt. Nimmermüdes Kalkulieren ist für Weber hier Bestandteil der Werkheiligkeit des asketischen Protestantismus und Mittel der diesseitigen Versicherung von Heilsgewissheit. Rechenhaftigkeit ist in diesem Zusammenhang kein Laster, sondern eine Tugend – und ein mächtiges Motiv wirtschaftlichen Tätig-Seins.

Sowohl vor diesem theoriegeschichtlichen als auch dem gegenwärtigen wirtschaftspolitischen Hintergrund ist es erstaunlich, dass sich – zumindest in Deutschland – eine Soziologie der Kalkulation gerade erst zu entfalten beginnt. Diese Ansätze zur Untersuchung der gesellschaftlichen Form des Kalkulativen und der kalkulativen Form des Gesellschaftlichen (und es wäre bereits spannend zu diskutieren, ob sich ein solches Label für die genannten Projekte als tragfähig erweist) sehen sich historisch betrachtet der Schwierigkeit einer unterbrochenen theoretischen Auseinandersetzung mit dem Kalkulativen gegenüber. Scheinbar, so Miller (2005, 30) seien die Soziologen „von einem Terrain verbannt worden, das von offenbar komplexen quantitativen Techniken besiedelt wird, die sie bereitwillig als gesellschaftlich bzw. gesellschaftspolitisch neutrale Methoden bar jeden soziologischen Interesses akzeptierten“. Und so können heute – gut einhundert Jahre nach Weber und Sombart – nicht mehr als „rudimentäre Ansätze einer Soziologie kalkulativer Praktiken“ (ebd., 31) erkannt werden.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Kognitiver Kapitalismus
Hanno Pahl, Lars Meyer (Hg.):
Kognitiver Kapitalismus
the author
Dr. Uwe Vormbusch

wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialforschung, Frankfurt am Main