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Einkommensverteilung und gesamtwirtschaftliche Nachfrage in Österreich und den Niederlanden

"Hochschulschriften"  · Band 120

183 Seiten ·  34,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-89518-679-0 (Mai 2008 )

 
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Die Wirtschaftspolitik in den Ländern der Europäischen Union war in den letzten Jahrzehnten von Arbeitsmarktreformen und einer wettbewerbsorientierten Lohnpolitik geprägt. Reale Lohnzuwächse lagen unterhalb des Produktivitätswachstums; in der Folge sank die Lohnquote kontinuierlich. Die erhofften Resultate dieser Politik blieben jedoch aus; Wirtschaftswachstum und Beschäftigung entwickelten sich nur schwach.

Stefan Ederer analysiert in seiner Arbeit die unterschiedlichen Auswirkungen einer Veränderung der funktionalen Einkommensverteilung auf die Komponenten der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage am Beispiel Österreichs und der Niederlande. Beide Länder sind repräsentative Beispiele kleiner offener Volkswirtschaften, die seit langem eine Politik zurückhaltender Lohnsteigerungen verfolgen. Ein Rückgang der Lohnquote hat unterschiedliche Effekte auf privaten Konsum, Investitionen, Export und Importe. Theoretisch kann daher die gesamtwirtschaftliche Nachfrage - je nach Größe dieser Teileffekte - positiv oder negativ von einer Veränderung der Einkommensverteilung beeinflusst werden. Sowohl für Österreich als auch für die Niederlande wird das ursprünglich lohngetriebene Nachfrageregime infolge der Globalisierung zunehmend profitgetrieben. Eine profitgetriebene Nachfrage würde bedeuten, dass die Politik zurückhaltender Lohnsteigerungen für Wachstum und Beschäftigung förderlich ist. Diese Schlussfolgerung trifft jedoch nur zu, wenn unterstellt wird, dass andere Länder nicht dieselbe Politik verfolgen. Kommt es zu einem Lohnsenkungswettbewerb, bleiben lediglich die negativen Nachfragefrageeffekte übrig und dämpfen Wachstum und Beschäftigungsentwicklung.

Intervention, 2/2009 ()

"Mit dem auf seiner Dissertation basierenden Buch Einkommensverteilung und gesamtwirtschaftliche Nachfrage in Österreich und den Niederlanden leistet Stefan Ederer einen bedeutenden progressiven Beitrag zur bisher neoliberal dominierten Verteilungsdebatte. Werden Lohnkosten heutzutage mit Blick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit grundsätzlich als zu hoch kritisiert, stellt Ederer jenen Aspekt der Löhne in den Vordergrund, der seit der monetaristischen Revolution in der Wirtschaftswissenschaft keine Beachtung mehr findet: Löhne sind auch Einkommen und tragen deshalb zur Ausweitung von Beschäftigung und Wachstum bei. Der Frage, in wie weit die funktionale Einkommensverteilung in Österreich und den Niederlanden im Zeitraum von 1960 bis 2005 nachfragewirksam war, geht er auf Basis eines, hinsichtlich der Außenwirtschaft ausgeweiteten, kaleckianischen Wachstums- und Verteilungsmodells sowohl theoretisch als auch empirisch nach. Sein Interesse gilt somit kleinen industrialisierten Volkswirtschaften mit anteilsmäßig hohen Außenhandelssektoren, die mittels einer »Beggar-thy-Neighbour-Politik« versuchen, kurzfristige Wettbewerbsvorteile zu erlangen. Dies scheint sich auch bezahlt zu machen: Wie zu erwarten war, dominieren in diesen kleinen Volkswirtschaften die positiven Effekte von Reallohnsenkungen auf die Gesamtnachfrage. Dennoch hält Ederer ein Plädoyer gegen die wirtschaftspolitische Ausrichtung am kurzfristigen Wettbewerbsvorteil und für eine innerhalb der EU koordinierte expansive Lohnpolitik."

Wirtschaft und Gesellschaft, 2009, Heft 2, S. 283-285 ()

"Die Arbeit Stefan Ederers bestätigt also die Erkenntnis, dass die in Österreich in den letzten drei Jahrzehnten in Relation zum gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsfortschritt nur recht verhalten gestiegenen Löhnen (Rückgang der Lohnquote) insgesamt positiv auf das Wirtschaftswachstum gewirkt haben. Doch welche Schlussfolgerungen sollen daraus für die Wirtschaftspolitik gezogen werden? Ederer handelt diese Fragestellung nur knapp ab und sieht die Antworten in folgenden Bereichen: Erstens spielen Verteilungsfragen eine wesentliche Rolle für die Entwicklung der Gesamtwirtschaft. Zweitens hat Lohnzurückhaltung in kleinen Ländern zwar positive Gesamtwirkungen auf das BIP, allerdings auf Kosten der Handelspartner und nur so lange als nicht auch die großen Länder Lohnzurückhaltung üben und es zu keinem Lohnsenkungswettlauf kommt. Drittens würde eine koordinierte Lohnpolitik im EU-Binnenmarkt, bei der die Löhne überall im Ausmaß des Produktivitätsfortschritts steigen, insgesamt positive Wachstumseffekte in allen Ländern mit sich bringen. Angesichts der guten theoretischen Kenntnisse und der sorgfältigen empirischen Arbeit des Autors wäre eine ausführlichere Behandlung der wirtschaftspolitischen Implikationen seiner Untersuchung von größtem Interesse gewesen.

Mit der vorliegenden Arbeit qualifiziert sich Stefan Ederer jedenfalls als einer der empirischen Wirtschaftsforscher, denen man vernünftige Antworten auf diese drängenden Fragen zutraut."




the author
Dr. Stefan Ederer
Stefan Ederer 2005 bis 2007 Mitarbeiter am Institut für Geld- und Finanzpolitik der Wirtschaftsuniversität Wien. Seit 2007 arbeitet er für das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) und ist Lektor an der Universität Wien und an der Wirtschaftsuniversität Wien. [weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • "... leistet Stefan Ederer einen bedeutenden progressiven Beitrag zur bisher neoliberal dominierten Verteilungsdebatte." ...
    Intervention, 2/2009 mehr...
  • "Mit der vorliegenden Arbeit qualifiziert sich Stefan Ederer jedenfalls als einer der empirischen Wirtschaftsforscher, denen man vernünftige Antworten auf diese drängenden Fragen zutraut." ...
    Wirtschaft und Gesellschaft, 2009, Heft 2, S. 283-285 mehr...
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